Für sie zählt einfach der Spaß am Karneval

Die Durschlöscher sind jecke 22 Jahre alt und feiern seit elf Jahren ihre Sitzung in Duisdorf

Duisdorf. Sie bürsten den Karneval gegen den Strich, sind ihm aber trotzdem zutiefst verbunden. Im Vordergund stehen nicht die Funktionäre, sondern der Spaß am Feiern. So springt der Funke bei den Karnevalsfründen Durschlöschern sehr schnell über.

22 Jahre sind sie jetzt alt und seit elf Jahren mit ihrer Sitzung zu Gast in der Duisdorfer Schmitthalle. "Wir sind damit hier fest verwurzelt", sagt Präsident und Gründungsmitglied Jürgen Klasen. Zur Jubiläumssitzung kamen vor kurzem wieder mehr als 600 Jecke.

Klasen und Peter Brack haben 1987 mit Freunden zusammengesessen. "Was könnte man Karneval machen", überlegten sie sich. So zogen sie sich einen Blaumann an und einen Helm mit Rundumleuchte auf dem Kopf. So ging es von Kneipe zu Kneipe. Mit einem Handkarren hatte sich die Truppe dann einfach in den Bonner Rosenmontagszug eingeklinkt und an die Jecken Schnaps verteilt. "So kam dann der Name Durschlöscher zustande", sagt Klasen. 1987 gilt somit als Gründungsjahr. Anfang der 90er Jahre folgte der Eintrag ins Vereinsregister.

Andere aktive Karnevalisten beäugten die Gruppe recht kritisch. Sollte es sich etwa um Rebellen handeln oder gar einfach einen Saufverein? Nein. Den Durschlöschern geht es um das Lockere im Fastelovend. "Wir waren nie eine Gegenbewegung", sagt Klasen. So kam es Mitte der 90er Jahre dann auch zur Mitgliedschaft im Festausschuss Bonner Karneval.

Attacke aufs Alte Rathaus1991 fiel der Straßenkarneval wegen des Golkriegs aus. Die Durschlöscher waren sich des Schreckens im Nahen Osten bewusst, wollten aber aufs Feiern nicht verzichten. So hatten sie sich am Karnevalssonntag mit einigen Ehrengardisten verabredet und boten den Passanten Kölsch und Grillwürstchen auf dem Markt an. Das ging alles, denn der Verein war damals noch nicht dem Festausschuss angeschlossen. "Alle halbe Stunde hatten wir dann das Alte Rathaus gestürmt", sagt Präsident Jürgen Klasen. Für Rosenmontag hatten sich dann 150 Jecke verabredet, die mit der Trommel vorneweg den Zugweg in Bonn abliefen. Spontan hatte die Polizei den Tross gesichert. "Der ganze Zug ist dann durchs Kurfürsten-Eck in der Altstadt marschiert."

Erste offizielle Karnevalsveranstaltung war 1993 in Graurheindorf mit 50 Aktiven und 20 weiteren Narren, die mitmischten. "Wir sind bis heute auf 50 Aktive begrenzt, damit es nicht zu unübersichtlich wird", sagt der 42-Jährige. Im ganzen gehören heute rund 200 Leute zu den Durschlöschern. Ganz neu ist der Club de Nüsele mit maximal 15 Mitgliedern. Sie zahlen jährlich eine feste Spende, damit der Verein auf festen Beinen steht.

Die ersten Orden der Durschlöscher waren noch aus Ton. Die heutige Vizepräsidentin Maggy Grönewald hatte sie per Hand gemacht. Sie ist auch die Schöpferin des Bönnschen Clowns, der jedes Jahr an Karnevalisten aus der zweiten Reihe verliehen wird. Diesmal erhielt ihn Anne Kohlstadt von der Großen Dransdorfer KG, die sich seit 33 Jahren um die Geschäftsstelle und Kindertanzgarde kümmert.

1994/95 fanden die Sitzungen in Dottendorf, 1996/97 im Poppelsdorfer Clemens-August-Saal statt. Seit 1998 gastiert Klasens Truppe in Duisdorf. Das Besondere: Er moderiert locker, es gibt keinen Elferrat. Als er ihn vor Jahren dann doch einmal ankündigte, bestand er aus Clowns aus Luftballons. "Elf Nasen auf der Bühne, das ist doch langweilig", meint der Präsident.

Das Publikum erwartet im Programm auch nicht Bläck Fööss oder Höhner. "Bei uns tritt auch der Nachwuchs auf. Auf die Mischung kommt es an." Charakteristisch ist auch, dass Prinz und Bonna immer ein jeckes Spielchen mitmachen müssen - zum Beispiel müssen sie Zeitungen verkaufen oder Scrabble spielen. "Einfach traumhaft", sagte Klasen, als ihn die Mannschaft mit dem neuen Gesellschaftswagen überrascht hatte. Es handelt sich um einen überdimensionalen Bollerwagen. Die Erinnerung an die Anfänge der Durschlöscher.