Szenen wie aus dem Leben gegriffen

In Endenich läuft der Bach nimmi voll - 1 200 Zugteilnehmer in Dransdorf - Lessenicher Karnevalszug mit viel Sonnenschein - Auch in Buschdorf und Röttgen sind die Jecken unterwegs

Endenich. Dieses Jahr war das Motto für den Endenicher Veedelszoch schnell gefunden: "Unser Bach läuft nimmi voll". Kein Wunder, hatte doch die Diskussion um die Freilegung des Bachs mitten durch den Ort wochenlang für hitzige Diskussionen gesorgt.

Jetzt sind die Bauarbeiten voll im Gange, und phantasievoll hatten zahlreiche Gruppen das Motto am Sonntag im Zoch umgesetzt. Zwei von ihnen - "die Freunde des Endenicher Karnevals und "Endenicher Familien fiere Fastelovend" - hatten bereits im Vorfeld für Furore gesorgt: Sie errangen beim Fußgruppen-Wettbewerb der Volksbank und des Festausschusses Bonner Karneval immerhin Platz zwei und drei.

Während die Freunde des Endenicher Karnevals als 30 Meter langer Bachlauf am Straßenrand vorschwammen, erhielten die Endenicher Familien als bunte Fische und leckere Fischstäbchen den verdienten Applaus der Jecken.

Ebenfalls die Kolpingsfamilie, die aus ihrem "Canale volle" gern das eine oder andere Gläschen spendierte. Was allerdings die KG-Narrenzunft mit ihren Gartenzwergen im Schilde führte? Die hoffen wohl, einmal die Spazierwege am freigelegten Bachlauf schmücken zu dürfen.

Zum fünften Mal dabei: die KG Schwarz-Rot-Endenich, die mit einer fantastischen Bläsergruppe hoch auf dem Wagen aufspielte. Wie immer strahlender Laune: das Damenkomitee Lustige Bucheckern, das von seinem Prunkwagen die Kamelle nur so regnen ließ. Ganz tapfer FDP-Ratsherr Joachim Stamp: Er wackelte als Landrätin verkleidet auf Stöckelschuhen am Narrenvolk vorbei.

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Dransdorf. Wer in diesem Jahr beim Zug der Großen Dransdorfer Karnevals-Gesellschaft (GDKG) richtig Kamelle absahnen wollte, musste schon früh an Ort und Stelle sein.

Denn schon lange, bevor sich die Karawane in Bewegung gesetzt hatte, war an Durchkommen kaum zu denken: Tausende Jecken standen sich am Straßenrand die Füße platt, um den rund 1 200 Zugteilnehmern und dem Dransdorfer Prinzenpaar Prinz Mirko I. und Susanne I. einen gebührenden Empfang zu bereiten.

Neben den 15 Musikgruppen und 16 Prunkwagen sorgten vor allem "De fietsende Clowns" aus Belgien für viel Aufsehen. Die bunte Clownparade sauste auf Fahrrädern durch die Straße und beeindruckte die Zuschauer mit vielfältigen Fahrkünsten. Hoch zu Ross präsentierten sich die "Kegeljäger". Mit aufgeblasenen Plastikpferden um die Hüfte machten sie sich in den Wilden Westen auf.

Kälte vom Nordpool, aber dafür viel musikalisches Feuer brachten die Trommler "Guugenmusig Blaechchutzeler" aus Belgien als Eskimos mit. Die Zuschauer antworteten - ganz getreu dem Motto "35 Johr Spass an d'r Freud, datt hätt en Dronsdorf noch keener bereut" - mit rheinischem Temperament und tanzten mit.

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Buschdorf. Helmut Schmitz, Ortsausschuss-Vorsitzender von Tannenbusch, ist als Mann von stattlicher Größe eigentlich kaum übersehbar. Im Buschdorfer Karnevalszug war er trotzdem kaum wieder zu erkennen:

Schmitz steckte in einem riesigen roten Plüschherz. Zusammen mit elf weiteren Herzen bildete er die Begleitgarde für seine Frau - die Buschdorfer Prinzessin Gerda I. Die Tollität bildete in einem gelb-roten Herzwagen das adelige Schlusslicht des Zuges. Schließlich galt es dem Motto "Et Hätz om richtije Fläck, en Buschdorf sen me all jäck" alle Ehre zu machen.

"In diesem Jahr nehmen 500 Personen in 24 Gruppen am Zug teil. Das ist eine reife Leistung für ein kleines Dorf", freute sich Alexander Schröder, Vorsitzender des Karnevalausschusses.

Besonders originell: Die katholische Frauengemeinschaft hatte sich in bunte Wäschewölkchen verwandelt. In gebastelten Wäscheklammerkostümen schoben die Teilnehmer fahrbare Wäscheständer vor sich her. Statt Kamelle hagelte es Fliegenklatschen, Zahnbürsten und Taschentücher.

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Lessenich/Messdorf. Mit dem Sonnesching von oben war nichts, aber der Lessenicher Karnevalszug hatte genug Sonnenschein in den eigenen Reihen.

Goldglänzende Sonnen und dunkelblaue Monde bildeten eine der vielen phantasievollen Fußgruppen, die am Samstagnachmittag durch Lessenich zogen und denen die Jecken vom Straßenrand aus kräftig zujubelten.

Getreu dem Motto, das der Ortsausschuss Lessenich-Meßdorf ausgegeben hatte: "Für Alt und Jung, für Klein und Groß, in Lessenich-Messdorf ist immer was los."

Die "Schlafmützen" im Pyjama hatten ein Himmelbett auf Rädern dabei und pfiffen auf die jüngste Steuererhöhung: "Was juckt uns denn die Mehrwertsteuer, unsere Kostüme waren nicht teuer".

Die Koernickestraße grüßte mit viel Herz, die Jecken vom Gut Ostler nahmen "Alfred Biojeck " aufs Korn, und Kinderprinzessin Nadine I. warf reichlich Kamelle. Rätselraten um den Tannenbaum auf zwei Beinen mitten im Zug.

Hat der sich nicht in der Jahreszeit geirrt? Ein Blick aufs Pappschild am Baum brachte Licht ins Dunkel: "Brunos Versteck" stand dort, eine kleine Erinnerung an den "Problembären" des vergangenen Sommers.

Dem Karnevalssamstag in Lessenich vorausging schon morgens das große MKC-Biwak, erstmals am neuen Standort in der Roncallistraße. Damit war man "sehr zufrieden", wie Peter Gediga vom MKC resümierte. "Das war dort eine richtig schöne Feiermeile."

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Röttgen. "Zeit, dass sich was dreht", dachten sich die Röttgener Narren und zeigten in ihrem Karnevalszug, dass nichts ohne König Fußball läuft. "Wir wollen die WM zurück", forderten die Ückesdorfer Ü-Dötzchen, und jecke Fußball~freaks versprachen: "Südafrika 2010 - Wir kommen".

Aber nicht nur Ballkünstler gingen im Röttgener Zug mit, auch Wikinger und Clowns waren dabei. Der Kindergarten Pusteblume zog mit Pippi Langstrumpf ins Taka-Tuka-Land und transportierte im Buggy wahlweise Kamelle oder müde kleine Piraten.

Die Seniorenmaiköniginnen standen im ehemaligen Schloss Herzogsfreude ein bisschen über den Dingen und brachten Süßes unters Volk. Heino war gleich dutzendfach vertreten, und die FDP nahm sich des bayerischen Ministerpräsidenten an:

"Äh Normalbär, Äh Problembär, Äh Stoibär". Die Kau-Girls warnten: "Bitte nicht füttern". Die KG Rude Nase war in Strohhut und Hawaihemd auf Weltreise.

So manch ein durchgefrorener Jeck wäre da sicher gerne mitgefahren in südliche Gefilde - aber auch dem wurde es beim Feiern nach dem Umzug, den das Kinderprinzenpaar Niklas I. und Chiara I. mit reichlich Kamelle beschloss, wieder warm ums Herz.

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