Nach Wirbel um Tollitäten

Das ist das neue Prinzenpaar in Sankt Augustin

Auf der Suche nach dem passenden Ornat: das designierte Prinzenpaar Emanuel Gmach und Peggy Lindemann.

Auf der Suche nach dem passenden Ornat: das designierte Prinzenpaar Emanuel Gmach und Peggy Lindemann.

Sankt Augustin. Emanuel Gmach und Peggy Lindemann sind das neue Prinzenpaar. Die Entscheidung dazu fiel auf der Hüttengaudi des Maiclubs. Den ersten Besuch bei Friseurin und Kosmetikerin hat die designierte Augustina bereits hinter sich.

Die Hüttengaudi des Maiclubs ist für Peggy Lindemann (42) und ihren Lebensgefährten Emanuel Gmach (46) jedes Jahr ein fester Termin mit Spaßfaktor, zumal die beiden Vereinsmitglieder sind, Gmach als Kassierer sogar im Vorstand mitarbeitet. Doch etwas war in diesem Jahr jedoch anders, denn die traurige Nachricht, dass es in der bevorstehenden Karnevalssession erstmals seit 1954 kein Prinzenpaar in Sankt Augustin geben sollte, machte die Runde in der Mülldorfer Mehrzweckhalle. Gmach saß an der Kasse und begrüßte die Karnevalisten aufmunternd: „Die Halle ist voll, da habt Ihr Euer Publikum, macht mal.“ Was er damit meinte war die Möglichkeit, doch noch kurz vor Toresschluss Majestäten anzuwerben. Was er zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht im Sinn hatte: das Amt selbst zu übernehmen.

Seine Freundin Peggy Lindemann geriet jedoch im Laufe des Abends in die Fänge der karnevalistischen Anwerber der Prinzengarde Sankt Augustin und der Ehrengarde Hangelar. „Mir wurde schlagartig bewusst, was es bedeuten würde, wenn Sankt Augustin kein Prinzenpaar hätte“, erinnert sich Lindemann, die seit sechs Jahren mit Gmach liiert ist. Da blieb eigentlich nur ein Schluss: „Es muss ein Prinzenpaar geben, dann machen wir es eben selbst“, so die gebürtige Sauerländerin, die über Köln den Weg nach Sankt Augustin fand.

Ihr Emanuel an der Kasse wunderte sich schon, als sie mit Augenaufschlag auf seinem Schoß Platz nahm und ihm gegen Mitternacht klar machte, wie wichtig das Prinzenpaar in Sankt Augustin sei. „Sie war sehr überzeugend, und ich habe noch am selben Abend zugestimmt“, meint er schmunzelnd. Die frohe Kunde verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der Stadt, und die Telefone bei den beiden Garden liefen heiß. Die Vorstände wurden aus dem Schlaf gerissen, und seit diesem Moment besteht das Leben der beiden aus hektischer Geschäftigkeit. Der geplante Holland-Urlaub mit den Kindern wurde abgesagt, das Telefon klingelte ab Sonntag, 10 Uhr, ununterbrochen.

Prinzenpaar freut sich auf die Saison

„Mir fällt ein Riesenstein vom Herzen“, meldete sich Frank Meys, Vorsitzender der Prinzengarde, bei den beiden und bat sie zu sich zur Vertragsunterzeichnung. Termine wurden abgesprochen, Fotos gemacht, unzählige Ornate aus dem Fundus der Prinzengarde anprobiert und 1,2 Tonnen Wurfmaterial sowie Rosen bestellt. Auch den ersten Besuch bei Friseurin und Kosmetikerin hat die designierte Augustina bereits hinter sich.

Einen netten Kleinwagen oder die Kreuzfahrt, die Peggy Lindemann auf ihrer Wunschliste stehen hat, hätte man von dem Geld, das die Tollitäten investieren, realisieren können. Dennoch: Die beiden bereuen nichts und freuen sich sehr auf die Session. Fest steht für sie, dass sie sowohl im Hangelarer Zoch am Vormittag als auch im großen Sankt Augustiner Zoch mitfahren werden.

Für Peggy Lindemann ist das alles angesichts der enormen Geschwindigkeit noch nicht wirklich real. Bedenken habe sie dennoch keine. „Wir wollen unsere Lebensfreude, unser Lachen und den Frohsinn in den Saal bringen.“ Von Versprechern, die es aber wahrscheinlich nicht geben wird, lassen sich die beiden dabei nicht aus der Ruhe bringen. Überwältigt waren beide von dem Zuspruch, den sie von allen Seiten erhielten. Unter den Gratulanten war auch der SPD-Fraktionschef Marc Knülle, der die Ablösung des ersten designierten Prinzenpaares gefordert hatte. Das hatte sich nach Querelen über einen umstrittenen Facebook-Beitrag zurückgezogen, und damit standen die Jecken kurz vor Sessionsbeginn ohne Prinzenpaar da (der GA berichtete).

Die neue Augustina Peggy Lindemann ist Gruppenleiterin bei einer OGS und wird sich für die heiße Phase Urlaub nehmen. Auch Gmach plant von Weiberfastnacht bis Rosenmontag eine Auszeit bei der Steyler Bank, wo er im Vermögensmanagement arbeitet. Neben seiner Vorstandstätigkeit im Maiclub hat Gmach auch die Bürgerstiftung 2008 mitgegründet. Seit über 24 Jahren ist er Mitglied im Mülldorfer Kirchenvorstand und dort für die Kitas verantwortlich. Gmach spielt zweimal die Woche Badminton, seine Freundin sucht ihr Glück auf dem Rücken ihres Pferdes. Seit sechs Jahren lebt das Paar in Mülldorf.

Ihren ersten Termin werden die beiden am 11. November um 19.11 Uhr bei der Prinzenproklamation in der Aula der Realschule Niederpleis absolvieren – ganz sicher mit Bravour.