Top-Redner Guido Cantz: Herrensitzung in Ahrweiler außer Rand und Band

Top-Redner Guido Cantz : Herrensitzung in Ahrweiler außer Rand und Band

Bei der Herrensitzung der Ahrweiler Karnevalsgesellschaft gerieten 600 Männer außer Rand und Band. Der Ton war manchmal derb, zum Beispiel beim Auftritt von Top-Redner Guido Cantz, aber das gehört einfach dazu.

Ausnahmezustand im Helmut-Gies-Bürgerzentrum in Ahrweiler: Dorthin hatte die Ahrweiler Karnevalsgesellschaft (AKG) einmal mehr zur Herrensitzung eingeladen. Knapp 600 Männer jeden Alters machten sich einen schönen Tag. Zur besten Frühschoppenzeit standen im Saal bereits Dutzende Pittermännchen, also Zehn-Liter-Kölschfässer, auf den Tischen. Mit einem solchen marschierten auch die beiden AKG-Köbesse Udo Willerscheid und Udo Groß auf die Bühne. Prinzessin Marlis I. schnappte sich schnell ein Kölsch, begrüßte die muntere Truppe, dann ging es auch für sie vor die Tür, das närrische Programm konnte beginnen.

Sitzungspräsident Udo Groß verordnete den Herren zunächst ein wenig Augenpflege, die AKG-Funken und das Unkelbacher Mariechen-Duo Nina Wiest und Patricia Bock ließen die Beine fliegen. Kölns Top-Redner Guido Cantz wunderte sich auf der Bühne allerdings darüber, dass man ihm ein alkoholfreies Kölsch anbot: „Ich höre doch auch keinen Porno im Radio.“ Der Ton war derb, aber das gehört dazu. Cantz wurde politisch, hätte sich den Erdogan-Besuch in Köln lieber am Rosenmontag gewünscht: „Da fällt ein Clown mehr oder weniger nicht auf.“ Auch wusste er zu berichten, dass hinter Kanzlerin Merkel geschlossen nur noch der Berliner Flughafen stehe. Cantz erklärte den Älteren im Saal dann noch Tinder: „Das ist wie ein digitaler Sauerland Stern“ – in Anspielung auf das gleichnamige Hotel im Sauerland. Das war es dann aber auch mit jecken Reden. Zwar versuchte sich „Klimpermännchen“ Thomas Cüpper noch, er musste aber abbrechen, denn die Jecken hatten längst auf Partymodus umgeschaltet. Es ging ab Mittag nur noch auf Tischen stehend, laut feiernd und winkend. Der Party-Startschuss kam von den Domstürmern, deren „ohne Dom, ohne Rhing, ohne Sunnesching“ in Dauerschleife vom Publikum aus ertönte. Die richtige Mischung aus Akrobatik und Charme boten die „Höppemötzjer“. Die Tanzgruppe aus Köln feiert in dieser Session ihr 50-jähriges Bestehen und blickte mit ihren tollen Tanzdarbietungen noch einmal zurück.

Ab dann stellte die AKG klar, dass es um den Kölner Musik-Nachwuchs bestens bestellt ist. Die Klüngelköpp mit Hosenträger und Kappe schmetterten ihr „Bella Ciao“ ins Bürgerzentrum, hunderte Kehlen sangen mit. „Ich hann de Millowitsch jesehn“, berichteten Kuhl un de Gäng. Die Jungs mischten sich unters Publikum und forderten musikalisch auf: „Loss mer springe.“ Kempes Feinest durften den Schlussakkord setzen: „Bring mich noh Huss, noh Huss, loss m’r heimjonn!“ Das passte, auch wenn manch einer der Herren noch einen Besuch in einer der Ahrweiler Kneipen vollzog. Vor Augen hatten sie wahrscheinlich noch das Bild der „Fauth Dance Company“. „Deutschlands bestes Damenballett“ wusste Groß, der sich beim Anblick der 15 jungen Damen an die großen Samstagabend-Fernsehshows der 1970er-Jahre erinnert fühlte.