Kripo erweist "Bullenorden" die letzte Ehre

<b>Der "Bullenorden" </b>und die Kriminalisten: Eike Bleibtreu, Lothar Herrmann und Fritz Krug (von links). Die 33. Sitzung war die letzte.

<b>Der "Bullenorden" </b>und die Kriminalisten: Eike Bleibtreu, Lothar Herrmann und Fritz Krug (von links). Die 33. Sitzung war die letzte.

Ende einer Ära: 33 Jahre lang veranstaltete der BDK aus Bonn Sitzungen - Vom TV-Fahnder Zimmermann zum Ersten Hauptkommissar Herrmann

Bonn. Die Kripo feiert sich selbst - und ehrt sich selbst noch einmal. Mit der Verleihung des "Bullenordens" an die Deutsche Kriminalpolizei hat der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) am Samstag in der Stadthalle Bad Godesberg nach 33 Jahren eine Ära beendet.

Die 33. Prunksitzung des BDK war die letzte. "Mit einem kleinen Häuflein von vier Aufrechten ist der Zeitpunkt gekommen", sagt der BDK-Bundesvorsitzende, der Bonner Eike Bleibtreu.

Mit den vier letzten BDK-Karnevalisten meint er Margot Schneiders, Elmar Ewenz, Dieter Beutel und sich selbst. Bleibtreu geht im Sommer in den Ruhestand, Sitzungspräsident Dieter Beutel scheidet aus. Deshalb sei es Zeit, "dem Ganzen ein Ende zu setzen".

Dass der Jubiläumsorden an die Kripo geht, soll laut Bleibtreu kein Eigenlob sein. "Es gilt, einfach Danke zu sagen und die zu ehren, die ohne Rücksicht auf Zeit und persönliches Umfeld für die Sicherheit der Bürger Verantwortung zeigen." Stellvertretend für die 30 000 Kriminalbeamten in Deutschland nahm der Erste Kriminalhauptkommissar Lothar Herrmann aus Frankfurt den Orden entgegen.

Den Beruf des Polizisten hat er von der Pike auf gelernt. Seit 15 Jahren leitet er das in Mainhattan für Straßenraub und jugendspezifische Gruppen- und Gewaltdelikte zuständige Kommissariat 14.

Bleibtreu: "Er ist ein klassisches Beispiel für den typischen Kriminalisten: ruhig, überlegt, zielstrebig und erfolgsversessen." Herrmann ist stolz über die Auszeichnung, "schließlich stehe ich hier für einen ganzen Berufsstand".

"Vater" des Kripokarnevals in Bonn war Fritz Krug. Zusammen mit den Kollegen Heini Fritsche und Werner Schwab gebar er im "7. K", einer Kneipe in der Innenstadt, die Idee einer Karnevalssitzung für die Kollegen. Die erste jecke Veranstaltung fand 1972 im Hintersaal der Gaststätte "Zur Post" in Oberkassel statt; zur ersten großen Sitzung lud der BDK 1975 in die Stadthalle.

Bleibtreu: "Die Presse nannte unsere Veranstaltung schnell Bullensitzung, ein Begriff, der uns damals wie heute nicht störte, und den Krug sofort aufgriff." Er stiftete den Bullenorden. Damit sollten Frauen und Männer geehrt werden, die sich um die innere Sicherheit verdient gemacht haben.

Bleibtreu erinnert sich, dass sofort Miesmacher und Moralapostel auf den Plan traten. Der BDK wurde als Nestbeschmutzer beschimpft, der sich auf das Niveau derer begebe, die Polizisten als Bullen beschimpfen. Der Gewerkschafter klärt auf: Der Begriff Bulle ist eine ehrwürdige, fast hochachtungsvolle Bezeichnung für die alten Kollegen der Berliner Fahndung in den 30-er und 40-er Jahren.

Erster Ordensträger war XY-Fernsehfahnder Eduard Zimmermann; erste Frau 1977 die Frankfurter Oberstaatsanwältin Adelheid Werner. 1979 verlieh der BDK einen Doppelorden: Der damalige Bundesjustizminister Hans-Jochen Vogel und GSG-9-Kommandeur Ulrich K. Wegener waren die Ausgezeichneten; ein Jahr später war es Hans-Dietrich Genscher.

Ihm folgte der damalige Generalbundesanwalt Kurt Rebmann. Vom ihm stammt der Spruch: "Wer die Bullen unbelehrbar dem Tierreich zuordnet, bringt sich in den Verdacht, ein Rindvieh zu sein." 1982 trat Krug in den Ruhestand; die Bullensitzung ging weiter.

1988 ehrte die Gewerkschaft mit Gerd Boeden den Präsidenten des Bundeskriminalamtes, 1988 Horst Tappert und dessen TV-Oberinspektor Derrick und 1992 den damaligen Innenminister Bayerns, Edmund Stoiber.

2000 hieß der Ordensträger Otto Schily, im vergangenen Jahr war es mit Schwester Lea Ackermann eine Nonne, die sich dem Kampf gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution verschrieben hat.