"Alles Farbe!" im Museum Morsbroich: Künstler Jörn Stoya stellt seine Werke aus

"Alles Farbe!" im Museum Morsbroich : Künstler Jörn Stoya stellt seine Werke aus

Die Werke von Jörn Stoya begeben sich im Museum Morsbroich in einen Dialog mit der hauseigenen Sammlung. Bis September werden seine Bilder unter dem Namen "Alles Farbe!" der Öffentlichkeit präsentiert.

Ganz schön mutig, sich mit Georg Baselitz, Robert Rauschenberg, Rupprecht Geiger, Oskar Schlemmer und vielen weiteren Titanen in den Ring zu trauen. Doch der Düsseldorfer Künstler Jörn Stoya steht im Museum Morsbroich gegen die Protagonisten der hauseigenen Sammlung keinesfalls auf verlorenem Posten. „Alles Farbe!“ heißt die von ihm gemeinsam mit den Kuratoren Fritz Emslander und Stefanie Kreuzer konzipierte Schau, deren sommersinnliches Flirren wie Stimmungsdoping wirkt. Transluzent und doch kraftvoll wirken die Kompositionen, die der 1957 in Lüneburg geborene Stoya schafft. Dazu braucht er weder Ölfarbe noch Pinsel, sondern bringt die Pigmente mit bloßen Händen auf seine Nessel-Leinwände und kreiert die sanften Übergänge zwischen den scheinbar schwebenden Elementen mit dem Staubsauger.

Das Ergebnis: wie aus dem Nichts aufsteigende Farbkörper, geometrisch und doch dank sanft gerundeter Kanten auch organisch. Hier verschmilzt das gleißende Hellrot von flüssigem Stahl mit tiefem Eisbergblau, wobei die überdeckte Farbe stets reizvoll durch das dominante Kolorit schimmert.

So kann Stoyas Werk „Maintenant“ durchaus mit Yves Kleins berühmtem „Monochrome bleu“ um die Wette leuchten, während sich sein „Père Lachaise“ zwischen drei blau-gelb-roten Studien von Joseph Marioni durchaus wohlfühlt. Harmonie und Reibung sind auf dem zweistöckigen Parcours geschickt gemischt.

Wenn Jörn Stoya seinen Farbfuror bändigt und die Leinwand „Killing me softly“ mit hauchzartem Silber bedeckt, steht er gegenüber Imi Knoebels grimmig-schwarzem „Schlachtenbild“ in ungewohnter Defensive. Oder er gerät in eine kuriose Wunderkammer mit Katharina Fritschs schwarzem Pudel und dem weißen „Puppy“ von Jeff Koons sowie Yves Kleins neonblauer Nike von Samothrake und der Khmer-Göttin Uma aus dem zwölften Jahrhundert.

Die vage Form der Gesichter

Besonders reizvoll wirken die Porträts des Düsseldorfers, bei denen sich die vage Form der Gesichter aus der Farbe herauszustülpen scheint. Diese aparte Finesse beschert den Bildern höchst prominente Nachbarn: Alexej von Jawlenskys „Johannes der Täufer“ und „Zwei Köpfe“ von Oskar Schlemmer. So wird in der durch einige Leihgaben ergänzten Schau deutlich, wie qualitätvoll in diesem Haus gesammelt wurde, das am 27. Januar 1951 als erste Neugründung eines Museums für Gegenwartskunst in der jungen Bundesrepublik Eröffnung feierte. Zurzeit hakt die einleuchtend konzipierte Rettung von Morsbroich ebenso wie die Neubesetzung der vakanten Direktorenstelle. Unterdessen aber zeigt das Team um den kommissarischen Chef Fritz Emslander, wie faszinierend sich Kunst im barocken Schatzkästchen inszenieren lässt.

Die schönsten Farbklang-Akkorde glücken dabei im ersten Obergeschoss. Da übt sich Stoya auch einmal in nobler Blässe, die von Rupprecht Geigers Studie in Dunkelblau und -rot souverän überstrahlt wird.

Streng architektonisch wirkt jener Raum, in dem Joachim Bandaus Stahl-„Kammer“ mit dem „Hotel Toresch“ des Malers korrespondiert. Der stellt dann auch Georg Baselitz' (aufrecht stehendem) „Hirten“ seinen „Amigo 3“ entgegen. Und er nutzt das „Marble Piece“ von Carl Andre und Sol LeWitts weißen „Cubic Cube“ gewissermaßen als Kontrast-Sprungschanze in seinen Farbkosmos.

Stoyas schönstes Werk in dieser Ausstellung ist vermutlich sein aus tiefem Schwarz magisch aufsteigender „Callboy“, eine Leihgabe aus der Sammlung von Herbert Grönemeyer. Kein Zweifel, der Mann hat Geschmack.

Museum Morsbroich, Leverkusen; Bis 1. September, Di-So 11-17 Uhr. Gustav-Heinemann-Straße 80. www.museum-morsbroich.de

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