Posts mit rechtem Gedankengut geteilt

Sankt Augustin nach Streit ohne Prinzenpaar

Sankt Augustin. Aktivitäten in sozialen Netzwerken haben Krach um Tollitäten in Sankt Augustin ausgelöst. Der designierte Prinz hatte auf Facebook umstrittene, tendenziell rechte Inhalte geteilt.

Erstmals seit 1954 wird es in der kommenden Session kein Prinzenpaar in Sankt Augustin geben. Die Proklamation und alle Auftritte beim Rathaussturm, bei Kindergärten, Schulen, bei der Kinderklinik, in Seniorenheimen und die Fahrt auf dem Prinzenwagen wurden ersatzlos gestrichen. Das bestätigte Frank Meys, Präsident der Prinzengarde der Stadt Sankt Augustin.

Am Sonntagabend war öffentlich geworden, was vereinsintern schon am Donnerstag kommuniziert worden war: Prinz und Augustina, die an einer chronischen Erkrankung leidet, ziehen ihre Bereitschaft aus gesundheitlichen Gründen zurück. Das sei nachvollziehbar, so der Präsident der Prinzengarde. Aber: „Der ausschlaggebende Punkt war, dass sich aufgrund der anhaltenden Hetze, hervorgebracht vom Fraktionsvorsitzenden der SPD gegen den Prinzen, der Gesundheitszustand der designierten Augustina so massiv verschlechtert hatte, dass sie zwei Tage stationär im Krankenhaus an den Tropf musste. Der behandelnde Arzt hat ihr dringendst geraten, es dieses Jahr nicht zu tun.“

Posts mit rassistischem Gedankengut geteilt

Was Meys als „Hetze“ beschreibt, hat eine längere Vorgeschichte, die sich seit rund zwei Monaten hinter den Kulissen abgespielt hat. Auf Facebook hatte der designierte Prinz, ein US-Amerikaner, bereits seit Ende Juli umstrittene Inhalte, die unter anderem einen Bezug zum Konzentrationslager Auschwitz und die Tendenz zum Rechtspopulismus hatten, mit „Gefällt mir“ markiert und auf seiner Profilseite geteilt. „In diesen Postings befand sich rechtes und rassistisches Gedankengut, das unter anderem einen Vergleich zum KZ Auschwitz beinhaltete“, erklärte der SPD-Fraktionsvorsitzende Marc Knülle dazu am Montag in einer Pressemitteilung.

Im August war Knülle aus Reihen der Karnevalisten auf diesen Sachverhalt aufmerksam gemacht geworden. Während Meys von „einer Beschwerde vorbei am Prinzenpaar und der Prinzengarde“ spricht, betont Knülle, er habe als Ratsmitglied Bürgermeister Klaus Schumacher „auf dem kürzesten, kleinen Dienstweg intern“ über die Facebook-Aktivitäten des zukünftigen Karnevalsprinzen informieren wollen, um eine Klärung herbeizuführen.

Schumacher habe Prinzenpaar, Prinzengarde und die Fraktionschefs aus dem Rat an einen runden Tisch geholt, berichtet Meys: „Das Posting war nicht wirklich schön, aber er hat es ausführlich erklärt und sich glaubhaft entschuldigt.“ Man habe dem Prinzen eine zweite Chance einräumen wollen, so Meys. „Allein der SPD-Fraktionsvorsitzende hat dem nicht zustimmen wollen.“

Auch das sei nur die halbe Wahrheit, stellt Knülle klar, der nach eigenen Angaben über zwölf fragwürdige Facebook-Beiträge des Prinzen in kurzer Zeit dokumentiert hat. „Wir haben uns das angehört, haben uns intern beraten, es bewertet und sind zum Entschluss gekommen, dass unsere Bedenken gegen den Prinzen nicht ausgeräumt worden sind.“

Kurzfristig kein Ersatz

Alle Angebote, persönlich mit dem Prinzen zu reden, habe Knülle nicht angenommen, erwidert Meys: „Der hat wirklich alles aufgefahren.“ Was genau, will Meys nicht sagen. Seit einigen Tagen geht in den Karnevalsvereinen das Gerücht um, Ortsvorsteher, Vereine und Schulen hätten „Ausladungen“ für den designierten Prinzen angekündigt. Auch Bürgermeister Schumacher, aktuell im Urlaub, tat sich schwer. Seine Sprecherin Eva Stocksiefen sagte auf Anfrage, dass er sich Gedanken gemacht habe, ob er für die Stadt Sankt Augustin ein Prinzenpaar ohne Rückhalt proklamieren könne.

„Viele Karnevalisten hatten ihre Bedenken geäußert, auch wenn man es nun anders darstellt“, sagt Knülle. Und: „Nicht die Politik entscheidet, wer Prinz wird, sondern die Prinzengarde.“ Er finde es schade, dass sich die designierte Karnevalsprinzessin nicht ihren Wunsch erfüllen könne, und er bedauere ihren Gesundheitszustand. „Doch das darf sich nicht vermischen mit der Notwendigkeit, auf solche Dinge hinzuweisen.“

Die Prinzengarde werde kurzfristig keinen Ersatz finden, sagt Meys. Der ganze Aufwand – Ornat, Schuhe, Wurfmaterial – sei umsonst betrieben worden. Der zurückgetretene Prinzenkandidat war auf GA-Anfrage für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.