"Ein Bützchen ist ein Bützchen und kein Kuss"

Karnevals-Knigge: Was ist erlaubt - und was geht gar nicht?

Bonn. Was ist erlaubt - und was geht gar nicht? Prinzenführer Christoph Arnold hat Tipps zum guten Benehmen im Straßen- und Sitzungskarneval.

Der Karneval - eine "nicht unbedenkliche Lustbarkeit"? Das war jedenfalls der Grund, ihn 1828 per Preußischer Kabinettsorder zu verbieten. Bereits 1596 wurde dieses Vergnügen per Polizeiverordnung auf Rosenmontag beschränkt, um das "Nacht-sauffen, die Nachtgelage, Mummereyen und die Schwertdentzerei" zu unterbinden. Heute wird in der Karnevalshochburg Köln nach Exzessen am Elften im Elften überlegt, am Rosenmontag Kirchen einzuzäunen, um sie vor Wildpinklern zu schützen.

Brauchen die Jecke etwa einen "Führerschein" für die tollen Tage? Was ist erlaubt im Straßen- und Sitzungskarneval - und was geht gar nicht? Rechtsanwalt Christoph Arnold ist seit 16 Jahren Prinzenführer und Justiziar des Festausschusses Bonner Karneval und kennt den "Karnevals-Knigge" aus dem Effeff. Festgelegte Regeln gibt es aber nicht.

"Karneval ist ja gerade ein Fest, das sich gegen Regeln wendet", unterstreicht der Prinzenführer. Arnold erinnert an die Zeit vor 200 Jahren, als Bürger und Studenten die Monarchie auf die Schippe nahmen, die Ehrengarde ein Mittel war, sich lustig zu machen über das echte Militär. "Karneval war ein Aufbegehren, ein bewusstes Brechen der Regeln."

Eine Faustregel für Jecke hat das Festausschuss-Mitglied dennoch parat. "Richtiges Benehmen misst sich daran, was Anstandsregeln und selbstverständliche soziale Verhaltensweisen im Zuge eines friedlichen Miteinanders verlangen. Karneval unterscheidet sich nicht vom normalen Alltag, in dem Rücksicht auf andere gefordert ist. Karneval ist kein Raum für schlechtes Benehmen und auch nicht für geschmacklose Kleidung", so der Prinzenführer. Und: "Ein Bützchen ist ein Bützchen und kein Kuss. Gemeinsam schunkeln - aber respektvoll miteinander umgehen."

Auch der maßvolle Umgang mit Alkohol sollte, wie im normalen Leben, gepflegt werden. "Ich finde es wichtig, dass aktive Karnevalisten sich als Aushängeschild und Vorbild verstehen. Es geht nicht, dass ein Karnevalist betrunken durch die Gegend torkelt oder mit der Bierpulle auf dem Rosenmontagswagen steht. Das macht eigentlich auch keiner."

Froh ist der Prinzenführer, dass in Bonn nicht solche Probleme wie in Köln zu verzeichnen sind. "Wir haben Rosenmontag am Zugweg viele Kneipen und Toilettenwagen, auf dem Marktplatz auch separate Toiletten für in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen und für Familien mit Kleinkindern. Dixi-Klos sind nicht schön, aber Hauseingänge auch nicht."

Seit Jahren achtet der Festausschuss als Veranstalter des Rosenmontagszuges ebenfalls darauf, dass wenig Müll anfällt. Es werden keine Getränke in Gläsern und Flaschen ausgeschenkt. An die Betreiber von Verkaufsständen gibt der Ausschuss die von der Sparkasse Köln Bonn gesponserten Maisstärkebecher aus. Diese Biobecher sollen Scherbensalat am Bonner Zugweg verhindern. Und den braucht kein Jeck!