Zum Abschluss des Bonner Karnevals

Närrischer Löwe für Bonns älteste Boyband

Bonn. Band "die Drei.1" wird im Alten Rathaus ausgezeichnet. Marlies Stockhorst widerspricht Gerüchten und bleibt im Amt.

Der Karnevalsdienstag steht in Bonn immer unter dem Motto „Nach der Session ist vor der Session“. Der Festausschuss Bonner Karneval und die Stadt ziehen Bilanz, geben den Gewinner des Närrischen Löwens bekannt, sagen Dank an alle Helfer und blicken schon in die neue Session. Der Reihe nach:

Närrischer Löwe 2017: Die Bonner Mundartband „die Drei.1“. Hinter diesem eigenwilligen Namen verbergen sich Franz Wahl, Gregor Kess, Hans Jansen und Georg Palmersheim. Seit 50 Jahren stehen die vier Bonner Musiker der Band in den verschiedensten Formationen auf den Bühnen der Region und spielten in dieser Zeit zusammen bei mehr als 4000 Live-Auftritte. Einstimmig hat die Jury, die aus den Festausschüssen aus Bonn, Bad Godesberg und Liküra sowie dem Arbeitskreis Beueler Weiberfastnacht besteht, diesen Vorschlag Oberbürgermeister A-shok Sridharan unterbreitet. „Die Stadt verleiht zum 25. Mal den Närrischen Löwen. Es handelt sich jedes Mal entweder um verdiente Karnevalisten oder um Nachwuchstalente. Beim diesjährigen Preisträger handelt es sich um die älteste Bonner Boygroup“, sagte der OB. Franz Wahl und seine Kollegen waren sichtlich gerührt. „Ist es auch der echte Umschlag?“, fragte Wahl nach und spielte damit auf die Panne bei der Oscar-Verleihung in Los Angeles. Statt mit vielen Worten bedankte sich die Band im Gobelinsaal des Alten Rathauses lieber mit Musik.

Bilanz der Session 2017: Marlies Stockhorst, Präsidentin des Festausschusses Bonner Karneval, überlegte kurz und sprudelte dann los: „Es war eine fantastische Session. Wir hatten ein Prinzenpaar, das durch seine Offenheit und Freundlichkeit beim Narrenvolk sehr gut angekommen ist.“ Bemerkenswert sei auch der Ideenreichtum bei den vielen Veedelszügen gewesen. „In den Bonner Vororten ist das Sessionsmotto fantasievoll umgesetzt worden.“ Zur Überraschung der Gäste im Alten Rathaus sprach Stockhorst ein Gerücht an, das in den vergangen Tagen in der Karnevalsszene für Verwunderung gesorgt hatte – und zwar ihre angeblichen Rücktrittsgedanken: „Ich bin und bleibe Präsidentin des Festausschusses Bonner Karneval und werde mein Amt nicht an Prinzenführer Christoph Arnold übergeben. Den Zeitpunkt meines Rücktritts bestimme ich selbst.“ Ihr Vize Stephan Eisel ergänzte: „Marlies Stockhorst ist bis 2018 als Präsidentin gewählt. Und es gibt überhaupt keine Veranlassung für Spekulationen bezüglich eines vorzeitigen Rücktritts.“

Das Motto der Session 2017/18 lautet „Loss mer fiere un studiere“. Und das neue Sessions-Logo zeigt neben der Prinzenmütze einen schwarzen Doktorhut. Das Karnevalsmotto beschäftigt sich mit dem 2018 anstehenden Jubiläum der Universität Bonn, die 200 Jahre alt wird. Uni-Rektor Michael Hoch sagte am Dienstag bei der Bekanntgabe des neuen Mottos im Alten Rathaus: „Es rührt mich sehr, dass der Festausschuss Bonner Karneval sein Motto auf unser Jubiläum ausrichtet. Es beweist, wie sehr die Stadt Bonn und der Karneval die Universität schätzen.“ Hoch sagte schon mal zu, sichGedanken zu machen, wie die Uni sich 2018 im Rosenmontagszug eindrucksvoll präsentieren könnte.„Wir sind weltweit gut vernetzt und könnten viele internationale Gästenach Bonn locken.“

Festausschusspräsidentin Marlies Stockhorst sagte zum neuen Motto: „Es geht uns nicht nur um das Jubiläum der Universität. Es geht uns auch um die Menschen, die dort arbeiten und studieren. Wir wollen den Karneval und die Uni noch enger miteinander verbinden. das macht bei 33 000 Studierenden in Bonn wirklich Sinn.“

Stockhorst verwies darauf, dass das 2018 auch aus karnevalistischer Sicht Bedeutung hat: 1828,vor dann 190 Jahren, ist der erste bürgerliche Karnevalszug durch Bonn gezogen. „Auch ein Anlass, das zu feiern.“ Am 18. Februar 1828 organisierten die Bonner diesen Zug. Er entsprach dem ehemaligen Residenzcharakter der Stadt. Im Zug waren Masken eines Oberstallmeisters, Mundschenks, Leibarztes, Masken von Hofdamen, Gesandten und Ministern vertreten. Danebengab es Harlekine, Pierrots und andere Figuren, die in der Tradition der Commedia dell'arte und des italienischen Karnevals standen.

Die Freude an diesem frühen Karneval währte nicht lange. Noch 1828 verbot der preußische König das Fest für insgesamt 14 Jahre als „amoralische und in polizeilicher Hinsicht nicht unbedenkliche Lustbarkeit“. Erst 1842 erteilte König Friedrich Wilhelm IV. den Bonnern wieder eine provisorische Genehmigung, den Karneval durchzuführen.