Seit 37 Jahren kommen die Bläck Fööss zur Postalia nach Königswinter

Wenn de Famillich gemeinsam rockt

Königswinter. Um 17 Uhr knallte der erste Sektkorken vor der Aula der Christophorus-Schule. Drei Stunden, ehe die Bläck Fööss auf die Bühne treten sollten, hatten sich Astrid und Heinz Michel aus Aegidienberg schon mit Freunden und Verwandten vor der verschlossenen Aula eingefunden, um möglichst gute Plätze zu ergattern.

Kein Wunder. Denn wenn die kölsche Traditionsband wie jedes Jahr kurz vor Sessions-Start auf Einladung der KG Fidele Freunde Postalia nach Königswinter "in ihr Wohnzimmer" kommt, dann ist das ein bisschen so, als wenn sich de Famillich trifft - "unsere Königswinterer Famillich", wie Band-Mitglied Erry Stoklosa die rund 700 Zuhörer begrüßte, "wir freuen uns wieder da zu sein!"

Seit 39 Jahren stehen die Fööss auf der Bühne, seit 37 Jahren kommen sie immer wieder zur Postalia nach Königswinter. "Das ist die einzige Spielstätte, wo wir so lange regelmäßig hinkommen", sagte Erry, "mal gucken, wie lange wir das noch schaffen!" Bestimmt noch lange, so wie sie von Anfang an mit Power loslegten. Und von Null auf 100 schunkelten die Zuschauer mit - zum Famillich-Lied.

Viele sind treue Fans und kommen jedes Jahr wieder, darunter auch einige Bewohner des Hauses Nazareth für Menschen mit geistiger Behinderung - von der Band als "unsere Freunde aus Ittenbach" begrüßt. Andere kommen aus Köln, Mainz oder sogar aus Holland, wie das Ehepaar Schoolenberg. Aus dem Fernsehen kennen sie die Fööss. Und auch wenn sie Kölsch nicht verstehen, finden sie die Lieder "einfach klasse".

Klasse findet auch Bernd Hardenberg, Vorsitzender der Postalia, alle Lieder der Fööss. Er war bei jedem der 37 Konzerte dabei, "und jedes war ein Highlight", sagt er. Der erste Auftritt 1972 war noch im Westfalen-Hof an der Drachenfelsstraße, erinnert er sich. Da war die Band noch nicht so bekannt. Doch das Lied "Drink doch ene met" hatte es dem damaligen Präsidenten Peter Stöcker angetan, und er buchte die Band - der Beginn einer langen Freundschaft mit der Postalia.

"Es ist ja nicht Ideenlosigkeit oder ein leeres Ritual, dass wir immer wieder kommen, sondern einfach, weil's schön ist", sagt auch Bassist Hartmut Priess, während er bei Nudelsalat auf den Beginn des Konzertes wartet. Es sei eben "sehr familiär". Und das merkt man auch hinter der Bühne. Ab und zu schaut Irmgard Hardenberg vorbei, ob bei der Crew und den sieben Bandmitgliedern alles stimmt. Da wird mal kurz "jeschwaadt", ob Frikadellen mit mehr oder weniger Brötchenkrümeln besser schmecken.

Das Persönliche ist es auch, dass die Runde um Astrid Michel nun zum fünften Mal zum Konzert zieht: "Man ist ja so nah dran." Und noch etwas reizt sie: Dass nicht nur die bekannten Ohrwürmer zu hören sind, sondern auch mal leise Töne und neue Lieder. "Wir sind Teststation dafür, wie die Lieder ankommen", bestätigte denn auch auch Stefan Scharfenstein von der Postalia.

Und tatsächlich: In den Genuss von zwei neuen Stücken kamen die Konzertgäste am Mittwoch und auch gestern bei Konzert Nummer zwei. Das flotte "Bütze de Luxe" und das Krätzje "He deit et wih und do deit et wih" - eine "gesungene Diagnose über den Zustand der Bläck Fööss". Der Test fiel positiv aus: Das Lamentieren über Cholesterin und Bluthochdruck sorgte für manchen herzhaften Lacher in der Aula.

Natürlich schmetterte der ganze Saal auch Hits wie "Kathrin" und "En unserem Veedel" mit, ehe es "Bye bye, my love" hieß. Aber ein Lied war nicht zu hören: der Song "Ich will nicht auf den Drachenfels". Doch das lag nicht am Konzertort, wie Hartmut Priess hinter der Bühne verriet. Es sei einfach schwer zu spielen, aber: "Das streichelt mein Herz", sagte er, "das ist eins meiner Lieblingslieder."