Jubiläumssitzung der KG Klääv Botz

Die Jecken liegen Bruce Kapusta zu Füßen

AEGIDIENBERG. 111 Jahre währt die Geschichte der KG Klääv Botz - aber so ist die Karnevalsgesellschaft von 1904 wohl noch in keine Sitzung gestartet. Die Bühne: leer. Der Saal: im Dämmerlicht. Und plötzlich ein Trompetenruf. Bruce Kapusta zog ein mit seinem Lied vom Clown.

"Fastelovend zesamme, jeht es Euch joot? Wir lassen jetzt die Stääne am Himmel danze!" Und wie! Schon bald wechselte der Mann mit der Trompete mitten unters Publikum. Besser, die bunt verkleideten Besucher der Kostümsitzung der Jubiläumsgesellschaft "lagen" ihm förmlich zu Füßen. "Halleluja!" Bruce Kapusta spielte auf den Tischen und heizte den Jecke ordentlich ein mit den Hits des Fasteleers. Zum Mitsingen und Mitschunkeln schön.

Das Repertoire reichte von "Piraten, wild und frei!" über "Du bess die Stadt" bis hin zu den "Stääne". Und dann ließ Bruce Kapusta Konfetti wie Sternschnuppen regnen. KG-Präsident Oliver Fröhlke, der sich mittlerweile auf die Bühne "geschlichen" hatte, rief: "Ein fulminanter Auftakt!" Und der Star-Trompeter gratulierte: "111 Jahre! Wo gibt es denn so etwas? Herzlichen Glückwunsch!"

Aber dann: Licht an! Mit Pauken und Trompeten zogen sämtliche Klääv-Botz-"Truppen" in den Saal: der Spielmannszug voran, es folgten die Fünkchen, die Bergfunken, die Prinzengarde, der Elferrat - und ja, das Siebengebirgsprinzenpaar Josef I. und Sandra I. (Witt). Die Tollitäten und ihr Jeschmölz verteilten Strüßjer und Bützje, ehe sie nach einer Ewigkeit ganz vorn angelangt waren. Ein Traumbild in Rot-Weiß auf der proppenvollen Bühne.

Als Siebengebirgsprinz wird Seine Tollität als Josef I. gezählt. "In unserem gemütlichen Wohnzimmer aber bist Du eigentlich Josef IV.", erinnerte der Präsident an den vierten Prinzen namens Josef in der langen Historie der Aegidienberger KG.

Und an diesem Abend gehörte er ganz seiner Gesellschaft in seinem Heimatort Aegidienberg. Prinz Josef lud alle ein, beim Siebengebirgszoch am Veilchendienstag nicht nur am Straßenrand zu stehen, sondern mitzugehen. Seine Sandra lobte die närrischen Untertanen: "Ihr seid alle so super angezogen!"

Vom Elferratstisch aus verfolgten sie dann den Auftritt der Fünkchen. Einfach süß! In Bestform präsentierten sich im Jubiläumsjahr auch die Bergfunken und die Prinzengarde. Und später am Abend kommandierte Roland Schramm die Ehrengarde der Klääv Botz in den Saal. Die staatsen Kerle eroberten mit Klabüs, Stippeföttche und jaaanz viel Akrobatik die Herzen der Sitzungsbesucher.

Hin und weg war das Publikum ebenso von Niklas (14) und Lena (10). Die Geschwister aus Alsdorf begeisterten mit ihrem Witz und ihrem sicheren Auftreten. Fragte Niklas: "Wer hat die Geige erfunden?" Wusste sein kesses Schwesterchen: "Fidel Castro."

Aber was nun? Licht aus! Alle Mann von Bord! Die "Bühnenbesetzung" hockte sich unters Volk. Und Stefan Dietrich enterte mit seiner zweidimensionalen Verwandlungsshow den Saal. Das war die Top-Nummer des Abends. Der Künstler wechselte in Windeseile die Papierkleider über seinem Trikot, passend zur Musik und zu Personen.

So waren selbst die Queen und der Papst zu Gast im Bürgerhaus. Schließlich nahm Dietrich KG-Senator Joachim Rings mit "unters Kleid" zum Lied "Aber dich gibt's nur einmal für mich". Ohne Zugaben ließ ihn die jecke Bagage nicht ziehen.

Köstlich: Bauchredner Gérard mit Emilio und Richy, den schrägen Vögeln, oder Blom un Blömcher mit ihren Parodien. Und als die Rheinmatrosen der Großen Mülheimer KG ihre Segel im Bürgerhaus setzten, da wurden einige Besucher fast ein bisschen "seekrank": Akrobatik pur. Mädchen flogen durch die Luft. Die fünfstöckige Pyramide reichte bis zur Saaldecke.

Mit der A-cappella-Gruppe "Die Wanderer" legten die Besucher die letzten Sitzungskilometer zurück. Josef I. und Sandra I. hatten mit ihrem Prinzenlied bis dahin gewartet. Mit "Lippenakrobatik sorgten die "Wanderer" für "instrumentale" Begleitung. Umwerfend. Auch das eine gelungene Premiere!