Reisen zwischen den Rheinseiten: Ein Tag auf Tour mit der Wäscherprinzessin in Beuel

Reisen zwischen den Rheinseiten : Ein Tag auf Tour mit der Wäscherprinzessin in Beuel

Wäscherprinzessin Ariane I. fährt in der Karnevalszeit von Termin zu Termin. Wir haben die Beueler Regentin einen Tag bei ihren Touren zwischen Waffeln, Chaffeur und Sekt aus Plastikbechern begleitet.

„Erst das Lätzchen, sonst läuft das nicht!“, ruft Ariane I. Bei Waffeln mit heißen Kirschen und Vanilleeis sollte man kein Risiko eingehen, da gilt es, das Wäscherprinzessinnen-Ornat zu schützen. Solche Leckereien wie beim Kurzbesuch in der Salzgrotte im Beueler Osten gibt es immer mal wieder – zum Glück für die Tollität, die nun wirklich viel herumkommt. Diese Station gehört zu einer der logistisch ganz verrückten Touren: Erste Station ein Seniorenkaffee der Vinzenzkonferenz in Sankt Quirinus in Dottendorf, zweite Station die Salzgrotte, danach geht es erst zur Karnevalsfeier in der Hochkreuz-Augenklinik und dann zum karnevalistischen Klön-Kaffee der katholischen Frauengemeinschaft Vilich-Müldorf – kann man das nicht besser planen?

Manchmal eben nicht, erklärt Bützoffizier Wolfgang Schenk, der in der Woche hin und wieder die Begleiterinnen der Wäscherprinzessin vom Damenkomitee der Katholischen Frauengemeinschaft Sankt Joseph chauffiert, wenn die offiziellen Fahrer arbeiten müssen. „Vor allem, wenn Termine noch ganz spontan dazu kommen.“ Dann kommt halt auch mal so ein „Brückentag“ zustande, wie ihn Wäscherprinzessinnen-Fahrer Kalle Reddemann nennt.

Und was macht man, während man hin und her über die Südbrücke düst? Die Komitee-Damen vertreiben sich die Zeit mit lauter Karnevalsmusik und Sekt aus Plastikbechern. Ja, Alkohol spiele auch bei ihr im Auto hin und wieder eine Rolle, sagt Ariane I. Auf den Terminen dagegen seltener. „Ich trinke gar nicht so viel.“ In Dottendorf nippt sie nur am Sektglas – an Tagen mit sechs bis zwölf Stationen wäre sie andernfalls schon nach der halben Tour sturzbetrunken. Und anders als die Équipe-Damen – keine Sorge, auch die übertreiben es nicht – muss Ariane ja bei jedem Halt etwas sagen.

Spannungsmoment beim Sternesammeln

Eine kleine Herausforderung ist das beim letzten Termin an jenem Tag. Tatsächlich muss die kleine Autokolonne nach Vilich-Müldorf noch ein weiteres Mal über die Brücke. Erst im Berufsverkehr Schritttempo fahren zu einem Seniorentreff in Mehlem, dann zu den „Bonn Expats“ ins Alte Rathaus. Dort ist Ariane angehalten, Menschen aus aller Welt zu erzählen, was es mit der Wäscherprinzessinnen-Tradition und dem Beueler Karneval auf sich hat. Vorher ist sie ein wenig nervös, hat sich aber vorbereitet, zumindest Teile des Vortrages auf Englisch zu halten – bei der Übersetzung ihres Tollitätentitels orientiert sie sich an der Homepage des Bonner Expat-Netzwerks: Dort ist sie als „Washer Princess“ gelistet. Den Vortrag darf sie dann aber auf Deutsch halten.

Aufgeregt sei sie ansonsten nicht – schon gar nicht vor ihrem großen Tag am Donnerstag und dem Rathaussturm. Allerdings: Die Idee, während ihrer Amtszeit 13 Sterne sammeln zu müssen, um das Rathaus ohne Gegenwehr übernehmen zu dürfen, bringe ein Spannungsmoment mit sich. „Vor den Auftritten, bei denen ich einen Stern bekommen soll, bin ich schon etwas aufgeregt: Was muss ich da tun?“ Sie musste Wäsche waschen, ein Schild mit einem Akkuschrauber befestigen, rollende Erbsen mit einem Hammer treffen und dergleichen mehr. Das alles hat sie souverän gemeistert, zwölf Sterne bekommen – der 13. wartet vermutlich vor dem Beueler Rathaus auf sie.

Wenig Zeit zum Durchschnaufen

„Die letzten zwei Wochen sind die interessantesten“, stellt die Wäscherprinzessin fest. Da ist sie nahezu jeden Tag außer Rand und Band, besucht Kindergärten und Grundschulen, Seniorenheime und Vereins-Karnevalsfeiern, beehrt Geschäftsleute, die sie eingeladen haben, proklamiert die Kinderwäscherprinzessin. Dazwischen ist nur wenig Zeit zum Durchschnaufen. Viel Zeit verbringt sie im Auto mit ihren Wäscherinnen und der Obermöhn. Und immer muss sie quasi auf Knopfdruck gute Laune verbreiten. „Das fällt mir gar nicht schwer“, sagt Ariane I. Das sei auch kein künstlicher Frohsinn. „Wenn die Musik losgeht, freuen wir uns wirklich.“

Die Musik spielt am Donnerstag in Beuel, in den Straßen, vor dem Rathaus, vermutlich dann auch darin – bislang hat es ja noch jede Wäscherprinzessin dort hinein geschafft. „Ich glaube, dass das ein ganz toller Tag wird“, sagt Ariane. „Mein Damenkomitee hat sich tolle Sachen für mich überlegt.“