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Karneval in Beuel: Wäscherprinzessin Lena I. hat am 11.11. gemischte Gefühle

Karneval in Beuel : Wäscherprinzessin Lena I. droht eine Session ohne Auftritt

Der Start in die neue Session fällt für alle organisierten Karnevalisten in Beuel aus. Das Ornat von Wäscherprinzessin Lena I. bleibt vorerst noch im Kleiderschrank. Obermöhn Ina Harder verhandelt mit Stadt Bonn über eine alternative Proklamation

Eigentlich ist es eine lieb gewonnene Tradition: Am Martinstag feiern rheinische Jecken den Auftakt der neuen Karnevalssession. Pünktlich um 11.11 Uhr am „Elften im Elften“ knallen Sektkorken und neue Tollitäten werden der johlenden Menge vorgestellt. Jedoch 2020 ist vieles anders als üblich – auch im Brauchtum. Der Karneval beugt sich den kompromiss- und alternativlosen Schutzauflagen der Corona-Pandemie. Statt Alaaf-Rufen gibt es Aha-Regeln. Abstand halten, Hygiene beachten und Alltagsmaske (Mund-Nasen-Bedeckung) tragen – Auflagen, die mit närrischem Treiben nicht vereinbar sind.

Und so führt es dazu, dass auch  in der Narrenhochburg Beuel die Karnevalisten gezwungenermaßen ihre Aktivitäten ruhen lassen. Tanzcorps, Damenkomitees sowie die Tollitäten, Wäscherprinzessin Lena I. (Obliers) und Liküra-Prinzessin Angela I. (Frings), fügen sich der Aufforderung der Bezirksregierung Köln: „Alaaf zosamme un maht keine Stuss, fiert dä 11.11 dis Johr vun zohus“.

Besonders hart trifft der Karnevals-Lockdown die Tollität der Beueler Weiberfastnacht. Lena Obliers wird im Gegensatz zum Bonner und Bad Godesberger Prinzenpaar sowie der Liküra nur eine Session regieren. Den Grund für diese Entscheidung des Arbeitskreises Beueler Weiberfastnacht nennt Obermöhn Ina Harder: „Unser Brauchtum in Beuel ist bei jungen Frauen so beliebt, dass die Bewerberinnen für dieses höchste Amt der Weiberfastnacht Schlange stehen und wir bereits Kandidatinnen bis einschließlich 2025 haben.“

„Ich habe dieses Risiko einkalkukliert“

Lena I., die im schlimmsten Fall bis Aschermittwoch nicht ein einziges Mal auf die große Karnevalsbühne darf, ist traurig, aber gefasst: „Ich wusste von Anfang an, was mich wegen der Corona-Pandemie erwarten kann. Ich habe dieses Risiko einkalkukliert.“ Die 22-Jährige, die für das Oberkasseler Damenkomitee „Nixen vom Märchensee“ in deren Jahr des 75-jährigen Bestehens antritt, erklärt voller Überzeugung: „Auch in einem so schwierigen Jahr muss es eine Repräsentantin der Weiberfastnacht geben. Symbolfiguren sind Identitätsstifter und Hoffnungsträger. Ich stehe bereit und hoffe, dass ich doch noch eine Chance erhalte, meine Botschaft öffentlich zu transportieren.“ Lena I. hat sich jedenfalls auf alles vorbereitet: Das Ornat hängt im Kleiderschrank und die Orden der Tollität werden gerade geprägt.

Die Showtanzgruppe „Dilledöppchen“ trainiert erst einmal weiter. Auftritte wird es aber erst in der Session 2021/22 geben. Foto: Dilledöppchen

Auch die Beueler Stadtsoldaten, die Schutztruppe der Wäscherprinzessin, haben entschieden, alle Traditionsveranstaltungen ausfallen zu lassen. Kommandant Hans Hallitzky hält an nur zwei Terminen im Freien fest. Das Biwak an Karnevalssamstag vor dem Beueler Rathaus und ein Spendenumzug durch die Innenstadt sind noch nicht abgesagt. „Das Corps schließt sich der Kampagne ‚Diesmal nicht’ an. Die Gesundheit aller ist wichtiger als Karneval“, so Hallitzky zum GA.

Trübsal blasen die meisten Karnevalisten dennoch nicht. Die Folgen der Pandemie lassen ungeahnte Kreativkräfte frei werden. Ein Beispiel: Die Frauen des Damenkomitees Sankt Josef griffen zu Häkelnadeln und stellten unter dem Motto „Den Kopf nicht hängen lassen“ lustige Narrenschiffchen für die Corona-Session her. „Bei kalten Temperaturen halten unsere Häkelschiffchen wohlig warm und die nächste Session kommt bestimmt“, sagte Präsidentin Brigitte Mohn. Der Kauf der Häkelschiffchen unterstützt die zukünftige Arbeit der jecken Wiever. Die Mützen kosten ab 35 Euro. Interessierte wenden sich bitte unter Angabe ihrer Telefonnummer an   info@dk-st-josef.de. Fotos der Mützenmodelle und Details findet man auf www.dk-st-josef.de.

Um sich und andere vor dem Coronavirus zu schützen, hat sich auch die Showtanzgruppe „Dilledöppchen“ aus der Narrenrepublik Liküra entschieden, keine Auftritte in der Karnevalssession 2020/21 wahrzunehmen. „Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, aber wir wollen kein Risiko eingehen“, erklärt Präsidentin Jenny Pannes, „dennoch bereiten wir uns so gut es geht auf die nächste Session vor und lassen uns nicht die Freude am Tanzen nehmen.“

Auch die Schwarzrheindorfer Frackgesellschaft „Schwarz-Gelbe Jonge“ hat alle Bühnen-Aktivitäten abgesagt. Vorsitzender Helmut Sementschuk hat vor wenigen Tagen alle Sitzungen im Brückenforum gecancelt.