Prinzenproklamation in Oberpleis

Ein ehemaliges Ströppchen und ein Pleeser Jung

OBERPLEIS. Jutta und Stephan Becker sind die neuen Pleeser Tollitäten. Wie sie bei der Proklamation durch Bürgermeister Peter Wirtz verrieten, bereitet ihnen nur eines Sorgen: die beiden Söhne sind – noch – nicht karnevalsjeck.

Eine gute Ausbildung ist der Schlüssel zum Erfolg. Oder wie man im Rheinland so schön sagt: „Vun nix kütt nix“. Das neue Oberpleiser Prinzenpaar ist der beste Beweis dafür: Sowohl Prinz als auch Prinzessin haben eine ordentliche Karnevals-Ausbildung in der Narrenzunft Oberpleis genossen. Auf der närrischen Karriereleiter sind sie fleißig Stufe um Stufe empor geklettert und nun verdientermaßen am Ziel ihrer Träume angelangt.

Am Samstag wurden Jutta I. und Stephan I. (beide Becker) von Bürgermeister Peter Wirtz offiziell als neue Pleeser Tollitäten proklamiert – umjubelt von zahlreichen bunt kostümierten Jecken, die in der Aula des Schulzentrums Oberpleis völlig aus dem Häuschen gerieten, als sie erfuhren, wer in dieser Session das närrische Ruder in den Händen hält.

„Mit Stephan haben wir einen, der ist mit allen Wassern gewaschen“, verriet Wirtz. Nicht nur, dass der neue Prinz als Mitglied des TuS 05 Oberpleis seine Waden in zahlreichen Schlachten auf dem Fußballplatz gestählt habe, „der ist auch Leiter einer Einsatzhundertschaft bei der Polizei. Der wird mit so einem Saal hier alleine fertig“.

Zudem hat er es im Funken-Regiment der Narrenzunft, deren Mitglied Stephan Becker seit 1989 ist, immerhin auch schon bis zum Oberst mit Säbel gebracht. Als waschechter Pleeser Jung wurde der neue Prinz bereits in der Wiege mit dem Bazillus Karnevalensis infiziert – kein Wunder, wenn man ausgerechnet an einem Karnevals-Samstag das Licht der Welt erblickt hat. 1973, im zarten Alter von zwei Jahren, ging er bereits zum ersten Mal im Pleeser Zoch mit.

Und natürlich hat er auch seine Prinzessin im Fastelovend kennengelernt: 1995 war das, geheiratet wurde fünf Jahre später. Jutta I., 1977 in Bonn geboren, lebt seit 1988 in Oberpleis und ist quasi im Schoß der Narrenzunft groß geworden. Angefangen hat sie bei den „Ströppchen“, hat später dann bei den „Dilledöppchen“ die Tanzstiefel geschnürt und wurde 1995 Solo-Mariechen bei den Blau-Weißen Funken.

Nach ihrer aktiven Karriere hat sie von 1998 bis 2012 die Dilledöppchen und die Zunftsterne trainiert und bringt nun schon seit einigen Jahren als Trainerin den Funken das Exerzieren und das „Stippeföttche“ bei.

Auch mit ihren Mädels aus der ehemaligen Gruppenstunde der Oberpleiser Pfadfinder hat sie stets im Pleeser Fastelovend kräftig mitgemischt – an die feschen Stewardessen-Kostüme zum Beispiel kann sich selbst der Bürgermeister nach eigenem Bekunden noch sehr gut erinnern: „Das Röckchen war viel kürzer als das Kleid heute.“ Dafür in Form hält sich die neue Regentin mit Zumba-Fitness.

Einziges Manko des durch und durch jecken Prinzenpaares: Noch ist es nicht gelungen, die beiden Söhne Leon und Luke ebenfalls so richtig mit dem Karnevals-Virus anzustecken. Immerhin können sich die neuen Tollitäten, die in Boseroth wohnen, damit trösten, unzählige jecke Untertanen an ihrer Seite zu haben.

Und so haben sich die Beiden denn auch fest vorgenommen, bis zum Aschermittwoch so richtig kräftig Vollgas zu geben: „Mit üch ze fiere un ze laache, dat is wat mir zwei jetz maache. Un jetz is Schluss mit all däm Klaav, op üch, op uns ein Plees Alaaf.“