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Neubaugebiet Westum: Der Bauzaun kann den Schandfleck nicht verbergen

Neubaugebiet Westum : Der Bauzaun kann den Schandfleck nicht verbergen

Über dreissig Ein- und Zweifamilienhäsuer sollen auf dem Grundstück des ehemaligen Campingplatzes in Westum gebaut werden. Noch ist er nicht geräumt, und hier dominieren Müll und Dreck.

Weniger als zwei Jahre ist es her, als die rund einhundert Bewohner und Pächter der Ferienhäuschen auf dem Westumer Campingplatz Am Hellenbach das Feld wegen zahlreicher nicht beachteter Brandschutzbestimmungen räumen mussten. Schnell überwarfen sich die Nutzer der Anlage - viele waren Dauergäste - mit dem Betreiber des Platzes. Von Einigung keine Spur. Stattdessen hagelte es gegenseitige Vorwürfe und Beschimpfungen, gar von Morddrohungen war die Rede. Schlussendlich verkaufte der Eigentümer den idyllisch gelegenen Platz an einen Investor, der dort Erschließungsstraßen und Häuser bauen will. Zurückblieb eine große Müllhalde. Viele Campingplatz-Nutzer haben ihr Hab und Gut einfach zurückgelassen: So reihen sich verwahrloste Holzhütten mit eingeschlagenen Fenstern und Türen, Verschläge und schrottreife Wohnwagen aneinander. Das 3,1 Hektar große Gelände ist inzwischen eingezäunt, doch der optische Eindruck ist verheerend.

„Als Ortsvorsteher, und da darf ich für den gesamten Ortsbeirat sprechen, ist uns allen die Müllsituation auf dem ehemaligen Campingplatz ein Dorn im Auge. Aber hier sind uns die Hände gebunden“, so der verärgerte Ortschef Mario Wettlaufer. „Das Grundstück ist bekanntlich Privateigentum, so dass der Eigentümer für den Zustand verantwortlich ist. Und ihm obliegt insbesondere die Verkehrssicherungspflicht“, teilte die Sinziger Stadtverwaltung dem GA auf Anfrage mit. Sofern dort baurechtswidrige Zustände herrschen sollten oder Abfälle lagern, falle dies nicht in die Zuständigkeit der Stadtverwaltung. Rathaus-Büroleiter Christian Weidenbach: „Wir können hierauf keinerlei Einfluss nehmen.“ Die damalige Räumung war von der Bauaufsicht des Kreises veranlasst und durchgesetzt worden.

Auf GA-Anfrage bestätigte die Kreisverwaltung: „Im Frühjahr 2019 wurde die Nutzung des ehemaligen Hellenbach-Campingplatzes in Sinzig-Westum zu Wohnzwecken baurechtlich untersagt, weil Verstöße gegen baurechtliche und sonstige öffentlich-rechtliche Vorschriften bestanden.“

Nach Aufgabe der Nutzung sei das Gelände durch den Eigentümer mit Bauzaun-Elementen gegen unbefugtes Betreten gesichert worden.

„Die seinerzeit bestehende Gefahrenlage wurde nach Durchführung dieser Maßnahmen beseitigt. Gründe für ein weitergehendes bauaufsichtliches Einschreiten bestehen daher derzeit nicht“, führte die Behörde weiter aus. Zur Räumung der riesigen Müllhalde machte die Kreisverwaltung keine Angaben.

Um nun die gewünschte Neubausiedlung möglich zu machen, ist die Aufstellung eines Bebauungsplanes erforderlich, der bereits im Winter 2020 auf den Weg gebracht wurde. Eingeleitet wurde zudem eine frühzeitige Bürgerbeteiligung. Deren Rückläufe bezogen sich in erster Linie auf die Verkehrsanbindung des Gebietes an den bestehenden Ortskern in Westum. Im Juni will man sich mit den einzelnen Bedenken, Beschwerden und Anregungen in den städtischen Gremien näher beschäftigen. So wird dann unter anderem auch noch eine landesplanerische Stellungnahme in die Beratungen einfließen. Wie die weitere Zeitschiene aussehen wird, ist noch offen.

Zumindest 35 Ein- und Zweifamilienhäuser sind auf dem ehemaligen Campingplatz in der Planung. Damit einher gehen umfangreiche Erschließungsmaßnahmen, allerdings wird nach Fertigstellung auch erheblich mehr Verkehr im Ort erwartet, was bei den Westumern für Bauschmerzen sorgt. Vorhabensträger ist die Remagener Wahl Immobilien GmbH, die – so teilte deren Vertreter Markus Ernst mit – für eine „private Investorengruppe“ tätig werde.

Die Remagener Unternehmung setze deren Vorstellungen um. Und die sehen zunächst den Bau von etwa 35 Ein- und Zweifamilienhäusern vor, die an einer zu bauenden Ringstraße liegen sollen. Zuwegungen gebe es von der Sonnenstraße und der Krechelheimer Straße. Eine verdichtete Bebauung soll es auf dem Gelände nicht geben.