Proklamation und Zug in Niederdollendorf

Wo Astronauten auf Prinzessinnen treffen

NIEDERDOLLENDORF. Bürgermeister Peter Wirtz und Pastor Dariusz Glowacki proklamieren Prinz Rüdiger I. (Ratzke).

Als der Veedelszoch vor einem Vierteljahrhundert zum allerersten Mal durch die Straßen Niederdollendorfs zog, erinnert sich die damalige Prinzessin Elisabeth Klinger, fühlte sie sich „ein bisschen ins kalte Wasser geworfen“. Schwupps ein Krönchen aufs Haupt und die am Vortag aufgelesene Kamelle in eine Wurftüte, und schon ging es für sie und ihren Prinzen hinaus auf die Straße.

Eine spontane Angelegenheit war der kleine Niederdollendorfer Bruder des großen Kölner Rosenmontagszugs eben schon immer. Am Montag feierte der Niederdollendorfer Zug, der als improvisiertes Experiment seinen Anfang nahm und mit den Jahren zur liebgewonnenen Tradition wuchs, sein 25-jähriges Bestehen.

Grund genug für den Veranstalterverein, die diesjährige Parade zu einem bislang einmaligen Ereignis zu machen: Angeführt von Zugleiter Peter Paul Schmidt, legten die vielen Hundert Karnevalisten, verteilt auf 19 Trupps, erstmals einen Abstecher nach Oberdollendorf ein.

Bereits am Vorabend waren sämtliche Tollitäten der vergangenen 25 Jahre zu einem großen Prinzenbiwak zusammengekommen; und auch der Zug selbst stand ganz im Zeichen dieses besonderen Jubiläums. Denn auch Elisabeth Klinger war einmal mehr mit von der Partie: Von ihrem Feuerwehrboot aus winkte sie den knapp 8000 prächtig kostümierten Jecken zu, die auf den Gehsteigen Spalier standen und die Kamelle herbeisehnten. Ganz wie damals eben.

Und ganz wie damals gab es auch diesmal wieder etliche Kostüme zu bestaunen: Die Niederdollendorfer Junggesellen beschworen ihre inneren Superhelden und mischten den Zug etwa als Joker, Harley Quinn und Buzz Lightyear auf. Imposant auch Königin Betty Konieczny als Wonder Woman in Begleitung von König Lukas Trenker, der als Hommage an die Simpsons im flauschig-pinken Ganzkörperanzug als Spiderschwein aufgelaufen war.

70 kleine und große Baumeister der Grundschule Oberdollendorf stapften mit Blaumann und Kunststoffhelm hinter dem Kindergarten Merlin, in dessen Zirkusmanege sich Löwen, Zauberer und Gorillas tummelten; und die Küzengarde, die in diesem Jahre ihr 66-jähriges Narrenjubiläum feiert, stach auf ihrem Festwagen als Piratenhorde in See. Die Jecken Weiber Dollendorf zogen indes mit dem wohl kuriosesten Kostüm des Tages die Blicke auf sich: In Erinnerung an das ehemalige Weinfest hatten sie einem bereitwilligen Jecken eine drei Meter hohe und zwölf Kilo schwere Rieslingflasche aus Holz und Pappe übergestülpt.

Zweifellos die meisten Lacher gingen derweil aufs Konto der 25 „alten Herren“ des Niederdollendorfer Fußballvereins, die als Fifa-Korruptions-Team, stilecht im gestreiften Knast-Outfit, durch die Gassen zogen. Dazu musizierten der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr, der Fanfarenzug „Swinging Altstadt“ sowie die Bläserfreunde Niederdollendorf.

Dann endlich der lang ersehnte Höhepunkt: Bürgermeister Peter Wirtz und Pastor Dariusz Glowacki proklamierten den neuen Prinzen von Niederdollendorf, Rüdiger I. Zu närrischem Jubel übergaben Willi III. und Jeanette I., mit reichlich Lob verabschiedet, die Federkappen an die frisch gebackene Tollität, die sodann den festlich geschmückten Prinzenwagen erklomm. Beste Stimmung, Spitzenkostüme und dazu eine Prise gelebte Erinnerung – so geht ein Jubiläumszug.