Gemeinschaftssitzung im Bad Neuenahrer Kurhaus: Stadtchef lässt Badewanne einzäunen

Gemeinschaftssitzung im Bad Neuenahrer Kurhaus : Stadtchef lässt Badewanne einzäunen

29. Hutsitzung geht mit vielen karnevalistischen Glanzlichtern über die Bühne des Kurhauses. Die fünf Gesellschaften der Stadt bieten ein großes "Best-of"-Programm.

Wenn sich die Kreisstadt-Karnevalisten zu einer gemeinsamen Sitzung zusammenschließen, um dem Publikum eine fast sechsstündige Narrenrevue zu präsentieren, dann kann man sich auf einiges gefasst machen. Zum 29. Mal fand die Hutsitzung – einmal mehr vor ausverkauftem Haus – statt. Geboten wurde ein Festival des Frohsinns, zu dem alle Karnevalsgesellschaften der Stadt ihren stattlichen Beitrag leisteten. Der gut aufgelegte Sitzungspräsident Franz-Josef Creuzberg konnte ein karnevalistisches Glanzlicht nach dem anderen präsentieren.

Die Veranstaltung dient traditionsgemäß einem guten Zweck. So konnte Bürgermeister Guido Orthen gleich zu Beginn einen Scheck in Höhe von 2500 Euro für in Not geratene Menschen in Empfang nehmen. Dann aber war den Ahrweiler, Bachemer, Bad Neuenahrer, Heimersheimer und Walporzheimer Karnevalsgesellschaften das Feld auf der Bühne überlassen. Sie alle nutzten es, um gekonnt in die Welt der guten rheinischen Laune zu entführen.

Dabei legte die „Tanzende Reihe“ der KG Schinnebröder einen Blitzstart hin: Die von Ramona Pelikan trainierte Gruppe zeigte einen schwungvollen, sehr sorgsam einstudierten Tanz, der auf jeder Kölner Bühne mit dem gleichen tosenden Beifall bedacht worden wäre wie im Bad Neuenahrer Kurhaus. Schnell hatte der Saal Betriebstemperatur erreicht: Kein Wunder, dass die „Schäl Pänz“ da mit ihren Kölner Gassenhauern im Anschluss leichtes Spiel hatten.

Auch die Mittleren Funken der Blau-Weißen aus Bad Neuenahr sorgten für Furore. Nicht zuletzt Solomariechen Liliana Ahmeti konnte rauschenden Applaus einheimsen. Dann war die Bühne frei für die „Drei Putzfrauen aus dem Rathaus“. Antonia Rieb, Birgit Bey-rodt und Helmi Ohlenhard hatten so manche Merkwürdigkeit aus dem Verwaltungssitz der Kreisstadt zu berichten. Dabei nahmen die drei versierten Reinigungskräfte insbesondere die Stadtspitze, Baumaßnahmen in der Stadt oder auch die Landesgartenschau ins Visier.

„Prima ist ja, dass es zwei neue Geschäftsführer für die Laga gibt, die erst in vier Jahren anfängt. Zwei Chefs sind schon weg, bevor die erste Tulpe gesetzt ist. Im Stadtrat wurden die ersten zwei Geschäftsführer neulich nämlich gefragt: Jetzt mal ohne Taschenrechner: Wie viel ist 7 mal 9? Da hat der eine von denen gefragt: Bis wann brauchen Sie das Ergebnis?“, berichteten die Putzfrauen, die sich aber auch eifrig über das Laga-Maskottchen „Ahrvin“ lustig machten, das wie eine gerade aus einem UFO ausgestiegene Pokemon-Figur aussehe. Dass Bürgermeister Guido Orthen um seine Badewanne einen Zaun hat ziehen lassen, damit er nicht ganz so weit hinausschwimmt, konnte man ebenfalls erfahren.

Eine starke Leistung gab es auch von den Bachemer Merle, die mit schöner Choreografie und prima Hebefiguren aufwarteten. Die „Botzedresse“ – in diesem Jahr auf Abschiedstour – ließen die Stimmung im Saal weiter köcheln. Was spielend auch den staatse Kerls der Ahrweiler Stadtsoldaten gelang, die mit Pauken und Trompeten in den Kursaal einmarschierten.

Das lokale Ahrweiler Geschehen aufs Korn nahmen auch die „Lästerschwestern“ Carolin Groß und Theresa Friedrich. Ihre Neuigkeiten aus dem Westen der Stadt, ihr Verzäll aus dem „Jägerhof“, ihre Plaudereien über Unfälle zu Weihnachten aus dem Knaubermarkt oder an der Parkplatztreppe am Niedertor kamen bei den Zuhörern gut an. Nicht zuletzt wurde die Frage gestellt, wer denn eigentlich im Laga-Maskottchen „Ahrvin“ steckt. Eine Antwort auf die Frage, wer sich tatsächlich freiwillig in dieses Kostüm zwängen lässt, gab es allerdings nicht. Mit einem knallroten Gummiboot zog das Männerballett Walporzheim in den Kursaal. „Deine Heimat ist das Meer, Deine Freunde sind die Sterne“, hieß es bei den beinbehaarten Grazien.

Mit einem temperamentvollen Auftritt gab das Funkencorps Heimersheim seine Visitenkarte ab, bevor Ändi Marquardt als „Märchentante“ tief in die Mottenkiste des Verzälls griff. Stimmung war wieder angesagt, als „Jeckediz“ mit altbekannten Schmacht- und flotten Gemütsfetzen Dur und Moll strapazierten.

Die Großen Funken der Bunten Kuh, das Funkencorps Bachem und die Showgruppe „Rio Palace“ setzten weitere Akzente dieser Benefizveranstaltung, die deutlich machte, dass es nicht unbedingt der teuren Kölner Spitzenkräfte bedarf, um eine gelungene Sitzung auf die Beine zu stellen.