Zug von Rauschendorf nach Birlinghoven

Jecker Rückfall ins Mittelalter

BIRLINGHOVEN/RAUSCHENDORF. Die Nachbardörfer Birlinghoven und Rauschendorf feiern ihr 900-jähriges Bestehen mit gemeinsamem Zug über die Stadtgrenzen hinweg. Mit dabei auch eine rollende Burg.

Etwas chaotisch ging es am Sonntagmittag bei der Aufstellung des Karnevalszuges in Königswinter-Rauschendorf zu, denn so viele Wagen wie in diesem Jahr hat der Ort schon lange nicht mehr gehabt. Zum ersten Mal verband nämlich ein gemeinsamer Zug die Nachbardörfer Rauschendorf und Birlinghoven. Grund dafür ist das gemeinsame Jubiläum. Beide Dörfer wurden im Jahre 1117 erstmals urkundlich erwähnt. Dieses ganz besondere Jubiläum nahmen die Jecken aus beiden Stadtteilen in dieser Session zum Anlass, um einen gemeinsamen Jubiläumszug durch beide Orte zu organisieren.

An das große Jubiläum beider Orte erinnernd, lautete das Motto des gemeinsamen Karnevalszuges „Mittelalter“. So erinnerte der Bürgerverein Rauschendorf mit einem von Weinranken umgebenen Wagen an den Weingarten, der laut den Urkundenbüchern von einem Bürger Lutfried dem Cassiusstift in „Ruizendorp“ geschenkt wurde (die erste urkundliche Erwähnung Rauschendorfs), während die Karnevalsgesellschaft „Neues Rauschendorf“ mit einer großen, fahrenden Burg ihrer Geschichte gedachte.

Doch auch aktuelle Themen fanden sich in den Wagen beim gemeinsamen Karnevalszug wieder. So parodierte die Jugend des Sportvereins Birlinghoven den neuen amerikanischen Präsidenten Donald Trump und erinnerte mit Sprüchen wie „Make Birlinghoven great again“, „Ban the Buisdorf“ und „Let Rott pay for it“ an Aussagen Trumps.

Bunt wurde es sowohl beim Kindergarten Rauschendorf als auch bei der Kita Birlinghoven, die als knallige Legosteine durch die Straßen ihres Ortes zogen. Die beiden Kitas waren die einzigen Teilnehmer, die jeweils nur die Strecke in ihrem Ort mit liefen, da die komplette Zugstrecke für die Kinder zu anstrengend gewesen wäre.

Für ganz besondere Unterhaltung sorgten die Männer des Männergesangvereins Gemütlichkeit Rauschendorf, die in schwarzen Fracks – der Kleidung, die zu der Gründungszeit des Vereins im Jahr 1882 getrogen wurde – die Jecken am Straßenrand mit einem Lied begeisterten.

Liebe und Frieden forderten die „Dollen Höhner“, die als Hippies singend und tanzend durch die Ortschaften zogen und großzügig Kamelle, Schokoriegel und weitere süße Leckereien aus ihrem bunten Wagen heraus warfen. „Es ist toll, dass es mit dem gemeinsamen Zug so gut funktioniert hat. Und wer weiß, vielleicht wiederholen wir dieses gemeinsame Ereignis auch irgendwann noch mal“, sagte Heike Borowski, Ortsvorsteherin aus Birlinghoven.