Tausende junge Jecke feiern auf dem Markt

Jugendliche trotzen auf dem Siegburger Marktplatz mit Singen und Schunkeln der Kälte - Glasverbot geht auf - Einsatzkräfte haben weniger zu tun als im Vorjahr - Für Sanitäter David Eich ist es die "Generalprobe"

Siegburg. Erst letzte Woche hat David Eich (25) aus Niederkassel seine Prüfung zum Rettungssanitäter abgelegt. Heute, bei der Party auf dem Siegburger Markt hat er "sozusagen Generalprobe". Er ist einer von rund 100 ehrenamtlichen Helfern des Deutschen Roten Kreuzes, die Jugendliche versorgen, die sich verletzt oder zu viel Alkohol intus haben.

Um 11.11 Uhr gibt der DJ den Startschuss und lässt die Stimmen der Höhner mit "Jetzt geht`s los" über den Markt schallen. Da tummeln sich auch schon so einige bunt verkleidete junge Leute. Je näher es an die Uhrzeit des offiziellen Schulschlusses um 12.30 Uhr geht, umso mehr füllt es sich.

Für Sanitäter David Eich indes hat der Arbeitstag bereits um 9 Uhr auf der Niederkasseler Wache begonnen. "Da haben wir erst mal die Notfallrucksäcke gepackt." Verbandsmaterial, Infusionen, Beatmungsmaschinen, Blutdruckmessgeräte und Decken kommen da hinein. Gegen 10.30 Uhr trafen er und die anderen Helfer in Siegburg ein.

Da war nicht nur die Bühne für das Programm mit Prinzenbesuch und Auftritt der Cheerleader des 1. FC Kölns schon aufgebaut, sondern auch zwei beheizte Zelte für Verletzte und Schnapsleichen. Drei Notärzte waren schon vor Ort, fünf Rettungs- und ein Notarztwagen standen laut DRK-Einsatzleiter Gerd Röhrig bereit.

An den Zugängen zum Markt hatten Mitarbeiter von Polizei und Ordnungsamt Drängelgitter aufgestellt. Nun kontrollieren sie, dass das neu erlassene Glasverbot eingehalten wird. Das klappt auch ganz gut. "Die Jugendlichen sind vernünftig und geben die Flaschen bereitwillig ab", sagt Frank Bittner, Einsatzleiter der Polizei. Deutlich weniger Scherben als in den vergangenen Jahren liegen auf dem Boden. Viele Jugendliche haben ohnehin vorgesorgt und Plastikbehälter mitgebracht.

Ausgelassene Fastelovends-Stimmung herrscht, und die laut Jugendamt etwa 2 500 Jugendlichen trotzen mit Singen und Schunkeln der Kälte und dem eisigen Wind. Gegen 14 Uhr müssen die Rotkreuzhelfer dann die ersten Schnapsleichen versorgen. Fast 40 Jugendliche müssen laut Sprecherin Nadine Orth behandelt werden - die meisten weil sie zu viel getrunken haben, einige wenige mit Schnittverletzungen.

"Zwischendurch waren alle 20 Betten im Zelt belegt", so Orth. Es sei aber weniger passiert als im Vorjahr. Fünf Jugendliche müssen von ihren Eltern abgeholt werden - der Jüngste ist gerade 14, so Jugendamtsleiter Walter Rekowski. Elf werden ins Krankenhaus gebracht. Acht Randalierer nimmt die Polizei in Gewahrsam. Laut Bittner war es insgesamt aber ruhiger als vergangenes Jahr.

Gegen 17 Uhr löst sich die Party langsam auf. Sanitäter David Eich hat sich bis dahin vier Mal die Trage geschnappt. "Einigen war schwindelig und schlecht und einen Jungen, der auf der Straße geschlafen hat, haben wir geholt, damit er nicht auskühlt." Generalprobe bestanden. Und jetzt? Jetzt will er gleich selbst noch ein bißchen Karneval feiern. "Ein paar Bier trinke ich heute auch noch."