Rathaussturm in Siegburg

Der Bürgermeister hat Wochenende

Am Marterpfahl: Das Gefolge des Kinderprinzenpaars tanzt um die gefesselten Bürgermeister Susanne Haase-Mühlbauer, Franz Huhn und Martin Rosorius (Mitte von links).

Am Marterpfahl: Das Gefolge des Kinderprinzenpaars tanzt um die gefesselten Bürgermeister Susanne Haase-Mühlbauer, Franz Huhn und Martin Rosorius (Mitte von links).

SIEGBURG. Siegburger Tollitäten erobern das Rathaus und stoßen dabei auf nur geringe Gegenwehr. Gleichwohl landen Bürgermeister Franz Huhn und seine Stellvertreter am Marterpfahl.

Eher mit einem lauen Lüftchen als im Sturm eroberten die Siegburger Jecken in diesem Jahr symbolisch das Rathaus. Denn Bürgermeister Franz Huhn, der am Samstagmorgen mit seinen Stellvertretern Susanne Haase-Mühlbauer, Martin Rosorius und Lars Nottelmann auf dem unteren Markt vor dem Stadtmuseum erschienen war, strich gleich zu Beginn der Machtübernahme durch die Siegburger Tollitäten verbal die Segel.

„Wir strengen uns gar nicht an und geben alles freiwillig ab. Wir sind froh, dass wir uns in den Karneval verabschieden können“, rief er den organisierten Jecken mit dem Vorsitzenden des Siegburger Karnevalskomitees Günter Krengel an der Spitze und dem Prinzenpaar Daniel I. und Siegburgia Pia I. Kurenbach sowie den Kinder-Tollitäten Felix I. Wintersohl und Caroline I. Caspar entgegen. Der Versuch, wenigstens die Siegburgia auf seine Seite zu ziehen, scheiterte kläglich. Huhn bekam von Pia I. lächelnd einen Korb. „Ich bleibe beim Gefolge und meinem Prinz“, stellte sie klar.

Bürgermeister am Marterpfahl

Huhn hatte zu Beginn der Veranstaltung alle Vereine, angefangen bei den Funken-Blau Weiß über die Siegburger Clowns bis zur Siegburger Ehrengarde begrüßt, die zur Bühne gegenüber vom Stadtmuseum geströmt waren, um Daniel I. zu unterstützen. Der forderte trotz Huhns vorzeitiger Kapitulation vehement die Übergabe des Rathausschlüssels und des Stadtsäckels vom Bürgermeister. Deutlicher wurde der Kinderprinz, der sich Häuptling Lange Feder nennt und mit einem Gefolge aus vielen kleinen Indianern die Herzen der Jecken vom ersten Tag seiner Regentschaft erobert hat.

„Bürgermeister geh nach Haus, sonst graben wir das Kriegsbeil aus“, schmetterte er dem Stadtoberhaupt mutig entgegen und animiert vom tosenden Applaus der Narren, setzte er noch eins drauf: „Nimm die Füße in die Hände, denn du hast jetzt Wochenende.“ Dann bat er Huhn, Haase-Mühlbauer und Martin Rosorius auf die Bühne und ließ sie gleich an den Marterpfahl fesseln.

Ganz ohne feine Bosheiten ging es aber nicht ab. Als Huhn Günter Krengel, der nach der Session den Vorsitz beim Karnevalskomitee aufgibt, für seine Arbeit in den letzten Jahren dankte und meinte, der Karneval ging trotzdem immer weiter, konterte der Gelobte trocken: „Die Schwaderei vom Franz geht auch immer weiter.“ Schließlich schwenkte der Verwaltungschef die weiße Fahne und alle schunkelten zufrieden und in Eintracht miteinander. Beim anschließenden karnevalistischen Treiben, das die verschiedenen Vereine gestalteten, herrschte wieder Friede, Freude, Eierkuchen.