Gala-Prunksitzung der Stadtsoldaten

Marc Metzger wird Ehrenobrist in Bonn

Bonn. Der Blötschkopp unterbricht für die Ehrung der Bonner Stadtsoldaten im Maritim sein Tuschfasten. 1900 Jecke hören das Loblied, das Ex-Bundestagsabgeordneter Wolfgang Bosbach auf den Karnevalisten singt.

Gib ihm ein Mikrofon in die Hand und er lässt es nicht mehr los: Mit der Ernennung von Marc Metzger zum Ehrenobristen ist den Bonner Stadtsoldaten am Sonntagabend ein großer Coup gelungen. Denn eigentlich macht der Blötschkopp in dieser Session ein sich selbst auferlegtes Tuschfasten – um sich fürs nächste Jahr inspirieren zu lassen.

So stand er bei der Gala-Prunksitzung in der ersten Reihe auf und plapperte auf der Bühne direkt drauf los, allerdings nicht im bekannten Clownkostüm, sondern im dunklen Anzug. „Ich schieße seit Jahren auf diesen Tisch, jetzt sitze ich selbst da“, sagte er zu seinem beliebten, von manchem gefürchteten Spiel mit dem Publikum. Das er sofort aufnahm und dem Herren, der ihm eben noch gegenüber saß, empfahl, im Karneval ein Lächeln aufzusetzen.

''Gäbe es einen Nobelpreis für Humor, er hätte ihn verdient"

Vorjahres-Ehrenobrist und Ex-Bundestagsabgeordneter Wolfgang Bosbach sprach im Maritim in seiner Laudatio in höchsten Tönen über den gebürtigen Bad Neuenahrer. „Gäbe es einen Nobelpreis für Humor, er hätte ihn verdient.“ Seine Reden seien immer anders, gingen nie unter die Gürtellinie und verletzten niemanden. Als Kommandant Ralf Wolanski dem 45-Jährigen die Stadtsoldatenmütze aufsetzte, standen alle 1900 Gäste.

Für die Stadtsoldaten ist die Sitzung natürlich ein Heimspiel, wobei die vielen Gardisten und Tänzer aller Altersklassen tatsächlich Mühe hatten, komplett auf der großen Bühne unterzukommen. So flankierte der Musikzug das Corps auf der Seitentreppe, während nicht nur das neue erste Tanzpaar Sina Bennerscheidt und Michael Orth sein Bestes gab. Für die Marie war es ein besonderer Tag, denn nach dreiwöchiger Verletzung konnte sie endlich wieder auftreten und hatte zudem noch Geburtstag.

Festausschusspräsidentin Marlies Stockhorst wird Ehrenmajor

Die „First Lady des Bonner Karnevals“, wie Wolanski Festausschusspräsidentin Marlies Stockhorst nannte, freute sich, dass sie zum Ehrenmajor der Stadtsoldaten ernannt wurde. Doch was ist das nur für eine Truppe? Vom Wibbeln abgelenkt, bemerkte niemand, dass sich acht Panzerknacker in den Saal geschlichen hatten. „Wir sind alle heute erst ausgebrochen“, versicherte Sträfling 176-671, Ramona Borek. Das müssen so einige im Land verstreute Gefängnisse gewesen sein, denn die acht kamen aus Kerpen, Düren, Essen und Gladbeck, behaupteten, beim Bonner Corps Verwandtschaft zu haben. „Wir lassen mal alles auf uns zukommen“, meinte Knastschwester Maria Lau.

Skepsis war nicht angebracht, denn über das von Schultheiß Willi Baukhage präsentierte Programm gab es nichts zu meckern: Maultaschenfan Guido Cantz ließ sich während seiner Rede bereitwillig fotografieren: „Die Bilder kann man gut an den Kühlschrank heften, um die Eier abzuschrecken“, nahm er sich selbst auf die Schippe und machte sich so seine Gedanken zu den immer weniger werdenden Rednern im Karneval.

Bosbach bezahlt spontan den Auftritt der Luftflotte

Doch die Mischung macht's, lautete die Devise der Sitzung, wo etwa bei der KG Sr. Tollität Luftflotte die Kerle ihre Mariechen in die Luft schmissen – atemberaubende Akrobatik. Das faszinierte auch Bosbach, sodass er spontan den Stadtsoldaten diesen Auftritt schenkte. „Nicht, dass das Tradition wird“, meinte Metzger und fürchtete schon, als Laudator im nächsten Jahr Bernd Stelter bezahlen zu müssen – alles nur Spaß. Beide sangen dann noch gemeinsam den Refrain vom Bläck-Fööss-Lied „Unser Stammbaum“

Die Höhner waren natürlich eine Bank, aber auch die Paveier baten alle auf ihr Hitkarussell mit „Leev Marie“, „Nie wieder Alkohol“, dem Samba „Kumm Mädche danz“ und „Heimat es“, wo alle mitsangen und schunkelten.

Auch die Ur-Bönnsche Anne Kindt nahm ihren Mann Harald in den Arm. Beide waren aus ihrer Wahlheimat Erding angereist – wie immer. „Seit ich drei Jahre alt bin, habe ich keine Sitzung verpasst“, sagte die heute 55-Jährige, die ihren Liebsten als Barbara der Stadtsoldaten 1982 kennengelernt hatte. Der Besuch am Rhein, auch für den Straßenkarneval, muss sein: „Sonst würde uns was fehlen“, meinten die beiden.