Karneval im Drachenfelser Ländchen

So liefen die Wieversitzungen in Wachtberg

Berkum. Ob die Damen der Seerosen oder die KG Hetzbröde - Sie und viele andere feierten am Donnerstag mit ihren Gästen auf den Wieversitzungen im Drachenfelser Ländchen.

Was macht man, wenn man mit seiner privaten Feier an Weiberfastnacht anderen auf die Nerven geht, weil es zu laut ist? Man gründet einfach eine eigene Karnevalsgruppe und lädt alle zur Sause ein. Ungefähr so begannen die Feste der Damen der Seerosen. Die erste Sitzung der Seerosen war 1968, damals noch im kleinen Kreis. Heute kommen rund 120 Frauen, sodass die zehn Damen in die Schützenhalle Villip einladen. Aber auch da ist es immer noch eng – aber gemütlich.

„Das ist für uns etwas Besonderes“, sagte Silke Saam zum 50. Geburtstag der Truppe. Schwiegermutter Lieselotte Saam ist als Gründungsmitglied noch dabei. Auf der Bühne kündigte Sabine Green Gesang und Sketche an. Natürlich fehlte der Traditionstanz Schladderbotze auf den Marsch „Alte Kameraden“ nicht. Die Musikaufnahme hat schon ein paar Kratzer, „aber das gehört sich so“, meinte Green. Silke trat mit Säugling Marianne auf: Beide gaben den „Babysitter Boogie“.

Wer als nächstes dran war, das stand hinter den Kulissen auf einem handgeschriebenen Notizzettel an der Wand. Schnell noch ein Mon Chéri gegen's Lampenfieber – los ging's. Das alles findet Hannelore Kaup aus Köln so toll, dass sie seit sieben Jahre dabei ist. Der Karneval hier sei besser als in der Domstadt: „Da ist es zu voll.“

Eine Art Sitzungsgemeinschaft bilden die KG Hetzbröde und die Knallbonbons, die auf der Bühne der Schützenhalle eine Institution sind. 170 Frauen erlebten eine Reise durch die Welt der Musicals hin zum „König der Löwen“ und dem „Phantom der Oper“ – alles mit tollen Kostümen umgesetzt. Diesmal nicht mittanzen konnte Monika Klaus und war ein wenig wehmütig.

Was die Sitzung anging, war für sie klar: „Das ist kultig, da muss man hin.“ Die Männer spielen in Adendorf auch eine Rolle: So darf Hetzbröde-Vorsitzender Martin Wagner moderieren, viele andere wurschtelten fleißig im Hintergrund herum. „Das ist alles arbeitendes Volk. Wir dienen heute“, meinte KG-Geschäftsführer Michael Nickel. Mit 82 Jahren ist Tini Kastenholz die Älteste im Verein, die gute Seele, die Kaffee kocht oder an der Kasse sitzt. Bei der Sitzung mit Männerballett, Gardetänzen und viel Musik wurde Wilfried Thünker für 40 Jahre Arbeit im Verband Rheinische Karnevals-Korporationen (RKK) geehrt. Heute ist er NRW-Bezirksvorsitzender.

Den Himmel auf Erden feierten die jecken Wiever Fritzdorf und stießen engelsgleich mit Heiligenschein mit einem Prosecco an. Denkste, meinten die Turnerfrauen vom TTC Fritzdorf, und mischten mit 20 Teufelinnen die Mehrzweckhalle auf. „Wir wollten irgendwie auf das Motto eingehen“, sagten Maria Reiß und Rita Heinrichs. Sie erlebten an dem Nachmittag unter anderem, wie sich Trude Herr und Michael Jackson im Himmel begegneten.

Das kölsche Urgestein hatte in dem Sketch Angst, dass ihr der King of Pop in den Wolken die Schau stehlen könnte. Bis auf zwei bestellte Bands machen die 13 jecken Wiever alles selbst, wie Doris Wachendorf und Susanne Schäfer betonten. „Bei uns gibt es keinen Chef.“ Erstmals durchs Programm führten Kerstin Sieburg und Steffi Häger. Großen Jubel gab es auch für die Bambini und Kindertanzgruppe der KG Grün-Gelb Fritzdorf, zu der auch die Wiever gehören.

Sie kann nicht nur gut singen, sondern auch voller Elan schwaade: Die Villiper Karnevalsprinzessin Janina I. hatte auf der Bühne bei der katholischen Frauengemeinschaft (kfd) im Hotel Görres ein Heimspiel. Dann war da noch der Mann mit der Hupe in ihrer Equipe, der zwar an Weiberfastnacht den Mund zugeklebt hatte, dafür aber mit seinem Tröten Moderatorin Alice Schroeder aus dem Konzept brachte. Erst ein Bützchen vom Störenfried stimmte sie wieder milde – alles Spaß.

Die acht kfd-Frauen gestalteten das Programm mit Sketchen und Tänzen und freuten sich, nach einem Jahr Pause wieder eine Sitzung präsentieren zu können. „Schon das Proben hat Spaß gemacht“, sagte Schroeder. 42 Jahre lang hatte Helene Vershoven alles organisiert, wofür sie geehrt wurde. „Ich bin das erste Mal hier. Mir gefällt es“, sagte Silke Radke, eine von 85 Närrinnen im Saal. Mit den kürzesten Weg zur Sitzung hätte wohl Renate Offergeld gehabt, doch nach dem privaten Hausverbot im Hotel mied die Bürgermeisterin auch diesen offiziellen, jecken Anlass.

„Deshalb bin ich jetzt hier“, sagte Offergeld bei den Berkumer Möhnen, wo die vielen Frauen im Schulzentrum mit den Karobuben den „Wolkeplatz“ sangen und den Verzällcher vom Knubbelisch vum Klingelpötz lauschten. Bei Obermöhn Karin Hermann ging es auf der Bühne Schlag auf Schlag. Die Möhnen setzen bewusst auf ein gekauftes Programm, weil die elf Wiever für Auftritte gar keine Zeit hätten. „Wir machen unser ganzes Essen selbst“, meinte Brigitte Jung – Kartoffelsalat, die beliebten Russeneier, belegte Brötchen und Kuchen. „Das ist so familiär hier“, meinte eine Närrin im Saal. Sie freute sich schon, dass mit dem Auftritt der Jodesberger Junge abends dann auch die Männer mit rein durften.