Serie: Siegburger Köpfe

Herbert Bosbach: Ein Leben für den Karneval

Insgesamt viermal tauschte Herbert Bosbach im Laufe seiner Funken-Karriere seine Uniform gegen eine neue aus.

Insgesamt viermal tauschte Herbert Bosbach im Laufe seiner Funken-Karriere seine Uniform gegen eine neue aus.

SIEGBURG. Er ist einer der Gründungsväter des Siegburger Stadtfests. Aber vor allem ist er mit Leib und Seele Funke Blau-Weiß: Herbert Bosbach ist seit 64 Jahren Mitglied des Traditionsvereins.

Herbert Bosbach hat die Uniform aus dem Schrank und den Dreispitz mit blau-weißem Federschmuck aus einem Karton geholt. 64 Jahre lang hat er beides getragen, 60 Jahre davon als Mitglied des Vorstands der Siegburger Funken Blau-Weiß. Als Rekrut zu Beginn seiner karnevalistischen Karriere, später als Adjutant, dann als Kommandeur und schließlich als Präsident des Vereins von 1976 bis 1992. Da musste er alle Ämter „aus beruflichen Gründen niederlegen“. Heute ist er Ehrenpräsident und trägt den Rock nur noch bei der Rundreise seiner Funken an Weiberfastnacht durch die Säle.

Mehr Karneval macht Bosbach nicht mehr mit. Immerhin sei er 81 Jahre alt, gibt der Funke mit Leib und Seele zu bedenken. Außerdem seien viele Weggefährten aus dem Vereinsleben ausgeschieden oder bereits gestorben. Den Posten im Vorstand hat er erst kürzlich abgegeben. „Es wurde Zeit, für Jüngere Platz zu machen“, begründet er seinen Schritt. Angekündigt hatte er das Ausscheiden bereits im vergangenen Jahr.

Als Kind wurde die Liebe zu den Funken entfacht

Nach Siegburg kam Bosbach 1944, weil seine Familie sich nach den „verheerenden Brandbombenangriffen auf Köln“, wo er geboren wurde, nicht mehr sicher fühlte. Nach dem Volksschulabschluss in seiner neuen Heimatstadt begann er eine Lehre als Polsterer und Dekorateur bei einer Siegburger Firma, wechselte als frischgebackener Geselle zu einem Bonner Unternehmen und kehrte dann wieder in die Kreisstadt zurück, wo er bei „Hülster“ die Gardinenabteilung aufbaute. 33 Jahre war er dort beschäftigt.

Und wie kam er zu den Funken? „Denen bin ich schon als Panz hinterhergelaufen“, erinnert sich der Senior. 1953 nahm ihn ein Bekannter mit zu einer Veranstaltung der Blau-Weißen, er war begeistert und trat deren Tanzgruppe 17-jährig bei. 1957 wurde er Tanzoffizier. Seine „Partnerin“: das letzte männliche Tanzmariechen in der Vereinsgeschichte, Hans Klöver.

Wie war das so im reinen Männertanzpaar? „Das kann man nicht mit heute vergleichen. Es gab ja keine Hebefiguren und ich habe ihn auch nicht durch die Luft geworfen“, erzählt Bosbach und lacht. 1960 gewann er mit seinem Verein sogar das erste internationale Karnevalstanzturnier in Bonn. „Mit Klöver als bestes Mariechen“, betont der ehemalige Tanzoffizier.

Seine Frau Ruth lernte er 1962 kennen. Sie hatte mit Karneval wenig zu tun, statt Rosenmontag war der alljährliche Ruderball im Hotel „Stern“ ihr Höhepunkt des Jahres. Doch nur neun Jahre später regierte sie als Siegburgia Ruth I. an der Seite ihres Mannes Herbert II. die Jecken.

Stadtfest in Siegburg wurde zum Erfolg

Bosbach hat einiges bewegt, nicht nur im eigenen Verein. So gehört er zu den Gründungsvätern des Siegburger Stadtfestes, zu dem der damalige Vorsitzende des Siegburger Verkehrsvereins, Hans Gilgen, die Idee hatte. Die Premiere gestalteten die Blau-Weißen und die Husaren-Schwarz-Weiß in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsverein am Hühnermarkt, eine Bühne gab es da noch nicht. „Schon in den Jahren danach beteiligten sich immer mehr Vereine, das Stadtfest explodierte förmlich“, so Bosbach.

Ihm selbst gefiel das Fest in den Anfängen aber besser, „weil mehr einheimische Kräfte eingebunden waren und es gemütlicher zuging“. Unter seiner Präsidentschaft etablierten die Funken ihr Grillfest im Sommer, das zunächst an den Weihern im Wald an der Steinbahn und später auf dem Parkplatz unterhalb des Freibades stattfand. Seit Jahren gehört es als Sommerfest auf dem Mühlentorplatz zu den beliebtesten Veranstaltungen der Freiluftsaison in Siegburg.

Künstlerin musste vorzeitig von der Bühne

Bosbach holte als Literat (1966-1986) des Vereins Spitzenkräfte des Karnevals nach Siegburg und machte die verschiedenen Sitzungen zu Publikumsmagneten. Er war stets der Organisator. Zum Feiern hatte er selten Zeit, höchstens nach den Events. Als Sitzungspräsident im Elferrat musste Bosbach ebenfalls dafür sorgen, dass alles reibungslos ablief.

Es gab indes auch unschöne Momente. „Wenn ich merkte, dass ein Künstler nicht ankam, musste ich ihn verabschieden“, sagt er. In unangenehmer Erinnerung ist ihm der Auftritt einer Rednerin geblieben, die angetrunken erschien und schon nach den ersten zwei Sätzen vom Publikum im Saal ausgepfiffen wurde.

Über die Zukunft der Funken macht er sich keine Sorgen. „Die sind bestens aufgestellt und auch Nachwuchssorgen gibt es nicht“, sagt er nicht ganz ohne Stolz. Zu Recht, denn dazu hat er einen wesentlichen Beitrag geleistet.