Eklat um Prinzenpaar

Anstößiger Orden spitzt Streit um Tollitäten in Sankt Augustin zu

Ob es im kommenden Jahr einen Rathaussturm geben wird, ist aufgrund der Absage des Prinzenpaars noch unklar.

Ob es im kommenden Jahr einen Rathaussturm geben wird, ist aufgrund der Absage des Prinzenpaars noch unklar.

Sankt Augustin. Die derbe Karikatur zeigt einen SPD-Mann beim Sex mit einem Karnevalsprinzen. Der designierte Sankt Augustiner Prinz hatte Posts mit rechtem Gedankengut geteilt.

Der Streit um das designierte Sankt Augustiner Prinzenpaar zieht weitere Kreise. Nun ist der Entwurf eines Ordens aufgetaucht, der das Thema auf derbe Weise aufgreift. Darauf ist ein Mann im Anzug mit SPD-Schildchen beim Sex mit einem Karnevalsprinzen zu sehen. Der Mann weist dabei Ähnlichkeit mit SPD-Fraktionschef Marc Knülle auf. Wer den kompromittierenden Entwurf erstellt hat, ist unklar.

Wie berichtet, schwelt ein Streit zwischen dem designierten Prinzenpaar und der Sankt Augustiner SPD. Das Prinzenpaar zog sich daraufhin aus gesundheitlichen Gründen zurück, denn die Augustina leidet an einer chronischen Krankheit. Bei den Anschuldigungen geht es um umstrittene Inhalte, die der designierte Prinz in sozialen Netzwerken geteilt hat.

Unter anderem einen Beitrag einer amerikanischen Internetseite zur Diskussion um die Bürgerkriegsdenkmäler in den USA, der einen Vergleich zum Konzentrationslager Auschwitz zieht. Darin heißt es etwa: Mehr als eine Million Menschen seien in Auschwitz getötet worden, und doch gebe es das Lager auch 72 Jahre später noch, weil Juden, die es überlebt hätten, es erhalten wollten. Als eine Erinnerung, das das Böse, was der Nazismus war, nie wieder passieren darf. Und: Denkmäler sollten niemals abgerissen werden. Die SPD hatte deshalb Bürgermeister Klaus Schumacher informiert. Die Prinzengarde der Stadt hingegen spricht von einem Ausrutscher des designierten Prinzen, für den er sich entschuldigt habe, und von „Hetze“.

Privatperson aus Köln wohl für Entwurf verantwortlich

Für Knülle sind die Vorwürfe der Hetze „unglaublich, und wenn man sich diesen Ordensentwurf ansieht, fragt man sich, was denn da noch alles kommen soll“. Er weist darauf hin, dass der Präsident der Prinzengarde für die Auswahl des Prinzenpaares verantwortlich sei und dafür, dass es keines gebe. „Und nicht der, der intern auf die schlimmen Beiträge aufmerksam gemacht hat“, sagt Knülle.

Auch der Sankt Augustiner Prinzengarde ist das Bild des Ordens bekannt. Laut Präsident Frank Meys hat die Prinzengarde damit aber nichts zu tun. Sie habe das Bild weder entworfen noch in Auftrag gegeben. „Unseren Orden ziert in der kommenden Session der Huma“, sagt Meys auf Anfrage. Der Entwurf komme, soweit er wisse, wohl von einer Privatperson aus Köln. Er sei aus seiner Sicht angelehnt an einen Karnevalswagen der vergangenen Session aus Düsseldorf, der US-Präsident Donald Trump und die Freiheitsstatue in ähnlicher Pose darstellte. Und: „Beim Karneval ist es in großen Städten üblich, dass die Politiker auf die Schippe genommen werden“, relativiert Meys den Inhalt.

Auswirkungen könnte der Krach um die Facebook-Beiträge auch auf die ehemalige Bürgermeisterin und Vorsitzende des Freundeskreises Mewasseret Zion, Anke Riefers, haben. Meys bestätigt auf Nachfrage, dass der Vorstand der Prinzengarde sie darum bitten soll, ihren Senatorenposten zurückzugeben. Diesen Ehrentitel erhielt Riefers mit ihrer Wahl zur Bürgermeisterin. Der Auftrag sei aus den Reihen der Mitglieder ergangen, sagte Meys. „Der Vorstand hat seither aber noch nicht getagt.“ Er kommt Anfang November erneut zusammen.

Riefers, die sich derzeit in Israel aufhält, hatte laut dem Freundeskreis auf Bitte des Bürgermeisters eine Stellungnahme zum designierten Prinzen abgegeben. Darin kommt der Freundeskreis Anfang Oktober zu der Überzeugung, dass eine Nominierung des designierten Prinzen „viele negative Begleiterscheinungen mit sich bringen wird“, für ihn selbst, die Prinzengarde und das Ansehen der Stadt. „Wir haben nicht mit Giftpfeilen geschossen“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Gustl Houtrouw. Der Freundeskreis sei besonnen vorgegangen und auch der Einladung gefolgt, den Prinzen kennenzulernen, so Houtrouw. Der Verein habe aber die Sorge gehabt, dass die Nominierung der Stadt hätte schaden können.