Mädchensitzung der Großen Königswinterer KG

Rund 700 jecke Wiever feiern in Königswinter

KÖNIGSWINTER. Brings, Kasalla, Domstürmer: Bei der Mädchensitzung der Großen Königswinterer Karnevalsgesellschaft (GKKG) gaben sich die Spitzenkräfte des kölschen Karnevals die Klinke in die Hand. Die rund 700 jecken Wiever im Saal feierten sie ebenso wie die heimischen Kräfte.

„Es ist nicht einfach, eine Frau zu sein“: Eine weise Erkenntnis, erst recht, wenn sie aus dem Mund eines Mannes stammt. Guido Hoffmann, alias Trude Herr, konnte aus seinem persönlichen Kampf mit einer Damenstrumpfhose zwar zumindest vorübergehend als Sieger hervorgehen, litt in seinem schicken roten Samtfummel aber gewaltig.

Unter der schwarzen Perücke und der dicken Make-up-Schicht rann der Schweiß in Strömen. „Es gibt kein größeres Leid als das, was man sich selbst antut“, jammerte der Präsidenten der Großen Königswinterer Karnevalsgesellschaft (GKKG). Trost konnte ihm aber gewiss sein: Sage und schreibe 700 jecke Mädels bejubelten seine Trude-Herr-Parodie – was will „Mann“ mehr.

Für die traditionelle Mädchensitzung war es ein Auftakt nach Maß, dem ein Stimmungsknüller nach dem anderen folgte. Die GKKG hatte keine Kosten und Mühen gescheut und wieder einmal die „Crème de la Crème des kölschen Fasteleer“ nach Königswinter eingeladen: Im Programm standen so klangvolle Namen wie Brings, die Domstürmer, die Stattgarde „Colonia Ahoj“, die „Fauth Dance Gentlemen“ und die Köbesse.

Schillernde Putzfrau mit funkelnder Kittelschürze

Auf die glanzvolle Trude Herr folgte eine nicht minder schillernde Gestalt: die letzte deutschsprachige Putzfrau Achnes Kasulke (Annette Esser), mit dem Putzeimer in der Hand und „von Kopf bis Fuß auf Glitzer eingestellt“. Stolz präsentierte sie ihren funkelnden Putzkittel: „Ich dachte mir, du kannst nach Königswinter doch nicht mit einer normalen Kittelschürze fahren. Also habe ich in mühevoller Handarbeit noch Pailletten aufgenäht.“ Pompös auch das Schuhwerk: gold-grün glänzende Stilettos.

Zu übersehen war die Kasulke also nicht – zu überhören auch nicht, ob es nun um Herrenbadehöschen, die Hitzeperiode oder den Sport ging. „Es ist höchst interessant, wie im Sport die Prioritäten gesetzt werden.“ So werde bereits seit 1874 im Eishockey mit Genitalschutz gespielt, der Helm indes kam erst 1974 zum Einsatz. „Es hat also nur 100 Jahre gedauert, bis die Männer gemerkt haben, dass das Gehirn auch wichtig ist.“

Mittlerweile Stammgäste in Königswinter sind Kasalla, die immer wieder gerne kommen – und das nicht nur, „weil es hier die beste Kartoffelsuppe gibt“: „Die Stimmung ist immer absolut mega“, so Bassist Sebi. Gefeiert wurden die Jungs aus Köln von den Mädels aus Königswinter wie Popstars: Jubelnd standen die jecken Wiever auf den Stühlen, klatschten und sangen lautstark jeden Song mit. Eine freudige Nachricht hatten Kasalla obendrein in petto.

Die Band hat erst vor wenigen Wochen „Zwillinge“ bekommen und die durften an diesem Nachmittag sogar mit dabei sein – der eine „ein kleiner Rabauke, der gerne mit euch eine kleine Runde eskalieren würde“, sein Schwesterchen eher was fürs Herz. „Alle su Yeah“ und „Ress vun dinge Levve“ heißen die neuen Ohrwürmer, mit denen die Band für Furore im Saal sorgte. „Hück sin mer noh an de Stääne jebaut“, heißt es in einem Lied – und eine Sternstunde war der Auftritt von Kasalla tatsächlich allemal.

Highlights Schlag auf Schlag

„Das kann man eigentlich nicht mehr toppen“, mag sich so manch einer gedacht haben – toppen vielleicht nicht, doch es ging bei der Mädchensitzung auf dem gleichen hohen Level weiter: Mit Lieselotte Schwaderlapp – die mehr als nur ein würdiger Ersatz für den erkrankten Guido Cantz war – und Brings folgten die Highlights Schlag auf Schlag. Nicht fehlen durften aber auch die heimischen Stars, die Tanzgarden der KG. Die Drachenfelsfünkchen, die Drachenfelsgarde und die Drachenfelsperlen begeisterten den Saal mit ihren neuen Tänzen.

Um karnevalistischen Nachwuchs muss der Gesellschaft nicht bange sein – es gibt sogar Wartelisten für die Gruppen. Noch größer ist der Run auf die Karten für die Veranstaltungen: Innerhalb von nur drei Wochen war die Sitzung restlos ausverkauft. „Wir hätten auch locker 1000 Karten verkaufen können“, so Wolfgang Jobst.

„Aber mehr als 700 Personen bekommen wir in die Halle leider nicht hinein.“ Die Verantwortung für die Mädchensitzung lag erstmals in den Händen der „Junge un Mädche der GKKG“ – einer Gruppe junger Menschen, die sich zusammengefunden haben, um jüngere Menschen dafür zu begeistern, im Karneval mitzumachen. Sie treten weniger formal auf und werden sich über Social Media austauschen und organisieren. Der Auftakt war jedenfalls schon mal ein voller Erfolg.