Karneval in Duisdorf

Kröönsche hier, Krönung dort

Röttgen. Die Mädchensitzung in Duisdorf findet künftig ohne Nummernboy statt. Die Röttgener haben ihr Kinderprinzenpaar proklamiert.

Ehepartner und andere Männer hatten am Samstagnachmittag in der Schmitthalle in Duisdorf nichts verloren. Bei der zweiten Mädchensitzung der KG Duisdorfer Funken wäre auch kein Platz für sie gewesen: Der Festsaal war nahezu ausverkauft. Überall bestens gelaunte Mädels aller Altersgruppen, die beim Programm begeistert mitgingen – es war kein Vergleich zur Herrensitzung der KG am Freitagabend. Männer und Frauen feiern eben anders.

Das fand jedenfalls Elke Roß von der Gruppe De Kröönsche: „Ich habe Bilder von der Herrensitzung auf Facebook gesehen und gedacht: Wie steif sind die denn?“ Karneval feiern: Ja, die Mädels könnten das besser, meinte auch ihre Freundin Renate Hardy. „Frauen sind einfach lockerer, freier und entspannter.“ Und auch alberner, ergänzte Roß.

Die Kröönsche, eine von etlichen Frauengruppen im Saaal – hatten sich am 1. April 2016 zusammengetan - kein Aprilscherz. Man sei weder KG noch DK, sondern ein jecker Stammtisch mit elf Frauen, von denen die meisten aus Schwarzrheindorf kommen. Sie waren bei beiden Mädchensitzungen der Funken dabei, sagten sie: Das werde jetzt Tradition.

Die Duisdorfer Funken, die sich 2017 gegründet hatten, waren mit ihren Veranstaltungen zufrieden, bei denen das Programm fast identisch war – die Frauen sahen unter anderem die Köbesse, Klüngelköpp, Druckluft und die Domstürmer sowie als Redner Willi und Ernst und Dirk Meesters als Putzfrau. Bei der Mädchensitzung war laut Funken-Präsident und Literat Lutz Persch mehr Publikum als bei den Herren. Man habe auch etwas aus den ersten Sitzungen im letzten Jahr gelernt, sagte er. „Wir haben an der Akustik gearbeitet.“ Die wolle man aber noch weiter verbessern. Zudem sei man auf Bonverkauf umgestiegen.

Und der Nummernboy bei der Mädchensitzung hatte auch einen Namen: Er hieß „Toni“, nach Toni Mai. Der hatte vor einer halben Ewigkeit in Duisdorf die Herrensitzung ins Leben gerufen, die von den Funken 2017 wiederbelebt worden war. Der Namensgeber habe dieser Idee „freudig zugestimmt“, so Persch. Angekommen ist der Nummernboy bei den Frauen im Saal trotzdem nicht. „Das war irgenwie ein Flop“, so Persch. Deshalb werde das Experiment nicht wiederholt.

Eben war Lilli Bauch noch Pagin, jetzt ist die Neunjährige Prinzessin: Als Lilli II. führt sie die kleinen und großen Röttgener Jecken durch die Session. An ihrer Seite macht Simon Butscheid (9) als Prinz eine gute Figur. Sie wurden am Samstagnachmittag beim Vereinsfest der Prinzengarde Weiß-Rot Röttgen durch den Festausschuss proklamiert.

Der hatte in früheren Jahren seine Tollitäten immer in seinen Räumlichkeiten im Keller der Alten Schule gekrönt. Das Vereinsfest im Gemeindesaal der Thomaskirche war aber eindeutig der schönere Rahmen, zumal beide Kinder auch bei der Prinzengarde tanzen. Simon I. ist in seinem Lieblingshobby schon ein gekröntes Haupt: Er hält als Sportler der Schwimmsportfreunde Bonn gleich mehrere deutsche Rekorde in verschiedenen Schwimmstilen in seiner Altersgruppe – in diesem Jahr kam der Rekord in 100 Metern Brust dazu. Sein Ziel: Er wolle auf jeden Fall mal bei Olympia antreten, sagte er bei der Proklamation.

Seine Prinzessin kennt er gut: Beide besuchen die vierte Klasse der Schlossbachschule und sind eng befreundet. Das werde man in der Session noch merken, prophezeite Willi Juchem, Vorsitzender der Prinzengarde. „Die beiden sind wie ein altes Ehepaar.“