Rhein-Sieg-Kreis

Polizei will Sicherheit der Jecken an Karneval garantieren

Freuen sich auf den Karnevalszug in Sechtem: Mario Wiesner (r.) mit großen und kleinen Jecken.

Freuen sich auf den Karnevalszug in Sechtem: Mario Wiesner (r.) mit großen und kleinen Jecken.

Rhein-Sieg-Kreis. Angst vor einem Terroranschlag auf die Züge haben die Karnevalisten im Rhein-Sieg-Kreis nicht. Dennoch werden Vorkehrungen getroffen.

Mario Wiesner (40) ist optimistisch, dass nichts passieren wird, wenn am Samstag vor Weiberfastnacht der Karnevalszug des Vereins „Kinderkarneval Sechtem 1994“ mit 500 Teilnehmern durch den Bornheimer Ortsteil zieht. Je nach Witterung erwarten die Karnevalisten mehr als 2000 Besucher. Dennoch weiß der Vereinsvorsitzende, dass „es keinen 100-prozentigen Schutz“ gebe: „Ein Fahrzeug könnte theoretisch von überall herkommen und Schaden anrichten.“

Außer der Reihe haben er und die anderen Vereinsmitglieder keine Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Das Besondere am Kinderkarnevalszug: Weder Traktoren noch Pferde ziehen die Wagen. „Wenn überhaupt Bollerwagen“, so Wiesner. Nur mit Muskelkraft wird der komplette Zug bewegt. Die Einzigen, die motorisiert unterwegs sind, werden Rettungskräfte sein. „Wenn man den Ort hermetisch abriegeln würde, müssten alle Anwohner ihre Fahrzeuge vom Straßenrand entfernen. Aber das ist utopisch“, sagt Wiesner. Seitenstraßen und Gassen werden während des Zuges gesperrt sein. Des Weiteren wird es Kennzeichnungen geben, die angeben, wo der Zug entlanggeht. Nur am Hauptzufahrtsweg stehen Einsatzwagen.

Hundertschaften im Einsatz

Statistisch gesehen, sei die Wahrscheinlichkeit eines Unfalles im Haushalt höher als ein Anschlag auf einen Karnevalszug, so Wiesner. Ein größeres Problem sei nicht die potenzielle Terrorgefahr, sondern der Alkoholkonsum von Jugendlichen. Aus diesem Grund stehen Mitarbeiter des Jugendamtes und freiwillige Helfer in grünen Jacken am Straßenrand (genannt grüne Männchen), bei denen die Jugendlichen Alkohol gegen Essen und alkoholfreie Getränke eintauschen können. Das erste Sicherheitstreffen mit Polizei, Kommunen und Karnevalisten fand am 10. Januar statt.

Vor allem die Züge in Bornheim und der Gemeinde Alfter werden von Einsatzkräften geschützt, darunter auch die Einsatzhundertschaft. Wie viele es sein werden, will Michael Beyer, Sprecher der Bonner Polizei, nicht sagen. „Wie im vergangenen Jahr wird es entlang einiger Züge auch wieder mobile oder stationäre Sperren geben. Es gibt aber keinerlei konkrete Hinweise auf geplante Anschläge.

Damit die Menschen unbeschwert feiern können, wird die Polizei deutlich sichtbar Präsenz zeigen“, betont er und ergänzt: „Gegen Unruhestifter, Trick- und Taschendiebe, die sich erfahrungsgemäß unter die Menschen mischen, werden uniformierte und zivile Fußstreifen frühzeitig und konsequent einschreiten.“ Sein Rat: „Sollte jemand eine verdächtige Tasche oder Personen bemerken, bitte den Notruf, die 110, wählen.“ Im Vorfeld wollen er und seine Kollegen die Bürger auf der Webseite der Bonner Polizei, via Twitter und Facebook für das Thema „Sicherheit im Straßenkarneval“ sensibilisieren.

Auch den Jugendschutz im Blick

Die Gemeinde Alfter will sich zu den Sicherheitsvorkehrungen für die insgesamt fünf Züge nicht äußern und verweist auf die Bonner Polizei. Nur so viel: „Die Feiernden werden gebeten, auf große Taschen und Rucksäcke zu verzichten. Bei Umzügen sollen angrenzende Einmündungen und Kreuzungen von den Zuschauern möglichst freigehalten werden, um einen Zugang für Einsatz- und Rettungskräfte zu ermöglichen. Nach wie vor gilt ein Augenmerk der Polizeibehörden dem Jugendschutz. Wer als Erwachsener oder Händler illegal Alkohol an Minderjährige abgibt, muss mit einer Anzeige rechnen“, heißt es in einer schriftlichen Antwort. Auch die Stadt Bornheim verweist auf die Polizei.

Für die Karnevalsgesellschaft „Halt Pol 1874“ Bad Honnef ist diese Session eine besondere. Sie feiert ihr 144. Bestehen und stellt das Siebengebirgs-Dreigestirn. „Wir sind über die Entscheidung der Polizei enttäuscht, dass wir nicht durch die Honnefer Fußgängerzone gehen dürfen, entlang an unserem Vereinsheim und unserer Vereinsgaststätte“, sagt Jörg Pütz (57), Präsident der Karnevalsgesellschaft und Vorsitzender. Vor drei Jahren konnten die Jecken und ihre Wagen wegen einer Baustelle nicht durch das Zentrum, und dieses Jahr, wie auch vergangenes, ebenfalls nicht wegen des „Gefahrenpotenzials“. „Es sei laut Polizei zu eng. Dabei haben sich unsere Wagen weder vergrößert noch verkleinert“, ergänzt Pütz.

Stefan Jungheim (54), Vorsitzender des Festkomitees Bad Honnefer Karneval, weiß, dass für einige von den insgesamt neun Mitgliedervereinen die neue Zugroute, die seit drei Jahren besteht, „wesentlich entspannter ist.“ Er ergänzt: „Dennoch haben wir bei der Stadt Bad Honnef im Oktober 2017 einen Antrag gestellt, dass der Zug wieder durch die Fußgängerzone geht. Der wurde aber abgelehnt.“ Die Begründung der Polizei: zu eng, zu schmal, zu wenig Platz für Rettungskräfte, Besucher und Zugmitläufer. „Mit einem Terrorakt hat die Absage nichts zu tun“, betont Jungheim.

Ein Fokus liegt auf Weiberfastnacht

Obwohl es bisher keine Vorfälle wie die Kölner Silvesternacht 2015 im Zuständigkeitsgebiet der Polizei des Rhein-Sieg-Kreises gab, „werden wir dem Sicherheitsbedürfnis der Menschen Rechnung tragen“, sagt Stefan Birk, Sprecher der Kreispolizeibehörde des Rhein-Sieg-Kreises. Zurzeit liegen Einsatzplanungen für mehr als 40 Veranstaltungen in den elf Kommunen vor, für die die Kreispolizeibehörde Siegburg zuständig ist. „Der Fokus liegt dabei an Weiberfastnacht auf den Veranstaltungen in der Siegburger Innenstadt und in Hennef“, ergänzt Birk und versichert, dass die Einsatzkräfte „gegen Störer und Gewalttäter konsequent vorgehen.“ Nichtsdestotrotz sei eine 100-prozentige Sicherheit nicht gegeben, betont er.

Während des Siegburger Straßenkarnevals wird es laut Jan Gerull, Sprecher der Stadt, Fahrzeugsperrungen, Abgitterungen und Betonelemente geben. „Auch einzelne private Speditionsunternehmen unterstützen durch das Bereitstellen geeigneter Fahrzeugsperren die Absperrmaßnahmen“, ergänzt er. Für den Rosenmontagszug werden neben den Straßen- und Fahrzeugsperren auch Polizei und Ordnungsamt im Einsatz sein.

„Da sich die bisherigen Sicherheitsmaßnahmen beziehungsweise Konzepte bewährt haben, gibt es keine Neuerungen – außer Personalaufstockung im Ordnungsamt. Die Zugwege sind unverändert“, ergänzt Gerull. Ein eigener Veranstaltungspunkt ist die Feier an Weiberfastnacht auf dem Siegburger Markt für Jugendliche und junge Erwachsene. Dort sollen Ordnungsamt, Polizei, Jugendamt und ein Sicherheitsdienst nach dem Rechten sehen. Es wird nur Bier ausgeschenkt und keine Schnäpse. In der gesamten Innenstadt gilt ein Glasverbot.