Ein närrisches Menü der Extraklasse: Große Prunksitzung der Narrenzunft Oberpleis fährt groß auf

Ein närrisches Menü der Extraklasse : Große Prunksitzung der Narrenzunft Oberpleis fährt groß auf

Zu ihrer Prunksitzung in der Aula des Schulzentrums hatte die Narrenzunft Oberpleis alles aufgefahren, was im Karneval Rang und Namen hat.

„Von hinten sah es schon klasse aus, von vorne sicher noch viel, viel besser.“ Andreas Friedrich, Sitzungspräsident der Narrenzunft Oberpleis, war fast ein wenig neidisch. Zwar saßen er und seine Elferrats-Mannen bei der großen blau-weißen Prunksitzung am Samstagabend oben auf der Bühne ganz dicht dran am Geschehen. Die bessere Sicht auf all die schmucken Garden und Tanzcorps hatte man aber eindeutig von den billigen Plätzen aus, sprich aus dem Publikum. Von dort konnte man zudem nicht nur besser „luure“, an den langen Tischen ließ es sich auch viel besser schunkeln – wovon die bunt kostümierten Pleeser Jecken auch ausgiebig Gebrauch machten.

Die Narrenzunft Oberpleis hatte wieder einmal alles aufgefahren, was im rheinischen Fastelovend Rang und Namen hat. Bei der Prunksitzung wurde ein jeckes Zwölf-Gänge-Menü vom Allerfeinsten serviert, das keine Wünsche offen ließ. Wäre die Aula im Schulzentrum Oberpleis an diesem Tag kein Narren- sondern ein Gourmettempel gewesen, so hätte er drei Michelin-Sterne verdient.

Als blau-weißen Aperitif gab es zu Beginn des fünfstündigen Programms den Einmarsch des Prinzenpaars nebst Elferrat, Funken und Tanzcorps. Alles, was eine schmucke blau-weiße Uniform tragen darf und zur großen Zunft-Familie gehört, knubbelte sich auf der Bühne – ein tolles Bild. Dass die Funken in diesem Jahr bereits ihren 66. Geburtstag feiern, war ihnen wahrhaftig nicht anzusehen – die Truppe scheint ein echter Jungbrunnen zu sein. Das Sahnehäubchen war der Auftritt der Ströppchen und der Dilledöppchen, die für ihre flotten Tänze jede Menge Applaus ernteten. Appetit auf mehr machte außerdem das Bläsercorps Auelgau mit einem mitreißenden karnevalistischen Medley.

Dicker Appetithappen als Vorspeise

Zur Vorspeise gab es dann einen richtig dicken Appetithappen, diesmal in der Farbkombination Grün und Weiß: die Rezag Husaren aus Porz. Narrenzunft-Vorsitzender Ludwig Manderscheid und Sitzungspräsident Friedrich hatten die 50 Mann starke Garde vor zwei Jahren bei einer Sitzung erleben dürfen und sofort entschieden: „Die müssen wir nach Oberpleis holen.“ Bei den tanzenden Husaren flog nämlich nicht nur das Mariechen Steffi akrobatisch durch die Luft, auch die Herren hoben im wahrsten Sinne des Wortes vom Boden ab.

Schon der erste Tanz raubte den Zuschauern fast den Atem, als Husaren-Kommandant Ralf Langen die Tempostufe dann noch weiter nach oben schraubte, kannte die Begeisterung keine Grenzen mehr.

Deftig gewürzt, mit einer leicht zartbitteren Note, so könnte man den nächsten Gang beschreiben: Peter Kerscher und seine Dolly. Was die einzige sprechende Kuh Deutschlands im Zwiegespräch mit ihrem Besitzer so alles zum Besten gab, mundete den Pleeser Jecken vorzüglich. So erfuhr man zum Beispiel, dass Donald Trump – „Der mit der Katze auf dem Kopf“ – in den USA einen Schaden von zehn Millionen Dollar verursacht hat, da sein Konterfei auf einer Briefmarke zu sehen war. „Die kleben aber nicht“. Warum? „Weil die Leute auf die falsche Seite spucken.“ Als Prinz Michael dann kurzzeitig als Dolly-Double fungieren durfte, flossen die Lachtränen in Strömen.

Majestäten genossen ihr Tollitätendasein

Überhaupt genossen die neuen Pleeser Majestäten ihr Tollitätendasein in vollen Zügen: „Prinzenpaar in Oberpleis zu sein, das ist schon etwas ganz Besonderes“, erklärte Prinz Michael. „Es macht uns richtig viel Spaß. Und wie wir von der Gesellschaft getragen werden, das ist eine echte Wonne.“ Ganz besonders freuen sich Michael und Lale natürlich auf den Veedelzoch am Karnevalssonntag: „Da wollen wir euch alle sehen.“

Und damit auch tatsächlich alle kommen, kündigte das Prinzenpaar Vielversprechendes an: „Wir werden euch mit Kamelle bombardieren.“ Den Prinzenorden gab es an dem Abend für zwei besonders verdiente Karnevalisten: aus dem Elferrat wurde der langjährige Prinzenadjutant Bernd Dahs ausgezeichnet, aus den Reihen der Funken durfte sich Tobias Nietzer über die majestätische Auszeichnung freuen. Er ist seit vielen Jahren im Funkencorps aktiv und dort auch im Generalstab vertreten.

Doch auch nach diesem Schmankerl war der Appetit der Jecken nicht gestillt, dafür waren unter anderem noch die Köbesse, Willibert Pauels, die Cöllner und der „Tuppes vom Land“ von Nöten. Zum Nachtisch ließen sich die anwesenden Piraten und Clowns dann auch noch Süßes in Form des Tanzcorps „Fidele Sandhasen“ aus Oberlar schmecken, bevor als Absacker die „Orjelspiefe“ den Narren mit echter kölscher Musik noch einmal gehörig den Marsch bliesen. Der „Pleeser Wind“ wehte die Jecken dann zu vorgerückter Stunde aus dem Saal und ab nach Hause.