Importierte Kapellen

Musikgruppen aus Holland und Bayern spielen beim Bonner Rosenmontagszug

Bonn. Insgesamt 25 Musikgruppen laufen beim Rosenmontagszug mit. 14 von ihnen haben eine weite Anreise, denn es sind keine Gruppen aus Bonn oder der Region. Mittlerweile schon Stammgast ist das Nederlands Brandweerorkest.

Rosenmontag, 9.30 Uhr an der Feuerwache 1 in Bonn. Unter der Aufsicht von Walther Mohr, Musikbeauftragter des Festausschusses Bonner Karneval, fahren nach und nach große Reisebusse auf das Gelände von Bonnorange. Von den insgesamt 25 Musikgruppen, die der Festausschuss für den Bonner Rosenmontagszug engagiert hat, haben 14 Gruppen eine Reise hinter sich.

„Wir haben zum Teil große Schwierigkeiten, Musikgruppen aus dem Großraum Bonn zu bekommen“, sagt Walther Mohr, der seit vier Jahren für die Organisation der Musikgruppen zuständig ist. Zum einen sind die Musikgruppen an Karneval häufig anderweitig gebunden und zum anderen haben sie große Nachwuchsprobleme. „Es kommen immer weniger junge Musiker nach und die Jugendlichen möchten selbst auch mal Karneval feiern“, sagt Mohr.

Um den Jecken am Straßenrand dennoch eine Mischung aus klassischen Spielmannszügen und Marching Bands zu bieten, reisen die Musikgruppen von weit her an. Die längste Anreise hat die Knabenkapelle Auerbach. Mehr als 500 Kilometer haben die 49 Musiker aus der Oberpfalz zurückgelegt.

Hochwasser verhinderte Auftritt im vergangenen Jahr

In diesem Jahr nehmen sie zum ersten Mal am Bonner Rosenmontagszug teil. Geplant war das jedoch anders: Bereits im vergangenen Jahr wandte sich die Knabenkapelle an den Bonner Festausschuss und bot an, auf dem Rosenmontagszug zu spielen. Die Musikgruppe läuft bereits seit 1995 auf Kölner Karnevalszügen mit. Damit sich die lange Anfahrt für die Knabenkapelle lohnt, versuchen sie, möglichst viele Auftritte im Rheinland zu organisieren. Aufgrund des Hochwassers im vergangenen Jahr mussten die Musiker aus Auerbach jedoch alle Auftritte absagen. Ihre Unterkunft in Köln-Brück wurde überflutet.

In diesem Jahr konnten die Auerbacher wie geplant anreisen und spielten bereits auf dem Dransdorfer Karnevalszug und dem Zug in Brück. „Beim Rosenmontagszug müssen wir aufgrund des Sturmes allerdings unseren Schellenbaum und die Hüte weglassen“, sagt Elmar Hamerla, 1. Vorsitzender der Knabenkapelle. Doch dadurch lassen sich die Musiker nicht von ihrem Programm abbringen. Mit Clownskostümen geben sie altbekannte Karnevalsmusik zum Besten.

„Wir sind ja hier, um Karneval zu feiern“

Die holländische Gruppe Nederlands Brandweerorkest hat sich hingegen im Bonner Rosenmontagszug schon etabliert. Seit rund 35 Jahren begleiten sie den Zoch. „Und jedes Jahr ist die Stimmung bombastisch“, sagt Tambourmajor Peter Otten, der selbst seit mehr als zehn Jahren mitgeht. 30 Musiker traten am frühen Morgen um 6.15 Uhr die Reise aus Utrecht nach Bonn an. Zurückkommen werden sie erst nach 23 Uhr. „Wir sind ja hier, um Karneval zu feiern“, so Otten. Im Anschluss gehen die Musiker, wie jedes Jahr, gemeinsam essen und in eine Bar. „Das ist zwar ein langer Tag, aber es wäre eine Schande, gleich nach dem Zug zu fahren“, sagt Piccoloflötenspielerin Anneleen van Ginkel. Auch die Marching und Showband spielt beim Rosenmontagszug Karnevalsmusik. „Früher war es Vorschrift, heute ist es Tradition“, erzählt Otten. Mit dem Stück „Der treue Husar“ starten die Holländer, den Abschluss macht „Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut“.

Auch das Wetter kann die Stimmung der Musikgruppen nicht trüben. Trotz Regen und Sturm sorgen sie unermüdlich für jecke Stimmung.