Jubiläum bei den Siegburger Funken

Unterwegs in der Mission Frohsinn

Diakon Marc Kerling feiert mit den Siegburger Funken Blau-Weiss zum Auftakt des Festprogramms am Sonntag einen Mundartgottesdienst in der Kirche Sankt Anno.

Diakon Marc Kerling feiert mit den Siegburger Funken Blau-Weiss zum Auftakt des Festprogramms am Sonntag einen Mundartgottesdienst in der Kirche Sankt Anno.

Siegburg. Die Siegburger Funken Blau-Weiss feiern ihr 160-jähriges Bestehen mit Festgottesdienst und karnevalistischer Matinee. Präsident Ferdi Büchel erinnert auch an die dunklen Stunden.

Es gab mehrere Gänsehautmomente an diesem Sonntagmorgen: Einer war, als zur Filmmusik von „Star Wars“ die Gründungsgeschichte der Siegburger Funken Blau-Weiss über die Leinwand flog: Siegburg im Jahr 1859, tapfere Karnevalisten treten der dunklen Seite mit Frohsinn und Scherz entgegen.

Wie viele Menschen an dieser Mission auch heute noch beteiligt sind, das zeigten die Funken bei ihrer karnevalistischen Matinee zum 160-jährigen Bestehen in der ganz in Blau und Weiß geschmückten Rhein-Sieg-Halle. Unter dem Motto „Unser Verein hat viele Gesichter“ erschienen nacheinander Porträts der 280 Aktiven auf der Leinwand, die von der Bilderschau selbst überrascht waren – ein weiterer Gänsehautmoment für viele im Saal.

Der Tag hatte mit einem „Fessjoddesdeens op kölsch“ in der Kirche Sankt Anno begonnen. Diakon Marc Kerling machte deutlich, dass wenig nötig ist, um gute Laune zu verbreiten. Von der Kirche aus begleiteten der Regimentsspielmannszug der Funken, das Tambourcorps Siebengebirge Thomasberg, und die Bergkapelle Birken-Honigsessen die Gäste zum Festakt in die Rhein-Sieg-Halle.

Hier blickte Bürgermeister Franz Huhn auf die Geschichte der ältesten Siegburger Karnevalsgesellschaft zurück. Er erinnerte an den Auftrag von Gesellenvater Adolph Kolping: „Geht auf die Straße und sorgt dafür, dass die Freude im Karneval wieder edel wird.“ In dieser Tradition steht auch die Gründung der Funken, die aus der Kolpingsfamilie hervorgingen. Seit 160 Jahren seien sie „weltoffen, freundlich und hilfsbereit“, sagte Huhn: „Unsere Gesellschaft braucht nichts dringender, als Gemeinschaft nicht zu predigen, sondern zu erleben. Geht auf die Straße und zeigt den Leute, wie edel Karneval hier gefeiert wird.“

Landrat Sebastian Schuster, der ebenfalls zu den Gratulanten gehörte, hat die „tolle Gemeinschaft in Siegburg“ selbst 2016 als Karnevalsprinz erlebt. Er lobte, die Funken seien ein Aushängeschild für die Kreisstadt.

Funkenpräsident Ferdi Büchel ließ bei seinem Streifzug durch die Geschichte auch die dunklen Stunden nicht aus. So musste ein Karnevalist ins Gefängnis, weil er Adolf Hitler parodiert hatte. Das Archiv des Corps wurde im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört. Trotzdem sind Dokumente erhalten, die die Karnevalisten mit dem Gruß der Nationalsozialisten unterzeichnet hatten. „Lassen Sie uns die Augen offen halten. Es gibt immer die Gefahr, dass so etwas wieder geschieht“, appellierte der Präsident und erhielt dafür viel Applaus.

Anhand zahlreicher Fotos konnte Ferdi Büchel an große Momente erinnern, wozu Klaus Stock als rasender Reporter im Saal Zeitzeugen befragte. 1959 hatten die Funken das letzte männliche Prinzenpaar. Ein Jahr später schafften sie es mit ihrem männlichen Mariechen sogar in die überregionalen Nachrichten und die Illustrierten. Beim Bonner Wettstreit um den „Kanzlerpokal“ gelang der Siegburger Tanzgarde nicht nur der Überraschungssieg. Die Überraschung war umso größer, als die Perücken gelüftet wurden. Ein Fernsehreporter berichtete damals: „Das siegende Mariechen war keine Eva, sondern ein Adam.“