Karnevalssitzung in Rheinbach

Kuschelig eng im Etagenbett

Rheinbach. Die Landstürmer verlegen Rheinbach in die Alpen und nehmen die Themen Flüchtlinge und Monte Mare auf die Schippe. Stadthalle war am Wochenende dreimal ausverkauft.

Wenn sich „dat Rheinische“ mit alpinen Jodlern paart, die Kulisse der Glasstadt lässig an verschneiten Bergspitzen lehnt und lauter Lederhosen, Seppelhüte und Dirndl frisch von der Skipiste in die Stadthalle preschen, dann gipfelt der Karneval im Sturm – im Rheinbacher Landsturm. Gleich dreimal fegte der am Wochenende über die Gipfel des städtischen Treibens und ließ bei diesem „Gipfeltreffen“ kein tagesaktuelles Skandälchen ungeschoren davonkommen.

Ob das Bangen ums Monte Mare, Windräder in Swisttal oder überfüllte Hütten aufgrund von „Überraschungsgästen“ – die „Söhne Rheinbachs“ profilierten sich als freche Kommentatoren. Aufgrund von Kontinentalplattenverschiebungen, Überschwemmungen und Steuererhöhungen, so das Szenario, hat es die Glasstadt in luftige 1930 Höhenmeter verschlagen.

Was die Kassen klingeln lässt und die Hotels füllt, die bislang allenfalls dank des Meckenheimer Treffens der Zeugen Jehovas Hochkonjunktur gefeiert hätten, so die Landstürmer. Die den Nachbarkommunen insgesamt für „gesunkenes Niveau“ dankten, das Rheinbach desto strahlendere Höhen beschere, derweil Meckenheim „auf halbmast dümpelt und allenfalls den Idiotenhügel für die Anfänger-Touristen“ stelle.

Swisttal brauche Windräder, „damit sich überhaupt mal was dreht.“ Diese und andere lästerlichen Gipfel erklommen die Rheinbacher bei den drei ausverkauften Marathon-Sitzungen mit den Landstürmern, ohne aus der Puste zu kommen.

Einen Höhepunkt des Aufstiegs markierten Willi Mirgartz und Heiko Hecking als „Albaner und Angela Power“, die vor dem überdimensionalen Selfie eines Flüchtlings mit der Kanzlerin ein ergreifendes Duett der Unzertrennlichkeit schmetterten und mit Marianne Rosenberg klarstellten: „Er gehört zu mir!“ Dass dafür auch Platz in der kleinsten Ski-Hütte ist – nur nicht in den Turnhallen, die bleiben tabu – demonstrierte die halbe Crew, indem sie sich in zwei Etagenbetten stapelte. Mit „Minsche am Rhing“ stellte das „Power-Duo“ unmissverständlich klar, dass die Lage zwar eng, aber herzlich ist.

Nicht nur die vom Godesberger Künstler Manfred Dimon gestaltete Kulisse, auch die Inszenierung war bis ins raffinierte Detail der Pausenüberleitung hin durchdacht: So luden die Landstürmer, deren Konterfeis als überdimensionale Maß Bier überm Publikum schwebten, selbiges mit Andreas Bourani zum Toilettengang ein: „Mein Kölsch läuft schneller als deins. Es läuft nicht mehr wie einst. Es leuchtet heller als deins. Vielleicht muss es so sein.“

Ob als texanischer Schwerenöter mit Liebschaften in allen Rheinbacher Höhenorten, als rappender Ötzi oder als verblüffend originalgetreue Udo-Lindenberg-Parodie: Achim Frank zündete in seinen Rollen ein Feuerwerk närrischen Temperaments und volltönenden Gesangs.

Überhaupt erwiesen sich die Landstürmer einmal mehr als stimmgewaltig: Der Monte-Mare-Chor stimmte das Lied der Berge samt Echo und Jodeln an und kämpfte vor der Dia-Fotomontage eines in verschneite Gipfel gehüllten heimischen Erlebnisbades äußerst melodisch um den Erhalt des „Rentner-Feuchtgebietes“ trotz des neuen Palmenparadieses in Euskirchen. Letzterem habe das Monte Mare in seiner neuen Höhenlage ja nun immerhin eine Schlittschuhbahn und ein Eisfischerbecken entgegenzuhalten.

Dass einsam verschneite Höhen freilich auch ihre technischen Tücken bergen, bekamen Vizelandrätin Silke Josten-Schneider alias Peter Eich im streikenden Sessellift und Jacob Mufleh als an der Steilwand hängender Tourist zu spüren. Denn trotz willkommener Profilierung als Touristenhochburg – mit der Soforthilfe hapert es in der alpinen Glasstadt noch etwas. Denn obwohl Mufleh mit Adeles „Hello from the Other Side“ eindringlich um Hilfe sang, hatte Bergretter Fred Paral ihm nur Treue-Punkte und die Verfilmung des Dramas per Drohne zu bieten.

Beim fulminanten Finale der herrlich klamaukigen Mischung von Slapstick, Gesang und Bühnenrede zündete das entfesselte Publikum nicht nur eine Rakete fürs Hochgebirgsdreigestirn Frank, Eich und Hecking, es gab auch Genesungsapplaus für Landstürmer Harald Assenmacher, der aus gesundheitlichen Gründen wenige Tage vor der Premiere ausgefallen war. Die Hüttengaudi endete mit einem vom Saal geschmetterten „Wir wollen die Eisbären sehen.“

Der Landsturm, ein „Appendix“ der Rheinbacher Stadtsoldaten, besteht aus: Peter Eich, Karl-Heinz Jansen, Stefan Jansen, Stephan Bruna, Heiko Hecking, Peter Arzdorf, Jacob Mufleh, Achim Frank, Willi Mirgartz, Fred Paral, Willi Mertens. Richard Arzdorf und Thomas Michels begleiteten die Landstürmer als Musiker. Peter Eich dankte der Stadt Rheinbach und den vielen Kooperationspartnern und Helfern, darunter Erwin Glinski und Mike Weichert als Haupthelfer.