Veilchendienstagsumzug in Rheinbach

Jecke geben Sturmtief mit Kamelle kontra

Rheinbach. Karnevalsumzug in Rheinbach nimmt mit rund 900 Teilnehmer wegen starken Platzregens eine Abkürzung.

Dem Vernehmen nach sollen die stolzen Rappen ganz schön mit den Hufen gescharrt haben, als sie die Nachricht hörten: Wegen der Unberechenbarkeit von Sturmtief Ruzica blieben auch noch am gestrigen Veilchendienstag alle Pferde, die im Rheinbacher Zug mittraben sollten, vorsorglich im Stall. Willi Hohn, Kommandant und Vorsitzender des Stadtsoldaten-Corps 1905, der traditionell hoch zu Ross durch die Straßen der Glasstadt flaniert, hatte vorgesorgt und sich flugs ein Steckenpferd besorgt. „Bei uns mussten allein 15 Pferde und ein Gespann im Stall bleiben“, sagte Hohn.

Nicht nur wegen möglicher Orkanböen sondern vor allem wegen des prognostizierten Regenwetters hatten viele der rund 900 Zugteilnehmer mit bangem Blick gen Himmel geschaut, ehe Zugleiter Gerhard Lenz das Zeichen zum Aufbruch gab. Ganz genau wissen wollten es die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr aus Queckenberg. Die waren nämlich in diesem Jahr als lustige Minions gewandet und hatten entsprechend gelbe Schminke großzügig im Gesicht aufgelegt. „Die Wetter-App sagt uns: kein Regen erwartet“, berichtete Frank Kimnach von der Queckenberger Wehr.

Manch einem Clown flog gestern ob der Windstöße die neongrüne Perücke vom Kopf, mancher Cowboy musste seinen Stetsonhut festhalten – doch dann gegen Ende des Zuges schlugen die Unbilden des Wetters massiv zu: Ein Platzregen brach derart plötzlich über Rheinbach hinweg, dass Lenz dem Zug auf den letzten Metern eine Abkürzung verordnete. „Es hätte ruhig noch ein bisschen länger trocken bleiben können“, sagte er im Gespräch mit dem GA.

Transparenter Regenschutz über der Uniform war darum besonders bei den Stadtsoldaten, dem NCR Blau-Gold zum 50-jährigen Bestehen, dem Karnevalskomitee „Blau-Weiß“ Rheinbach 1912, den Meckenheimer Stadtsoldaten und der Gro-Rhei-Ka Narrenzunft 1895 ein gefragtes Utensil. Ein prächtiges Bild boten die aufwendig geschminkten „Rheembacher Fründe“, einem jecken Freundeskreis, die als Tiger unterwegs waren. „Seit 30 Jahren sind wir dabei“, meinte Gründungsmitglied Monika Nolden, während die Fans vom VfL Rheinbach zuvor den „Durchmarsch in die Oberliga“ bejubelten. Wohl um das Sturmtief akustisch zu übertönen, lieferten sich die „Voreifel-Cowboys“ und der Rheinbacher Junggesellenverein „Ohne Dorf“ einen Lautstärkewettbewerb, der freilich unentschieden ausging.

Begehrt waren die Wurfgüter des „Kegelclubs Schwaadlappe“: Die „Blumenkinder“, die das erste Rheinbacher Dreigestirn mit Prinz Erich I. (Bauerfeind), Jungfrau Wolly (Wolfgang Wagner) und Bauer Walter I. (Walter Weber) sowie das erste Damendreigestirn mit Prinz Michel I. (Michaela Wagner), Bauer Marian I. (Maria Bauerfeind) und Jungfrau Irina I. (Irina Weber) in ihren Reihen hatte, gaben 1100 bunte Primeln ans Narrenvolk an den Straßen aus.

Nicht minder bunt kamen die Voltigierer und Reiter von Gut Waldau daher, die sich in allerlei Bärenkostüme gehüllt hatten. „Wir sind Gummi-, Panda-, Wasch-, Braun- oder Eisbären“, erklärte Birgit Schneider te Grotenhuis. Die Kostüme vom Vorjahr wollten die Genossenschaftsbanker der Raiffeisenbank Rheinbach Voreifel jedoch nicht auftragen: „Da gingen wir als Bauarbeiter“, so Vorstand Mathias Lutz. Da die Arbeiten am Haupthaus abgeschlossen sind, brachten sie als Hippies Farbe in den Zug. Bestens mitgedacht hatte das Prinzenpaar, Heiko I. und Lieblichkeit Sandra I. (Otten). Sie stellten den prachtvollen Prinzenwagen so auf, dass sie den gesamten Zug an sich vorbeilaufen ließen, ehe sie selbst – als krönender Abschluss und galant geleitet von diversen Ex-Tollitäten auf dem Wagen der Gro-Rhei-Ka – zum beidhändigen Kamellenwerfen aufbrachen.