Rathaussturm in Rheinbach

Sechs Schüsse öffnen den Jecken das Rathaus

Jecker Sturm auf das Rathaus: Wehrten sich mit gezielten Kamellesalven: Bürgermeister Stefan Raetz (Mitte) und Brigadegeneral Wolfgang E. Renner.

Jecker Sturm auf das Rathaus: Wehrten sich mit gezielten Kamellesalven: Bürgermeister Stefan Raetz (Mitte) und Brigadegeneral Wolfgang E. Renner.

RHEINBACH. Rheinbachs Bürgermeister Stefan Raetz und seine mickrige Kampftruppe haben gegen die närrische Streitmacht keine Chance.

Das hatten sich Dreigestirn Prinz Jörg III., Bauer H.P. I. und Jungfrau Jolanda I. ja fein ausgedacht: Die Ratsmitglieder sollten Spalier stehen für die Tollitäten, Uniformierten und Garden der gesamten Rheinbacher Gesellschaften bei deren Sturm auf das Rheinbacher Rathaus. Ob Unwissenheit oder volle Absicht – jedenfalls standen die Ratsvertreter keineswegs Spalier an der Einfahrt zum Rathaus, sondern bildeten eine überparteiliche Phalanx, fest untergehakt und ebenso entschlossen, nicht zu weichen.

Ein wenig Verunsicherung säten sie damit schon bei den Angreifern der ersten Reihe. Aber was ein echter Stadtsoldat ist, lässt sich nicht so leicht ins Bockshorn jagen. Erst vereinzelte Durchbrüche, dann waren die Lücken nicht mehr zu schließen, die Phalanx gebrochen. Und die „interfraktionellen Blockierer“ wurden kurzerhand gefangen genommen. Was zur Folge hatte, dass die Zahl der Verteidiger um Bürgermeister Stefan Raetz hoch oben auf dem Rathaus-Balkon äußerst mickrig war: der Erste Beigeordnete Raffael Knauber, und Brigadegeneral Wolfgang E. Renner, Standortältester der Tomburg- Kaserne und Kommandeur des dortigen „Betriebszentrums IT-System“ der Bundeswehr.

War Raetz auch überzeugt, dass er damit „das Erfolgreichste, das wir haben“ aufbot, war für die anstürmenden Uniformierten unter dem Kommando von Stadtsoldaten-Kommandant Willi Hohn klar, dass mit diesen Verteidigern, wie schon tags zuvor die Tomburg-Kaserne, auch das Rathaus nicht zu halten sein würde. Siegessicher ließen es die Angreifer gemächlich angehen: Ab und zu ein paar Schmähungen wie: „Eure Kamellsche werden och immer kleene.“ Hier ein Stück zum Schunkeln vom Musikzug der Stadtsoldaten, da eines vom Musikzug des NCR Blau-Gold.

Dann der Tanz aller Tollitäten auf dem Rathaus-Vorplatz. Schließlich brauchte es nur ein halbes Dutzend Schüsse aus der Kanone, und die Rathaus-Tür war sturmreif geschossen. Bürgermeister Raetz blieb nichts anderes übrig als Prinz Jörg den überdimensionierten Holz-Schlüssel zu übergeben. Der eigentliche „Goldene Rathausschlüssel“ soll sich noch im Gewahrsam eines Ex-Prinzen befinden, wie gemunkelt wird. Den Erfolg der Erstürmung jedenfalls schrieb Prinz Jörg der „List“ zu, den Rat im Spalier zu binden, um so die Reihen der Verteidiger zu dezimieren. Was der Bürgermeister allerdings anzweifelte: „Naja, tolles Gebot – jedenfalls waren sie so nah am Volk lange nicht mehr.“