Proklamation in Niederdollendorf

Jeck auf Love and Peace

NIEDERDOLLENDORF. Zahlreiche Jecke kommen zum Zoch in Niederdollendorf. Tollität Peter I. regiert bis zum nächsten Rosenmontag.

Gäbe es im Niederdollendorfer Veedelszoch einen Preis für die amüsanteste Verkleidung, er wäre in diesem Jahr ohne Zweifel an die Fußgruppe der „Dollen Dörfler“ gegangen. Denn die hatten sich, inspiriert von der weltpolitischen Lage, etwas ganz besonders Dolles ausgedacht: Die selbstgebastelte Luftpolster-Tentakelhaube über die Stirn gestülpt, schwebte die 14-Mann-Truppe als Quallenschwarm über den Asphalt.

Doch nicht irgendwelche Nesseltierchen sollten es sein – nein, im Dollendorfer Zug reihte sich das „Trumpeltierchen“, Stichwort: „Quallinesien first“, neben die „Erdowahn-Qualle“ und den „Qualligarchen Putin“. Denn: „Manche Politiker sind genau wie wir“, frohlockte der Unterwasserschwarm, „sie haben kein Rückgrat, kein Hirn, und sie sind leicht zu durchschauen“. Spitzzüngige Kritik nach Kölner und Mainzer Vorbild? Check.

„Tierisch was los“ war auch bei den Jecken Weibern, die als Zebras, Tiger und Wildkatzen durch die Straßen zogen. Gestreift lag dieses Jahr voll im Trend, denn auch in der Zirkusmanege des Merlin-Kindergartens tummelten sich afrikanische Savannentiere neben Dompteuren, Zauberern und, nanu, einem pinken Flausch-Einhorn? Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt, auch nicht bei der 50-köpfigen Truppe der Grundschule Oberdollendorf: „Vielfalt statt Einfalt“, lautete die einzige Vorgabe, denn: „Mer lieben et bunt!“ Bunt und farbenfroh, das waren vor allem auch die 20 Sängerinnen und Sänger des Chors „taktlos“ – ihr Motto: „Peace, love, music“.

Karnevalsschlager schmetternde Flowerpower-Freunde also, die als Chorgemeinschaft nun zum ersten Mal seit rund 20 Jahren wieder beim Zug mitmischten, um ihrem Prinzen und Vereinsmitglied Rüdiger I. auf seiner letzten Parade zuzujubeln. Musikalisch unterwegs waren zudem neben dem Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr und dem Fanfarencorps „Swinging Altstadt“ auch die Bläserfreunde Niederdollendorf, die gemeinsam mit ihrem Jugendorchester marschierten.

Die Niederdollendorfer Sebastianus-Junggesellen erweckten auf Wunsch ihres 132. Königs Philipp Wollhöwer ein gewisses von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf zum Leben und bedachten den am Wegesrand Kamelle fangenden Caesar mit misstrauischen Blicken, während die „Alten Herren“ des Dollendorfer Sportvereins als Hippie-Fußballer in Erinnerungen an die Bundesliga der 70er schwelgten. Zum ersten Mal winkte vom Wagen der KG „Me bringe et fädig“ mit Noah I. und Johanna I. ein Prinzenpaar herab, und sogar die Royals, darunter Queen Elizabeth, Prince Philip und Kaiserin Sissi, liefen als Ehrengäste mit.

Und dann, à propos Royalität, endlich die Lüftung des Geheimnisses, auf das alle gewartet hatten: Rüdiger I. winkte ein letztes Mal dankend in die Runde und stieg vom Prinzenwagen ab, während sein alter Grundschul-Sitznachbar als frisch gekürte Tollität Peter I. (Koll) die festlich geschmückte Majestätenloge erklomm.

62 Jahre alt, ist der gebürtigen Niederdollendorfer unter anderem als Trompeter bei den Bläserfreunden aktiv, war in den Siebzigern Junggesellenkönig und ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Und unter lautem Jubel der versammelten Jecken nahm der Zug seine Fahrt wieder auf, volle Kraft voraus in die nächste Session.