KG Sternschnuppen

Seit 125 Jahren jeck in Bonn

DUISDORF/BONN. "Maxe, Maxe - hurra!" Die Leute auf dem Bahnsteig am Bonner Bahnhof kriegten sich nicht mehr ein, als am 12. Februar 1956 Boxerlegende Max Schmeling aus dem Zug ausstieg. Er kam an dem Tag aus dem hohen Norden, Hamburg, in den bönnschen Karneval. Direkt zur KG Sternschnuppen, die in diesem Jahr 125 Jahre alt und damit älteste Karnevalsgesellschaft von Bonn ist. Ihre Jubiläums-Bürger-Kostümsitzung halten die Jecken am 23. Januar in Duisdorf ab.

Schmeling reihte sich in die Reihe der Ehrensenatoren ein, zu denen auch Hans Albers, Heinz Rühmann und Willy Millowitsch gehören. "Da waren mehr Leute am Bahnhof als die Stadt Bonn Einwohner hatte", sagt Klaus Caspari. Da mag der Präsident der Sternschnuppen von 2001 bis 2012 und heute Ehrenpräsident wohl ein wenig übertrieben haben. Doch es war ein besonderes Ereignis, auch für den völlig überraschten Schmeling, der lachte und ein Autogramm nach dem anderen schrieb. Trommelwirbel und Fanfaren, dann ging es im großen Zug zum Schützenhof an der Hohen Straße.

Der KG-Name geht zurück auf das Hotel zum goldenen Stern am Markt - heute Sternhotel -, wo 1890 alles begann. Da gründeten Stammtischbrüder die Gesellschaft, die Leitung übernahm Franz Hubert. Schon an Neujahr gab es die erste Herrensitzung, es folgten weitere in der Session, auch für Damen. "Zurzeit haben wir kein eigenes Vereinslokal", sagt Ingo Dittmann, Präsident seit 2013. Man kehre aber regelmäßig im alten Schützenhäuschen in Endenich ein.

Schon 1893 stellten die Sternschnuppen mit dem Konditormeister Bauer den ersten Prinzen, erinnert sich Caspari, heute 81 Jahre alt. 1895 folgte Leo Colmant, Reporter beim Kölner Tageblatt. Er dichtete damals das Sternschnuppenlied auf die Melodie von "Fröhliche Pfalz", heißt es in der Vereinschronik.

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 "gab es so gut wie keine Veranstaltungen mehr", sagt der Ehrenpräsident. Es gab so manche Höhenflüge, etwa bei den internationalen Tanzturnieren. "Dafür hatte Bundeskanzler Konrad Adenauer sogar einen Pokal gestiftet", sagt Dittmann. 1960 ging der an die Funken Blau-Weiß Siegburg. 1961 wurde Tom Jakobi Präsident, der in dem Jahr mit seiner Frau Doris auch das Bonner Prinzenpaar mimte. 1968 stieß das erste offizielle Tanzmariechen zu den Sternschnuppen. Mehr und mehr lösten die Mädchen die Jungs in der Garde ab.

Auf Höhen folgten Tiefen, etwa in den 90er Jahren. "Die Tanzgarde kam ins Hintertreffen, wurde nicht mehr als so wichtig erachtet", sagt Caspari, der gebürtiger Berliner ist, aber seit 1961 in Bonn lebt und sich auch als Bonner fühlt. Dittmann (71) stammt aus Cottbus, ist in Bonn aufgewachsen. "Ich war schon immer ein Karnevalsjeck", sagt er. Er mag das familiäre an den Sternschnuppen, dass alles nicht so groß ist. Es gebe keinen Krach, es gehe immer freundschaftlich zu.

"Die Gründung des Damenkomitees hat den Sternschnuppen nicht gut getan", erinnert sich Caspari an die 80er Jahre. Die Frauen hätten bei der Sponsorensuche damals den Herren das Zepter aus der Hand genommen, bis diese dann ein paar Jahre später noch früher die Klinke putzen gingen. 1999 ging dann das Damenkomitee in den Verein über.

Ab 2000 ließen sich die Kosten für die Tanzturniere nicht mehr stemmen. Die KG richtete ihr Hauptaugenmerk auf die Jugendarbeit und das Brauchtum, was auch heute noch gilt. Die jungen Tänzer sind engagiert bei der Sache, die Sternschnuppen haben zwei Solomariechen und weitere Solotänzerinnen. Derzeit hat die KG 123 Mitglieder - inklusive den Jugendlichen. Zu Glanzzeiten waren es mal mehr als 700, aber auch schon mal weniger als 100, so dass derzeit alle zufrieden sind.

Neben dem Sessionsauftakt nimmt die KG Sternschnuppen immer am Rosenmontags- und Endenicher Vierdelszoch teil. Das kostenlose Kinderkostümfest findet am Sonntag, 1. Februar, von 13 bis 16 Uhr im Rathaus Beuel, Friedrich-Breuer-Straße, statt.

0 Bei der Jubiläumssitzung am Freitag, 23. Januar, ab 19 Uhr in der Halle Schmittstraße treten der Tuppes vom Land, ne Schwadlappe, die Bonner Ehrengarde und Beueler Stadtsoldaten, Prinz und Bonna und noch viele weitere auf. Karten zu 15 Euro gibt es unter Tel. 0228/96 16 19 00. Mehr im Internet auf www.sternschnuppen-bonn.de. Neues zum Karneval aus Bonn und der Region steht auf www.kamelle.de.