Zum zweiten Mal bleibt Rheinbach ohne Tollitäten

Schuld sind Statuten des Festausschusses Rheinbacher Karneval

Rheinbach. Schön wär's gewesen: ein Dreigestirn für Rheinbach. Noch dazu drei Damen, die nicht nur nett anzuschauen, sondern auch in der Stadt wohl bekannt, sozial und politisch engagiert sind. Aber dazu kam es nicht.

Die Kernstadt ist zum zweiten Mal in Folge ohne "große", also erwachsene Tollitäten, anders als Oberdrees, Wormersdorf und Flerzheim. Was genau dazu geführt hat, dass die Frauen, die gerne in die Rollen von Prinz, Bauer und Jungfrau geschlüpft wären und dies auch den zuständigen Karnevalisten kundgetan hatten, nun doch nicht antreten, ist schwer nachzuvollziehen. Das verhinderte Damen-Dreigestirn will "nicht nachkarten".

Es gab Erklärungen und Aussprachen vor der "Turmversammlung", der Zusammenkunft der Rheinbacher Karnevalsvereine, um die Abläufe und die Gründe darzustellen, die schließlich zu der Erklärung führten, dass sie nicht mehr zur Verfügung stehen. Nach Informationen des General-Anzeigers ist von Verletzungen des persönlichen Ehrgefühls die Rede und von nicht zeitgerechten Informationen.

Alles in allem sind die Darstellungen der drei Damen und der Karnevalisten widersprüchlich. Was sich wohl aber festhalten lässt: Ein Problem war zunächst, dass es sich um ein weibliches Dreigestirn handelte. Was in den Dörfern wie Oberdrees seit Jahren gang und gäbe ist, hat es in der Rheinbacher Kernstadt noch nie gegeben. Übrigens auch nicht in der männlichen Variante.

Grund sind nach Informationen des General-Anzeigers die Statuten, die sich der "Festausschuss Rheinbacher Karneval" - ein Zusammenschluss der Vereine in der Nachfolge des Zugkomitees - gegeben hat. Darin wird nämlich ein traditionelles Prinzenpaar favorisiert. Seit dem Jahr 2002 würde rein theoretisch auch ein männliches Dreigestirn akzeptiert. Aber nur für den Fall, dass sich bis Aschermittwoch der Vorsession kein Prinzenpaar gefunden hat. Eine ähnliche Regelung gilt seit diesem Jahr auch für Damen-Dreigestirne.

Den Interessentinnen sei "klipp und klar gesagt worden, dass sie erst am Aschermittwoch Bescheid kriegen", heißt es aus den Reihen der GroRheiKa, die für die Begleitung der Kernstadt-Tollitäten zuständig ist. Und der damalige Vorsitzende der GroRheiKa, Rainer Faßbender, betont: "Ich habe die Damen korrekt informiert."

Er sei nach dem Stichtag Aschermittwoch vom Festausschuss nach dessen einstimmigem Votum beauftragt worden, die Interessentinnen über das "Grüne Licht" für die erste närrische Regentschaft eines Damen-Dreigestirn zu informieren. Offenbar gab es aber eine zeitliche Verzögerung. Die Folge: Enttäuschung bei den Interessentinnen mit der Konsequenz, den Karnevalisten eine Absage zu erteilen.

Seither gärt es in Rheinbach, wird viel geredet und viel kolportiert. Und so kommt die Geschichte in den Ruch von Tratsch, Knatsch und Klüngel. Eines bleibt ganz sicher haften: Karneval ist eine ernste Sache. Und vielleicht nutzt ja wie in der vergangenen Session ein Ausländer die Chance des vakanten Throns. Damals fuhr "Prinz Keith" aus Florida beim Veilchendienstagszug mit.