Jecken trotzen Wetterkapriolen

So schön war der Rosenmontagszug in Bonn

Bonn. Bonns größter Rosenmontagszug hat Tausende Jecken angezogen. Diese trotzten dem stürmischen Wetter. Wir zeigen den Umzug in unserem Video in voller Länge.

Wer den Rosenmontagszug in Bonn sehen wollte, brauchte drei Dinge: mehr als zweieinhalb Stunden Zeit, einen Schirm für den zehnminütigen Regenguss und Durchhaltevermögen. Wer mit Kopfbedeckung unterwegs war, tat zudem gut daran, diese mit einer Schnur unterm Kinn zu fixieren, auf dass der Wind den Hut nicht wegfegte. Vor allem die Wetterkapriolen sorgten dafür, dass es am Straßenrand mit der Zeit etwas leerer wurde. Der Laune tat das keinen Abbruch. Sowohl Akteure als auch Zuschauer zeigten sich entspannt.

Der Schauer machte einem Feuerwehrmann der Bönnschen Funkentöter überhaupt nichts aus. Er wrang einfach seine Handschuhe aus, als sie klitschenass waren. Bei der Narrenzunft hatte es ein Jeck auf deren Schirme statt auf Kamelle abgesehen, bekam aber keinen: „Jaaa, die sind heute teuer“, meinte eine aus der Gruppe und lachte. Zum Glück wurden unterwegs genügend Tempotücher geworfen: Die verhalfen Brillenträgern wieder zu Klarsicht bei vollgetropften Augengläsern. Als sich dann die Clowns von Circus Comicus mit ihrem Bällebad und den Riesenseifenblasen auf den Weg machten, lachte fast schon wieder die Sonne.

„Das Wetter ist so wir wir: stürmig und sonnig“, sagte Prinz Thomas I., der mit Bonna Anne-Christin I. Gummibärchen ohne Ende unters Volk brachte. „Das ist unbeschreiblich. Ich bin einfach sprachlos“, sagte die Bonna über das Bad in der Menge. Es war auch der Zug der Geburtstage: Chris Bollig, der Lebenspartner von Prinz Thomas Zimmermann, feierte seinen 42. mit Schampus auf dem Festausschusswagen und klimperte dabei mit seinen roten Wimpern. Das Studierendenwerk beging im Zoch sein 100-Jähriges. Und die 130 Narren der Lebenshilfe hatte sich zu ihrem 60. Wiegenfeste als gelb-blaue Geschenke verpackt und kamen mit einer riesigen Torte auf ihrem Wagen. „Jeder Mensch ist ein Geschenk“, kommentierte Sprecherin Susanne Land die Idee. Man wolle für Inklusion werben. Wer aus der Truppe nicht laufen konnte, wurde in einer Fahrradrikscha gefahren.

 

GOP mit aufblasbarer Gitarre unterwegs 

In einer solchen saß auch Universa Adriana I. (Valenzuela) von den 40 blauen UN-Funken aus 20 Nationen. Die machten allerdings ganz auf Grün: Ihnen ist zu verdanken, dass der Rosenmontagszug klimaneutral war. Für mehrere Hundert Euro hatten die Funken Zertifikate gekauft, um laut Schatzmeisterin Melita Kolundžic-Stabile „CO2-Emmissionen zu neutralisieren“. Das Geld floss in ein Biomassekraftwerk in Indien, das als Ausgleich zum Treckerqualm in Bonn grüne Energie erzeugt.

Festausschusspräsidentin Marlies Stockhorst hatte sich mit der Familie Malente Prominenz vom Bonner Theaterpalast an Bord geholt: Knut Vanmarcke und Dirk Vossberg-Vanmarcke freuten sich über den Törn durch Bonn – und zwar „wie bekloppt“. Das GOP machte mit seinem Ensemble an der aufblasbaren Gitarre Lust auf die neue Show „Rockstar“.

Doch mit den vielen Kapellen gab es als Salz in der Suppe natürlich auch wieder jede Menge Livemusik. Sibbeschuss sangen „Ich weiß, wohin ich jonn“, wofür man beim festgelegten Zugweg zu Münsterplatz und Markt wahrlich keine hellseherischen Fähigkeiten brauchte. Cavy Basement aus Ramersdorf heizte nicht nur den unzähligen blauen Sportlern der Bonner Ruder-Gesellschaft – übrigens auch 100 Jahre alt – hinter sich ein. In 1980er-Neon-Trainingsanzüge setzte die Sportgemeinschaft vom Bundesforschungsministerium gewagte Akzente, und einer aus der Gruppe trug eine sehenswerte Narrenkappe, die ganz mit bronzenen Kaffeekapseln verziert war.

 

 

Tanzschule jubelt ihrem Chef zu

Manchen Garden wäre es zu wünschen, mehr Musik in ihrer Nähe zu haben – dann hätten sie auch mehr Anlass zu tanzen. Anders die schwarzgelbe Bienchentruppe der Tanzschule Lepehne-Herbst, die die Arme schwingend ihrem Chef, Prinzen Thomas I., ihre Aufwartung machten. Bei den Lustigen Bucheckern war Bonna-Mama Marion Leyer stolz: „Als krönender Abschluss muss der Zug einfach sein.“ Sie weiß als Tollität von 1999 noch, wie toll das ist und freute sich, dass der Sturm ihrer Tochter keinen Strich durch die Rechnung machte. 

Einer der schönsten Wagen war wohl die Garage der GDKG aus Dransdorf, in der ein alter lila Schlitten auf der Hebebühne stand: Da musste man schon genau hinschauen. Als bemerkenswert dürfte das Menü vom Hobby-Koch-Club Pann Huh gelten, der (frischen?) Lebkuchen verteilte. Auf wenig Verständnis stieß es bei einigen, wenn einzeln in Plastik verpackte Mini-Kamelle durch die Luft liegen, die keine fängt und die dann in der Gosse landen. Unterm Strich: Et wor ne richtig schöne Zoch!