Feiern beim bunten Karnevalszug

Jecke in Lengsdorf trotzen dem Nieselregen

Lengsdorf. Beim Lengsdorfer Karnevalszug wehte ein Hauch von Venedig und die Jugend des heimischen VfL hatte eine nicht ganz legale Idee, die Vereinskasse zu füllen. Auch das drohende Fahrverbot in Bonn war ein Thema.

In Lengsdorf hat sich karnevalistisch viel verändert, weiß Heinz Nolden, und das nicht nur zum Guten. „Das war hier früher von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch eine Karnevalshochburg. Wir hatten ja fünf, sechs Kneipen hier.“ Er hat den Lengsdorfer Karneval ein wenig mitgeprägt: 1956 war er der erste Kinderkarnevalsprinz des Ortes. Am Freitag schaute er sich das Treiben auf der Lengsdorfer Hauptstraße an. Eine Veränderung befürwortet Nolden aber: die Verlegung des Zuges von Veilchendienstag auf Karnevalsfreitag. „Das ist besser jetzt.“

Das fanden auch Anja und Carol. „Dienstagmorgen war ein schlechter Termin.“ Sie waren mit anderen – darunter „Robotina“, einer Papp-Roboterdame – zum Lengsdorfer Zug gekommen. „Wir müssen das Lokale unterstützen.“ Besonders wartete Anja auf das Damenkomitee Goldige Herzen, um einigen Mitgliedern zu gratulieren, die am Mittwoch mit der höchsten Auszeichnung des Bundes Deutscher Karneval für ihr langjähriges Engagement geehrt worden waren. Robotina derweil wartete vor allem auf Kamelle.

Wie so viele andere: Nieselregen und kalter Wind hielten die Lengsdorfer nicht davon ab, auf die Straße zu gehen und sich bei entspannt-ausgelassener Stimmung den Zug anzuschauen, der Auf dem Kirchbüchel begann. Angeführt wurde er von der Sambagruppe „Sambamici“, die zum ersten Mal dabei war. Der Cäcilienchor Sankt Peter holte einen Hauch von Venezianischem Karneval nach Lengsdorf. „Zauberstab und Hexerei machen Sie beschwerdefrei“ verkündete die Fußgruppe der Physiopraxis Wieneke. Die Freiwillige Feuerwehr Lengsdorf bat in ihren prächtig geschmückten Casinowagen zum Glücksspiel. Und die Jugend des VfL Lengsdorf hatte sich Profis organisiert, um die finanzielle Situation zu verbessern: „Ist die Vereinskasse leer, müssen Panzerknacker her“.

Kamelle für das Bonner Prinzenpaar

Auch aus Duisdorf waren einige Gruppen dabei, darunter der 1. FC Hardtberg, die Hardtberger Senatoren und der TKSV mit seinen Cheerleadern, die immer wieder akrobatische Figuren zeigten. Daneben sah man Hunnen, einen Zirkus und Weinkönigin Lara I. aus dem Hause Hennes, die als Schneewittchen verkleidet ihre Zwergenbande vom Lengsdorfer Heimat- und Verschönerungsverein durch die Straßen führte.

Dann wurde es politisch, denn die „Knallhaade“, die 40-köpfige Truppe der ehemaligen Pfarrjugend von Sankt Petri in Ketten, hatten sich mit den Tischtennisfreunden Lengsdorf zusammengetan, um gegen ein Dieselfahrverbot auf der Reuterstraße zu protestieren. „Fahrverbote scheißejal – mir fleejen överall“ lautete das Motto, und allesamt hatten sie sich fliegende Teppiche umgeschnallt, ein garantiert feinstaubfreies Fortbewegungsmittel. Die Kostüme hatten sie selbst gefertigt.

Den Abschluss machte Maikönigin Christina I. aus dem Hause Schneider auf dem Ortsfestausschuss-Wagen mit dessen Vorsitzendem Christoph Schada. Als Majestät auch Tollität zu sein, sei schon seltsam, meinte sie. Aber sie ist karnevalsjeck: Christina gehört zur Équipe des Bonner Prinzenpaares. Vor der VR-Bank durfte sie Thomas I. und Anne-Christin I. Kamelle zuwerfen – sicher auch ein seltsames Gefühl. Dann ging es weiter durch die Straßen. Nach dem Zug wurde im Lengsdorfer Bürger- und Vereinshaus gemütlich weitergefeiert.