Sitzung der Endenicher Kolpingsfamilie steht vor dem Aus

Von 572 Karten sind erst 250 verkauft - In 53 Jahren hat es noch keinen Ausfall gegeben - Eigene Kräfte und viel Lokalkolorit waren jahrzehntelang der Garant für den karnevalistischen Erfolg

Endenich. Das hat es in 53 Jahren Karneval bei der Endenicher Kolpingsfamilie noch nicht gegeben: Von 572 Plätzen in der Josef-Strunk-Halle sind gerade mal 250 verkauft. Damit dem Verein kein Verlust entsteht, müssen noch gut 200 Karten verkauft werden. Der Vorstand will am Mittwoch entscheiden, ob die Sitzung überhaupt stattfindet. Denn ein Minus in der Kasse kann sich der Verein nicht leisten.

Josef Feikes, der 40 Jahre lang in der Bütt stand und bei Sketchen mitmachte, will die Sitzung nicht ausfallen lassen. Er hofft, dass in den nächsten Tagen doch noch so manche Karte weggeht. Doch eine Erklärung für den schlechten Kartenverkauf hat er nicht. "Die Karten waren immer ruckzuck weg." Es gebe zwar einige Parallelveranstaltungen am 11. Februar, doch das sei nur ein Aspekt.

Bislang haben die Kolpinger das närrische Treiben Jahr für Jahr ohne Unterbrechung angeboten. Alles hat im damaligen Saal der Gaststätte Nolden begonnen. Nicht nur die Orden waren immer selbstgemacht, auch das Programm mit Tanz, Musik und Vorträgen.

Wie die Nachbarn, die Kolpingsfamilie Poppelsdorf, setzen die Endenicher ganz auf eigene Kräfte. Ausnahme ist nur der Auftritt von Prinz und Bonna und in diesem Jahr erstmals ein Besuch des Kadettencorps der Stadtsoldaten.

So macht das Lokalkolorit den Flair der Sitzungen aus, was die Jecken im Saal sehr zu schätzen wissen. Feikes kann sich noch gut an die Persiflage auf Prinz und Bonna 1984 erinnern. Da kam Robert Morche als kleiner Prinz auf die Bühne, der sehr viel größere und kräftigere Matthias Schmitz als seine Bonna - beide im vollen Ornat.

Die originalen Kostüme kamen direkt vom Festausschuss Bonner Karneval. Zudem stand die gesamte Equipe auf der Bühne, darunter auch falsche Ehrengardisten, Mariechen mit gelben und roten Gummistiefeln. "Meine Mutter hat mich selber nicht erkennen können", erinnert sich Schmitz. "Die hatte gedacht, 'was ist das für eine schöne, gemütliche, dicke Bonna'." Die echten Tollitäten erschienen dann im Anschluss.

Unvergessen ist auch das Jahr, als die Kolpinger ein ganzes Orchester mit 30 Instrumenten stellte. Seit 30 Jahren sitzt Reiner Reintgen im Elferrat, moderiert die Sitzung seit 1999 - mit Ausnahme von 2005, als er Bonner Prinz war. Als Co-Schultheiß steht ihm Roland Holzhausen zur Seite. "Wir kämpfen, dass die Tradition nicht gebrochen wird", sagt Reintgen.

"Es muss aber wirtschaftlich sein." Die Sitzung sei das Aushängeschild der Kolpingsfamilie. "Es geht ein Stück von Endenich verloren, wenn sie nicht mehr stattfindet. Sie gehört wie die Kirche zum Dorf." Für Feikes ist klar, dass sich der Vorstand nun über die Zukunft Gedanken machen muss. Vielleicht könne man künftig in die Springmaus ausweichen. Da passen 300 Gäste rein.

Das Motto in diesem Jahr lautet "Der Ball es rond, on Laache es jesond!". Die Sitzung soll - wenn alles gut geht - am 11. Februar um 19 Uhr eröffnet werden. Die Gäste erwartet etwa eine Parodie der Infernalischen sowie der Auftritt der Kinder mit dem neuen Hit der Höhner.

Karten zu 10 Euro gibt es bei Hans Bölinger, Rufnummer (02 28) 62 22 24.