1823 wurde "Held Karneval" vorgestellt

Ein Fastnachtsturnier zeigt dieses Wandgemälde auf Schloss Drachenburg.

Ein Fastnachtsturnier zeigt dieses Wandgemälde auf Schloss Drachenburg.

Karneval wurde am Rhein seit dem 12. Jahrhundert gefeiert. Daran änderte auch die französische Besatzung durch die Truppen Napoleons nichts. Michael Klein und seine Frau Gabriele berichten über die Entwicklung des Fastelovends im 19. Jahrhundert.

Siebengebirge. (khd) Karneval wurde am Rhein seit dem 12. Jahrhundert gefeiert. Daran änderte auch die französische Besatzung durch die Truppen Napoleons nichts. Sie erlaubten den "belles geckes", wie die Franzosen die Rheinländer nannten, ihre Umzüge durch die Straßen, so Michael Klein im Unkeler Heimatladen.

Zusammen mit seiner Ehefrau Gabriele Limberger-Klein widmete er sich der "Reformation des rheinischen Karnevals im 19. Jahrhundert", die mit der "Thronbesteigung des Helden Carneval" beginnt. Fastnacht wurde von den Katholiken am Rhein als Beginn der vorösterlichen 40-tägigen Fastenzeit gefeiert. Und so hat auch der Rosenmontag kirchlichen Ursprung.

Bis 1832 wurde dieser als Halbfasten nach "Laetare", dem vierten Fastensonntag, gefeiert. An diesem Sonntag weihte der Papst seit dem 11. Jahrhundert eine mit Balsam gefüllte Rose, die in einer Prozession durch die Straßen Roms getragen wurde. "An diesem Tag durfte nach Herzenslust gegessen, gesungen und gefeiert werden. Außerdem gab es Fastnachtsturniere, wobei es auf den Straße häufig zu Schlägereien und Belästigungen kam", sagte Klein.

Da stand zu befürchten, dass die neuen Herren, ab 1815 die protestantischen Preußen, den "Mummenschanz" verbieten würden. Entsprechend war es notwendig, den Karneval neu zu organisieren, eine Aufgabe, die 1822 von der Olympischen Gesellschaft in Angriff genommen wurde. "Es wurde ein Comité gegründet, dem der Präsident des Dombauvereins, der Jurist Heinrich von Wittgenstein, bis 1835 vorstand. Die Familie des Juristen hatte übrigens seit Ende des 18. Jahrhunderts einen Sommersitz in Unkel."

Dem Kaiser eng verbunden, präsentierten die Comité-Mitglieder ihren Mitbürgern 1823 den "Held Karneval". Dessen Gewand war dem des Kaisers mit weißem Unterkleid samt goldener Kette und einem mit Hermelin besetzten Mantel nachempfunden. Dazu trug der Held, bis 1830 der "Kölnisch Wasser"-Fabrikant Emanuel Ciolina Zanoli, eine goldene Krone mit Pfauenschweif, Symbol der Unsterblichkeit.

In der rechten Hand hielt er ein Zepter als Zeichen des Regierenden, in der linken eine "Waffe", die heutige Pritsch. Zu seiner Inthronisierung wurde ein Karnevalslied geschrieben, das lange das Eröffnungslied auf allen Sitzungen war. Abgesehen von den Historienthemen waren es meist gemütvolle Lieder. In dieser Tradition sieht Klein auch noch "Wenn ich su an ming Heimat denke" von Willi Ostermann, in dem der Referent den letzten Rheinromantiker sieht.

Schon 1824 besuchte Prinzessin Venetia - der Bankier Simon Oppenheim - Held Karneval. Sie war beim Zug an seiner Seite, während auch erstmals die Jungfrau unabhängig von den beiden im Zug vertreten war, wie auch ein Jahr später der Bauer. Erst ab 1872 wurden Jungfrau und Bauer ständige Begleiter, und bildeten mit dem Held Karneval das Dreigestirn.

"Venetia und Orden stammen aus Düsseldorf, wo beides bereits 1668 erwähnt wird", ergänzte Limberger-Klein, bevor sie auf die Rivalität zwischen den Städten einging. Nicht die mittelalterliche Schlacht von Worringen soll die Ursache sein, wohl aber Kölns Schmach, als größte Stadt des Rheinlands nicht Sitz der preußischen Verwaltung geworden zu sein: "Das wurde Koblenz. Bonn bekam die Universität und Düsseldorf die Kunstakademie."