Karneval in Sankt Augustin

Weiberfastnacht ohne Party im Zentrum

Viel los: Rund 4000 Jugendliche feierten 2015 bei der Weiberfastnachtsparty auf der Marktplatte vor dem Sankt Augustiner Rathaus.

Viel los: Rund 4000 Jugendliche feierten 2015 bei der Weiberfastnachtsparty auf der Marktplatte vor dem Sankt Augustiner Rathaus.

Sankt Augustin. Die Stadt Sankt Augustin streicht die Jugendfete ganz und verweist auf neue Situation am Karl-Gatzweiler-Platz.

Vor dem Huma-Abriss war sie viele Jahre Anziehungspunkt für Tausende jecke Jugendliche in Sankt Augustin. Nach zwei Jahren Pause steht nun allerdings fest: Auf dem Karl-Gatzweiler-Platz wird es keine Weiberfastnachtsparty mehr geben. Mit dem Um- und Neubau des Einkaufsparks habe sich die räumliche Situation verändert, teilte die Stadt am Montag mit. Deshalb könne die Feier, die aus Gründen des präventiven Jugendschutzes ein eingezäuntes Gelände erfordere, dort in Zukunft nicht mehr stattfinden.

Die Verwaltung verweist etwa auf den Haupteingang und gleichzeitig Fluchtweg des Einkaufszentrums, der sich nun zum Platz hin öffnet. Hinzu komme die neue Außengastronomie, die Flächen belege, auf denen früher die Zäune aufgestellt worden seien. „Dadurch können die Zugänge, aber vor allem die Ausgänge vom Veranstaltungsgebäude künftig nicht in der erforderlichen Breite hergerichtet werden“, so die Stadt. „Um rund 4000 Jugendlichen ein sicheres Feiern zu ermöglichen, ist eine Einzäunung aber ebenso erforderlich wie ausreichend breite Flucht- und Rettungswege.“

Seit 2004 hatte der Stadtjugendring die Fete auf der Marktplatte ausgerichtet, 2016 und 2017 fiel sie aufgrund der Bauarbeiten am Huma aus. Im kommenden Jahr sollte sie ursprünglich wieder starten. Deshalb hatte es Gespräche zwischen Stadt, Stadtjugendring sowie weiteren Beteiligten, wie dem Verein zur Förderung der Städtischen Jugendeinrichtungen, Polizei, Feuerwehr und Huma-Centermanagement, gegeben. „Wir wussten schon, dass es nicht ganz einfach wird, weil sich die Rahmenbedingungen geändert haben“, sagte Stadtsprecherin Eva Stocksiefen auf Anfrage. „Aber wir haben gesagt, wir warten ab und schauen wie es konkret vor Ort aussieht.“ Das Problem sei die Einzäunung. „Das heißt aber nicht, dass es keine anderen Veranstaltungen auf dem Platz mehr geben kann“, sagte Stocksiefen.

Neues Konzept soll für 2018 erarbeitet werden

Für die Weiberfastnachtsparty bedeutet es jedoch das Aus. Denn alternative Flächen für eine solche Feier gebe es laut Stadt nicht. „Das haben wir vor zwei Jahren schon geprüft, als wir die Feier erstmals abgesagt haben“, sagte Stocksiefen. Damals waren unter anderem der Vorplatz des Freibades, der Parkplatz gegenüber dem Rathaus und verschiedene Schulhöfe im Gespräch. Doch es scheiterte immer an der einen oder anderen Stelle. Es gebe keine anderen Bereiche, die ausreichend groß, gut erreichbar und begrenzbar seien, so die Stadtsprecherin. Bürgermeister Klaus Schumacher bedauerte die Absage. Alle Beteiligten hätten intensiv nach einer Lösung gesucht, sagt er. „Aber letztendlich waren sich auch alle einig: Sicherheit geht vor.“

Auch für Sebastian Kremer, Vorsitzender des Stadtjugendrings, ist die Absage „sehr schade“. Der Stadtjugendring möchte in Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern aber ein neues Angebot für die Jugendlichen schaffen – allerdings nicht als Alternative an Karneval. Denn das bisherige Konzept sei auf die Marktplatte ausgerichtet gewesen, sagte Kremer. „Erste Ideen reifen gerade heran, die wir natürlich in größerer Runde diskutieren und überprüfen müssen. Wichtig ist uns allen aber, dass es auch weiterhin für die Jugendlichen einmal im Jahr die Gelegenheit gibt, gemeinsam zu feiern.“ Der Verein wolle nun seine Energie in das neue Projekt für 2018 stecken. Kremer hofft, dass die Sponsoren der Weiberfastnachtsparty ein auch neues Konzept finanziell unterstützen werden.