Godesberger Prinz: Thomas II. liebt Frank Zappa und den 1. FC Köln

Godesberger Prinz : Thomas II. liebt Frank Zappa und den 1. FC Köln

Einst war Thomas Wedde ein gewöhnlicher Jeck am Straßenrand. Am Sonntag geht für ihn ein Traum in Erfüllung: Als Godesberger Prinz hat er die Hauptrolle im Karnevalszug.

„Sage mir, mit wem du umgehst, so sage ich dir, wer du bist.“ Im Fall von Thomas Wedde kann das Zitat aus Wilhelm Meisters Wanderjahren von Johann Wolfgang von Goethe nur auf eine Antwort hinauslaufen: Karnevalist. Denn obwohl der 51-Jährige aus dem wenig närrischen Siegerland stammt, hat er den Fastelovend im Blut – und ist täglich von organisierten und nicht organisierten Jecken umgeben. Aktives Mitglied bei der KG Blau Gold Muffendorf, Festausschuss-Vizepräsident, Zugleiter und in dieser Session gar der Regent des närrischen Volkes. Doch nicht nur Hänneschen, Ornat und Kette machen Prinz Thomas II. aus. Da ist viel mehr.

Wirft man einen Blick in des Prinzen Arbeitszimmer, wird das Mehr schnell sichtbar. Zunächst wären da (reichhaltig an mehreren Standorten vertreten) die Karnevalsutensilien – erste Leidenschaft. Dass der Fastelovend einmal ein so wichtiger Teil seines Lebens werden würde, hätte Wedde zu Siegerländer-Zeiten nicht gedacht. Sechs Jahre war seine heute 22-jährige Tochter alt, als sie mit der Schule beim Schweinheimer Zoch dabei war. „Da war ich beeindruckt“, erinnert sich Thomas II. „Buntstift statt Rotstift“ sei einer der Slogans gewesen. „Karneval ist ja richtig politisch“, habe er gedacht. „Seitdem bin ich angefixt.“

Schnell wurde der 51-Jährige vom Jecken am Straßenrand zum ehrenamtlichen Helfer. Marketing, Webseite, Außendarstellung waren seine Themen beim Festausschuss. Dann klopfte vor vier Jahren der heutige Präsident (und damalige Zugleiter) Armin Weins an. Sein Ziel: Wedde sollte bei der Zugorga dabei sein. „Er hat mir gesagt: Da hast Du nicht so viel zu tun. Heute weiß ich, dass das Teil seiner Akquisemasche ist“, sagt der Prinz und lächelt.

Ein FC-Strampler für den Nachwuchs

Dann wäre da in Form von Hennes ein eindeutiger Hinweis auf den favorisierten Fußballverein, den 1. FC Köln – zweite Leidenschaft. „Das war einer meiner Gründe, ins Rheinland zu gehen“, sagt Wedde mit einem Augenzwinkern. „Ich wollte endlich in der Nähe meines Vereins sein.“ Schon als Kind habe er sich am Tischkicker mit seinem besten Freund gestritten, wer mit dem FC spielen durfte. Wie eng er dem Verein weiterhin verbunden ist, zeigt sich auch im Familienleben. „Zwei Tage nach der Entbindung war ich im Stadion“, erinnert sich der dreifache Vater. Als Geschenk gab es für Frau und Nachwuchs – natürlich – einen FC-Strampler.

Hinzu kommt eine fast unüberschaubare Menge an Büchern in den Regalen, fein säuberlich nach Autoren sortiert. Die Literatur – dritte Leidenschaft. Vor allem Arno Schmidt hat es ihm angetan. Generell aber gehört sein Herz verschiedenen Literaten – „vom Klassiker bis zur Moderne“.

Ein bekannter Schnäuzer, der es sogar auf den Sessionsorden geschafft hat, darf im Arbeitszimmer ebenfalls nicht fehlen. Wen er charakterisiert? Frank Zappa – vierte Leidenschaft. „Als ich nach Bonn gekommen bin, war ich bei einer WG-Party“, sagt Wedde, der 1988 sein Studium am Rhein startete. Dort lief Zappa, dessen Musik ihn nicht mehr losgelassen hat. So steht jährlich der Besuch der Zappanale, einem Festival in Bad Doberan, auf dem Programm. Mit dabei sind ehemalige Zappa-Musiker, Coverbands und mehr. Die Fangemeinde ist eng verbunden. Kein Wunder also, dass bei der Proklamation ein kompletter Zappanale-Tisch dabei war. Teilweise mit weiter Anreise, einige kamen zum Beispiel aus Holland. „Es war ein Kulturschock für sie, es wurde mit allen Konventionen gebrochen, die sie kannten.“ Insgesamt aber hätten sie die Veranstaltung zappaesk gefunden – ein großes Kompliment. Die Farben, der umjubelte Empfang: „Sie waren echt beeindruckt.“

Im Job viel unterwegs

Genau wie seine Geschäftspartner, einer war aus den Karpaten angereist. Die sind auch in seinem Arbeitszimmer vertreten. In Form eines Schreibtischs, Computers, eines Koffers. Denn Wedde ist als selbstständiger Auditor und Berater für Qualitätsmanagementsysteme viel unterwegs. Der Job – fünfte Leidenschaft.

Doch zurück zum Anfang. Seinen Job als Prinz nimmt Wedde sehr Ernst. „Ursprünglich war der Prinz Karneval der Hofnarr, der den Herrschenden den Spiegel vorhalten durfte, ohne dafür getötet zu werden.“ Doch nicht nur das macht das Tollitäten-Dasein für ihn aus: „Die Würdigung der Vereine ist mir ein Anliegen“, so Thomas II. Ihre Arbeit werde nicht einfacher. Dabei seien sie „so wichtig für den Zusammenhalt. Sie sind der soziale Kitt der Gesellschaft“, sagt Wedde, für den seine Frau Ilka und die drei Kinder übrigens an der Spitze stehen. Und somit quasi die nullte Leidenschaft sind.

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