Sturm an Weiberfastnacht

So feierten Bonns Schüler nach der Party-Absage

Beuel. Der Sturm hat am Donnerstagnachmittag vor allem Bonner Schülern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die After-School-Party im Zelt auf dem Münsterplatz fiel aus. Hunderte Jugendliche zog es hingegen zum Feiern ans Beueler Rheinufer, wo die Bonner Polizei für Sicherheit sorgte.

Der Anfang war etwas schleppend, aber am frühen Nachmittag füllten dann doch wieder Hunderte Jugendliche die Beueler Rheinpromenade rund um die Kennedybrücke. In Pulks und Grüppchen traf man sich im Kostüm, um die heiße Phase des Karnevals einzuläuten. Bier und Schnaps waren offenbar reichlich im Gepäck. Geleerte Dosen und Flaschen säumten schon gegen 15 Uhr die Gehsteige, und die ersten jungen Jecken torkelten merklich angetrunken durch die Menge.

Auf das Thema angesprochen, reagierten einige Teenager zunächst mit fröhlicher Ironie. „Wir doch nicht. Wir trinken nie“, versicherten sie und hatten dabei Mühe, die Bierflasche in der Tatze ihrer Tierkostüme zu verbergen. „Ich bin mal ganz ehrlich: Karneval ist einmal im Jahr. Das muss man doch genießen“, gab ein Mädchen aus der Gruppe zu. Wirklich betrunken war die Jugendliche nicht.

Klar, wer zusammen feiere, der trinke auch etwas, sagte Rafi. „Aber man kann doch auch Spaß haben, ohne gleich betrunken zu sein.“ Schon gar nicht könne er verstehen, wenn Freunde ihre abgestürzten Kumpels einfach stehen lassen. „Das merkt man doch, wenn jemand aus der Rolle fällt.“

Davon konnte am Nachmittag in Beuel nicht die Rede sein. Einsatzkräfte von Polizei und Ordnungsamt beobachteten in größeren Gruppen das Geschehen aus der Distanz. Aus Sicherheitsgründen waren die offenen Zugänge zum Rhein mit Geländern geschlossen worden. Grund zum Einschreiten sahen die Ordnungshüter ansonsten offenbar kaum. Auch bei den Sanitätern vom Malteser Hilfsdienst und der Johanniter-Unfallhilfe war wenig los. Erstmalig hatten sie ihren Bereich zur Akutversorgung in einem der Brückenräume eingerichtet – angesichts des aufziehenden Sturmes und der Regenschauer eine weise Entscheidung.

Über mehr „Kundschaft“ freuten sich Stefan Paschmann und seine Helfer am Bonner Event-Sprinter. Das mobile Suchtberatungsangebot von Stadt, Caritas, Diakonie und der Evangelischen Jugendhilfe Godesheim ist seit elf Jahren im Bonner Karneval präsent. Eine junge Frau im Arztkostüm verhandelte dort, was sie für ihr Likör-Fläschchen eintauschen kann. Wer Alkohol oder Zigaretten abgibt, bekommt im Gegenzug am Event-Sprinter Chips, Sandwiches oder Smoothies. „Wenn ich drei Flaschen für einen Smoothie tausche, habe ich nicht mehr genug“, meinte die Jugendliche.

„Wir kommen über diese Tauschgeschäfte miteinander ins Gespräch“, sagte Vincent Sboron. Der 21-jährige Philosophie-Student aus Bonn hilft nach seinem Freiwilligen Sozialen Jahr regelmäßig am Sprinter mit. Die meisten Passanten reagierten positiv, besonders auf die Ansprache von Gleichaltrigen. „Und die Mehrheit möchte ja auch einfach nur etwas Spaß haben. Die wenigsten neigen zu Exzessen.“

 

Für die war es am Nachmittag im auffrischenden Sturm und bei Regenböen ohnehin zu kalt. In langen Schlangen standen junge Leute deshalb vor der Rheinlust und dem Brückenkeller der Stadtsoldaten und warteten auf Einlass. Die jüngeren zog es dagegen über die Kennedybrücke zur After-School-Party im Zelt auf dem Münsterplatz. Doch dort informierten Jugendamtsleiter Udo Stein und seine Mitarbeiter die Jugendlichen, dass die Party wegen der Orkanwarnung abgesagt ist.

„Wir haben das eben erst entschieden“, sagte Stein. „Wir bedauern sehr, dass wir das Zelt schließen müssen, aber wir können keine Garantie geben, dass nichts passiert.“ Stein und sein Team wollten auf jeden Fall bis etwa 18 Uhr im Zelt bleiben, um Jugendliche aufzufangen, die trotz des angesagten Sturms den Weg zum Münsterplatz gewählt hatten, aber dann nicht mehr wussten, wie sie nach Hause kommen sollten.

Die meisten Jugendlichen, die das Zelt froh gelaunt ansteuerten, reagierten enttäuscht auf die Absage. Sie alle zeigten aber auch Verständnis für die Entscheidung des Jugendamtes. „Schade“, sagte Tobias (14) aus Poppelsdorf. Er und sein Freund Tim (15) aus Kessenich wollten das erste Mal im Zelt Party machen. Die beiden Schüler entschieden sich schnell für ein Alternativprogramm. „Wir gehen zu mir und spielen am Computer“, sagte Tim.

 

Luzie, Cosma und Kira von der Beueler Gesamtschule hatten ihre Freundin Franzi aus Bayern im Schlepptau. Die 16- und 17-jährigen Mädchen hatten sich ebenfalls schon auf die After-School-Party gefreut und sich dafür jeck herausgeputzt. „Dann gehen wir jetzt erst mal was Essen und gucken, ob wir irgendeine Gaststätte zum Feiern finden“, schlug Luzie vor.

Es war das erste Mal, dass die Schüler-Party – 13 Jahre nach ihrer Premiere – abgesagt werden musste. Eine Party, auf der Alkohol tabu ist, und zu der laut Stein stets um die 1200 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren kamen. „Im nächsten Jahr findet sie natürlich wieder statt“, versprach der Jugendamtsleiter. Vorausgesetzt, das Wetter spielt mit.