"Wenn et eimol lööf. . ."

Jecken trotzen dem trüben Wetter in Dransdorf und Lessenich

Wenn dat Prinzepaar kütt: Manfred I. und Ina I. treten gut gelaunt ihre Fahrt durch die Dransdorfer Jeckenschar an.

Wenn dat Prinzepaar kütt: Manfred I. und Ina I. treten gut gelaunt ihre Fahrt durch die Dransdorfer Jeckenschar an.

Lessenich/Dransdorf. Im Bonner Wesen hatten die Jecken wie jedes Jahr die Qual der Wahl: Nur wer sich beeilte, konnte am Samstag sowohl den Karnevalszug in Dransdorf als auch den in Lessenich komplett sehen.

Gabi und Ruth hatten den Karneval in ihrer Heimat nicht mehr ausgehalten. "Es ist so traurig, es ist zum Weinen!" München ist halt eher für guten Fußball als für guten Fasching bekannt. "An Weiberfastnacht habe ich gerade mal zwei verkleidete Menschen gesehen", erzählte Ruth. Also schnell weg und hinauf ins Rheinland - aber nicht irgendwo hin. "Wir kennen viele Karnevalszüge, aber der in Dransdorf ist der Beste", behaupteten sie. Dort schlossen sie sich Freunden an, die sich als "Intergalactic Intersex Space Tourists" ziemlich schräg in Weiß kostümiert hatten.

Der ging am Samstagnachmittag im Anschluss an den Empfang der Großen Dransdorfer Karnevalsgesellschaft in der Sparkassenfiliale los. Dort sah man auch Prinz und Bonna, die sich aber kurz darauf nach Buschdorf absetzten.

Der Zug wartete mit gut 50 Gruppen auf, darunter neben heimischen Fußgruppen wieder einige mit etwas weiterer Anreise. Die Narren jubelten Musikgruppen aus Eggenscheid im Sauerland, aus Vallendar bei Koblenz und Hönningen an der Ahr zu. Den weitesten Weg hatten wohl die Adelegg Schalmeien aus dem Allgäu zurückgelegt.

Einige Gruppen hatten laut Senatspräsident Heinz Klein, der beim Prinzenpaar mitfuhr, abgesagt, darunter die beliebten Stelzenläufer aus Belgien. Eine andere belgische Wagengruppe sei auf der Autobahn liegengeblieben, hieß es. Solche Gruppen fehlten natürlich beim Karnevalszug, der aber trotzdem schön bunt daherkam. Da sah man Geisterjäger, Piraten, Hunnen, Winzer und vieles mehr. Der Reitstall Hippe aus Heimerzheim kam mit echten Pferden daher, während die Dransdorfer Prinzengarde nur von einem einzelnen Plüschreittier eskortiert wurde. Den Abschluss bildeten natürlich Prinz Manfred I. und Prinzessin Ida I., die gut gelaunt mit vollen Händen Kamelle schaufelten. Am Straßenrand hatten sich trotz des grauen Wetters und Nieselregens viele Jecken eingefunden, von denen einige zur After-Zoch-Party ins Festzelt auf dem Kettelerplatz gingen.

Lessenich

Schon gegen Mittag fanden sich am Samstag die ersten Karnevalsfreunde beim Biwak des Ortsausschusses Lessenich vor der Laurentiuskirche ein, um für den Zug am Samstagnachmittag vorzuglühen. Als der dort endlich ankam, herrschte Hochbetrieb. Und das ist erfreulich für einen kleinen Zug, der parallel zum großen in Dransdorf geht.

Vorher kam die Fahrt allerdings ins Stocken. Die Roncallistraße ist an einer Stelle wegen einer privaten Baustelle verengt, und kurzzeitig sah es so aus, als würde der große Prunkwagen des Ortsausschusses dort nicht durchkommen. Aber der OA-Vorsitzende Bruno Euskirchen hatte vorher abgemessen: Der Wagen sei drei Meter breit, das passe. Schließlich ging es dann tatsächlich weiter. Der Engpass wurde überwunden, und die Leute wurden fürs Warten mit einem Kamelleregen belohnt.

Bei Euskirchen fuhr erstmals auch Lauri mit, das neue Lebend-Maskottchen des FC Rot-Weiß Lessenich mit dem pelzigen Kopf. Dem Wagen folgten unter anderem die Pfadfinder von Sankt Rochus als Matrosen, die Rocker der Rochusschule, die 23 letzten Einhörner und eine Gruppe Internationaler, die sich das Motto "Lessenich First" gegeben hatte. Das Joki-Familienhaus der evangelischen Johanniskirchengemeinde versuchte sich als Weltretter mit Friedensfeuerwehr, und der Gemeindeausschuss Sankt Laurentius fuhr eine Miniatur seiner Kirche durch die Straßen.