Sessionsarbeit fast ohne Pause

Unterwegs mit der Beueler Wäscherprinzessin

Beuel. Kitas, Seniorenfeiern, Kreistag und Partys: Franzi I. ist ständig auf Tour. Hier ein Bützchen, dort ein Selfie, Reden halten, repräsentieren. Ohne ihre Begleiter wäre das alles nicht zu schaffen.

Die letzte Amtshandlung des Tages für Kalle Reddemann ist, den Abholplan für den nächsten Tag zu versenden. Dann noch ein Glas Rotwein, danach geht auch der Fahrer der Wäscherprinzessin ins Bett. Ist ja in der Regel dann auch schon 23 Uhr oder später, und am nächsten Tag muss er früh raus, den Wagen ausmisten, leere Sektgläser spülen, Kamelle für die Kindergartenbesuche holen, bevor er die Wäscherinnen, den Bützoffizier, Wäscherprinzessin Franzi I. und die Obermöhn jeweils zu Hause einsammelt. So geht es Tag für Tag, aber der heutige Samstag ist der letzte.

Der Mittwoch begann mit schlechten Nachrichten: Wäscherin Linda fiel erkrankt aus, und Obermöhn Ina Harder hatte keine Stimme. Aber wofür hat man eine Vize? Also sprang Patty Burgunder ein. Am Rathaus traf man auf den Begleiterbus, gelenkt von Sebastian Pätz. Auf dem Programm standen als erstes drei Kindergärten, in denen Franzi die Farben ihres Ornats erklärte. Nicht ganz das, was sich die Kinder unter einer Prinzessin vorstellen. „Wer braucht schon eine Krone, wenn er so ein schönes Häubchen tragen darf?“

An einer Station sollten Franzi und Equipe bei einem Lied mittanzen, dafür mehrmals in die Knie gehen, Frühsport am Morgen eines langen Tages. In der spanisch-deutschen Kita Sankt Paulus tanzten ihr die Kinder etwas vor, die Räume waren liebevoll im Piratenthema dekoriert. Es gab Schnittchen und Gebäck. Sehr angenehm. „Selfie-Queen“ Burgunder machte ihrem Namen alle Ehre und lichtete sich mit Franzi und Kinderwäscherprinzessin Ida I. ab, die man dort am Tag nach ihrer Proklamation auch traf.

Empfang im Siegburger Kreishaus

Die lange Fahrt zum Kreishaus in Siegburg bot Gelegenheit, ein wenig Schlangenlinie zu fahren zum Liedchen „Himmelblaue Augen“, Franzi mag das, am liebsten in Dauerschleife. Im Kreisverkehr gab es gerne mal eine Extrarunde – auch der Fahrer möchte ja seinen Spaß haben. Zeit, sich auf die Großveranstaltung vorzubereiten, die als größter Tollitätenaufmarsch in der Region bekannt ist. Die Wäscherprinzessin war dort schon lange nicht mehr, erzählt Burgunder. Das habe zeitlich nie gepasst. Aber im 60. Jahr der Wäscherprinzessin sollte es dann doch mal wieder sein.

Das große Pressefoto mit allen Tollitäten um 12.12 Uhr verpasste Franzi – nicht, weil sie zu spät gewesen wäre. Als sie pünktlich eintraf, war das Foto aber schon erledigt. Gelegenheit, sich unters Volk zu mischen, Anstecker zu verteilen und zu erhalten, sich ins Gästebuch einzutragen und noch einmal Oberbürgermeister Ashok Sridharan – der 1995 im Kreishaus seine Verwaltungskarriere begann – und den Beueler Bezirksbürgermeister Guido Déus mit Charme und Lieblichkeit einzulullen vor dem großen Rathaussturm. Landrat Sebastian Schuster überraschte mit der Aussage, auch mit den Verteidigern auf dem Balkon zu stehen. „Das Drehbuch ist fertig, und er steht nicht drin“, meinte Franzi. Der OB hatte ihn wohl noch reingeschrieben, aber auch er konnte die Erstürmung des Beueler Rathauses nicht verhindern.

Träumen vom Rathaussturm

Zwischendurch einer dieser seltenen Entspannungsmomente: Arianes Mutter Ursula Clever lud zum Verweilen in die hauseigene behagliche Grillhütte ein. Alle beieinander in gemütlicher Enge, in der Mitte ein Feuerchen, die frostige Kälte und die Hektik eines durchgetakteten Tages bleiben draußen. Franzi I. bewies an Weiberfastnacht mit großen Kanonen, dass sie die Konfetti-Prinzessin ist. Aber immer nur Party ist auch nicht gut.

Noch eine Kita, für die die Fahrer erst mal neues Wurfmaterial besorgen mussten, dann der gemütliche Nachmittag im Vilicher Haus der Begegnung und – praktischerweise gleich gegenüber – die Feier in der Cafeteria des Seniorenstifts Sankt Adelheid. Nach diesem Termin war Franzis Stimmung ein wenig im Keller: Kaffeefleck auf dem Ornat. Der musste beim Weinhaus Lichtenberg in Königswinter, wo sie zum Abendessen einkehrten, erst mal ausgewaschen werden. Danach ging es zur Sparkasse in Beuel, zum Treffen der Mirecourt-Delegation ins Hotel Zur Post. Der Tag klang bei der Express-Party im Wirtshaus Rheinbrücke aus.

Danach Träumen vom Rathaussturm. „Ich kann seit der Proklamation nicht mehr richtig schlafen“, gab sie zu. „Das geht einem immer durch den Kopf.“ Aber es ist ja alles gut gegangen.