Tolle Prunksitzung im Maritim

Prinz und Bonna haben Heimspiel bei den „Wiesse Müüs“

Bonn. Klassiker, klare Worte und viel Musik: Die „Wiesse Müüs“ vermissen bei ihrer Prunksitzung die Beethovenhalle nicht.

Prinz Dirk II. ist eine enge Beziehung zur Polizeieskorte mit in die Wiege gelegt. Sein Vater schmückte gerade einen Karnevalswagen, als sich einige Kilometer entfernt der Sohn ankündigte. Wie aber schnell hinkommen, wo die Bonner Innenstadt doch schon für den Rosenmontagszug gesperrt war? „Zwei Polizisten mit Blaulicht“ hätten den Vater zum Marienhospital gefahren, so dass er pünktlich zu Geburt da war, berichtete der Prinz bei der Prunksitzung der Wiesse Müüs, wo er und seine Bonna Alexandra III. am Samstagabend Heimspiel hatten. Was lag für Dirk auch näher, als Mitglied bei der Karnevalsgesellschaft zu werden, die ihren Namen der Polizei-Eskorte aus Hauptstadtzeiten verdankt?

Der Vorsitzende Roman Wagner war sichtlich stolz, dass die Müüs in dieser Session gleich das ganze Prinzenpaar stellen, und nicht Teil eines gemischten Doppels sind. Die Bonna staunte nicht schlecht, als sie ihren Mann Felix Roth im Elferrat entdeckte. Um ihn dort unbemerkt einschmuggeln zu können, wurde das „Mäuse-Protokoll“ mit Namen und Nachrichten der Session extra auf den letzten Drücker ausgeliefert.

Die Wiesse Müüs hatten das Maritim gleich für das komplette Wochenende gebucht. Durch den Wegfall der Beethovenhalle und die dadurch notwendige Terminverschiebung fand die ausverkaufte Mädchensitzung gleich am Sonntag statt. Hier war die Stimmung wieder spitzenmäßig, auch weil das Publikum näher an Bands, Rednern und Tanzgarden ist. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir in die Beethovenhalle zurückkehren“, sagte Wagner. Um eine Sitzung für 60 000 bis 65 000 Euro zu finanzieren, brauche er die 2350 Plätze im Saal. Die Beethovenhalle fasste vor der Sanierung rund 1700 Jecken, im Anschluss sollen es laut Wagner noch weniger sein.

„Die sind alle irre. Wir Karnevalisten sind die einzig Normalen“, stellte Redner Guido Cantz mit Blick auf Weltpolitik und Sonderungsgespräche fest. Er hätte durchaus noch Verhandlungsspielraum für das gescheiterte „Jamaika“-Bündnis gesehen, zum Beispiel: „Die CSU darf abschieben, aber jeder muss einen VW-Diesel mitnehmen.“ Schärfer und lokalpolitischer wurde es später bei „Rumpelstilzche“ Fritz Schops, der die Dealerszene am Kölner Ebertplatz mit Nippesser Bürgerwehr und Appelsinefunken einzingeln und dann von der Luftflotte in den Flieger eskortieren würde. „Vielen Dank für diese wahren Worte, in Reimform klingen sie nur halb so schlimm“, sagte Sitzungspräsidentin Verena Janssen, die durch ein gewohnt hochkarätiges Programm führe.

Die „Stäne“ der Klüngelköpp bekamen die erste Rakete des Abends, aber auch bei Paveiern, Cöllnern und Klimpermännchen Thomas Küpper sangen alle mit. Die Band „Querbeat“, laut Janssen „Bonns musikalischer Exportschlager Nummer 1“, begeisterte mit viel Tschingderassabumm. Lieblinge des Abends waren aber die Matrosen der Stattgarde Colonia Ahoi, die mit ihrer riesigen Crew zur karnevalistischen Kreuzfahrt antraten. Ganz in Blau-Weiß und uniformiert – wie gemacht für die Wiesse Müüs.