Kommentar zu Pferden im Rosenmontagszug

Scheuklappen ablegen

Pferde beim Bonner Rosenmontagszug 2017.

Pferde beim Bonner Rosenmontagszug 2017.

Im Ziel, Unfälle mit Pferden zu vermeiden, sind sich alle einig. Nur bei der Bewertung der Lage nicht, meint GA-Redakteur Holger Willcke.

Der Streit um neue Sicherheitsrichtlinien für die Mitnahme von Pferden im Rosenmontagszug belegt aufs Neue das seit Jahren angespannte Verhältnis zwischen Festausschuss Bonner Karneval und den Traditionscorps der Bundesstadt. Die während der Session zumeist gespielte Harmonie zeugt von Diplomatie und Respekt vor dem Brauchtum – mehr aber auch nicht.

Hinter verschlossenen Türen wird nicht selten Tacheles geredet. Da kommt es schon mal vor, dass die großen Corps aus Protest eine Besprechung mit dem Festausschuss verlassen. Wie Mitte September, als Vize-Präsident Stephan Eisel ein zweites Mal für das neue Regelwerk zur Teilnahme von Pferden werben wollte.

Zur inhaltlichen Diskussion kam es nicht. Die Karnevalsfunktionäre gifteten sich an, drohten gegenseitig mit Konsequenzen. Wenn solche Alphatiere aufeinanderprallen, dann rumst es heftig. Dabei wollen alle dasselbe: Mehr Sicherheit und eine tierfreundliche Teilnahme von Pferden in Karnevalszügen. Was sie unterscheidet, ist die Bewertung der aktuellen Lage.

Richtig ist, dass es an Rosenmontag in Bonn und Köln zu Unfällen mit Pferden gekommen ist. Richtig ist auch, dass ein Regelwerk für Reiter, Pferde und Kutschenführer unabdingbar ist. Aber die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen muss dabei gewahrt bleiben. Es ist für alle Beteiligten nicht hilfreich, die Sicherheitshürden so hoch zulegen, dass niemand sie nehmen kann. Und es darf auch nicht der Eindruck entstehen, als hätten alle Corps und Reitställe bislang fahrlässig gehandelt. Das Gegenteil ist der Fall.

Was aber ist falsch gelaufen? Statt den Corps ein von Köln abgekupfertes Konzept überzustülpen, hätte der Festausschuss besser auf Dialog und Transparenz gesetzt. Wer sich an Entscheidungen nicht beteiligt fühlt, trägt sie auch oft nicht mit. Was ist zu tun? Der für die Sicherheit im Rosenmontagszug verantwortliche Festausschuss muss mit der Stadt Bonn zu einem Experten-Hearing einladen, an dem Corps, Reitställe, Kutschenbetriebe, Veterinär- und Ordnungsamt sowie die Reiterliche Vereinigung teilzunehmen haben. Die Expertenmeinung muss Gradmesser für neue Richtlinien sein. Für Rosenmontag 2018 muss es notfalls wegen des Zeitmangels eine Übergangslösung geben, die ab 2019 in einen bindenden Verhaltenskodex für Veranstalter und Teilnehmer übergeht. Denn eins ist klar: Wer jetzt unüberlegt handelt, spielt in die Karten der Tierschützer, die seit Jahren ein Pferdeverbot für Festumzüge fordern. Und dazu darf es nicht kommen.