60 Jahre und noch immer närrisch

60 Jahre und noch immer närrisch

Die Dernauer Loddemöhne zeichnet ein niedriges Durchschnittsalter der Mitglieder aus - Seniorinnen Käthe Stodden und Anna Trarbach zogen schon bei Vereinsgründung mit durchs Dorf

Dernau. Lodde heißt Rebstock und Möhne soviel wie Muhme, Tante. Eine Loddemöhn ist damit eine Frau, die im Weinberg arbeitet. Die Dernauer Loddemöhne sind mehr: ein närrischer Verein, der am Weiberdonnerstag für Stimmung im Dorf sorgt und das ganze Jahr über ein kameradschaftliches Miteinander pflegt. Seit 60 Jahren.

Selbstverständlich sind die Mitglieder bestens mit der Arbeit im Wingert vertraut. Etwa die amtierende Obermöhn Sonja Kurth. Sie ist die sechste Chefin der Loddemöhne, vor 20 Jahren, mit 18, in den Verein eingetreten, familiär vorgeprägt von einer Mutter, die seit 46 Jahren mitmischt. Die Oma war fünf Jahre nach Vereinsgründung beigetreten. Mit den beiden Töchtern ist der Grundstein für die Zukunft der Loddemöhne gelegt.

So verjüngt sich der Verein ständig. Obermöhn Sonja schätzt das Durchschnittsalter der 50 Mitglieder auf 35 bis 40 Jahre. Und: Loddemöhne leben lange. Mit 96 Jahren ist Käthe Stodden die Älteste und sitzt Weiberdonnerstag fröhlich mit im Weinbauverein. Anna Trarbach ist trotz ihrer 86 Jahre noch immer aktiv bei der Sitzung und im Weinfestzug.

Und sie schnürt jeden Monat die Schuhe für die Wanderung der Seniorinnen in einen Nachbarort. Mit Einkehr. Auch Weinköniginnen mischen mit: Martina Klein, Rebekka Paetz und die amtierende Majestät Stephanie Bertram. "Die Loddemöhne sind eine eingeschworene Gemeinschaft, in der jeder herzlich willkommen ist und in der sich Jung und Alt sehr, sehr gut verstehen", wirbt Sonja Kurth für den Verein, den sie seit sieben Jahren führt.

Beim Hochfest Weiberdonnerstag geht's zuerst in die Schule, dann in den Kindergarten. Nach dem Zug durch die Gemeinde mit Stationen bei Geschäften und Banken ist der Gemeinderat im Bürgerhaus an der Reihe. Von da ziehen die Möhnen zu ihrer Sitzung in den Weinbauverein, wo mit Reden, Liedern, Tänzen und Männerballett ein närrisches Programm abläuft.

Es begann 1947. Verkleidet als Zigeunerinnen und mit Milchkannen in der Hand machten sich zehn Dernauerinnen spontan auf zum Zug durchs Dorf. "Haben sie nicht etwas Wein für den alten Vater?", fragten sie von Haus zu Haus und sammelten edle Tropfen. Die Dernauer waren äußerst freigiebig - und die Möhnen am Ende äußerst gut gelaunt.

Als sie sich in späteren Jahren einen geschmückten Wagen für den Zug durch die Gemeinde leisteten, halfen die Männer sogar beim Wagenbau mit. Eine Fahne mit Eselskopf und der Aufschrift "Deane Loddemöhne" auf der einen sowie drei Frauen im Weinberg auf der anderen Seite nähten sie im Jahre 1949, in der armen Zeit, aus einem weißen Kopfkissenbezug. Da waren Anna Trarbach und Käthe Stodden schon dabei.

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