Glamouröse Zeitreise durch den Karneval: So war die Gala-Prunksitzung der Bonner Stadtsoldaten

Glamouröse Zeitreise durch den Karneval : So war die Gala-Prunksitzung der Bonner Stadtsoldaten

Die Stadtsoldaten hatten bei ihrer Gala-Prunksitzung klassische und moderne Elemente des Fastelovends. Ein Mann stand dabei besonders im Mittelpunkt der großen Feier im Maritim.

Das ist schon eine Hausnummer, wenn man 1850 Gäste an seinem Geburtstag hat und dabei sogar noch den ganzen Abend über im Mittelpunkt steht. So erging es am Sonntag Dirk Vögeli, der 50 Jahre alt wurde und sein Debüt als Schultheiß bei der Gala-Prunksitzung der Bonner Stadtsoldaten gab. Ein Ständchen vom gut gelaunten Publikum im Bonner Hotel Maritim durfte dabei natürlich nicht fehlen.

Doch im Pompons wedelnden Elferrat fühlt sich der Bonner Ex-Prinz bereits seit fünf Jahren zu Hause: Denn solange sitzt er schon an Seite seines Vorgängers, Sitzungspräsident Willi Baukhage, im Narrenschiff. „Willi hat mir so einige Tipps gegeben“, sagte Vögeli, bleibt sich selbst dabei treu: „Ich mach das einfach so, wie ich bin. Mit Spaß am Karneval.“ Wenn man mit dem Herzen moderiere, „dann merken die Leute das auch“, so das Geburtstagskind, der nun auch Literat der Stadtsoldaten ist, also das Sitzungsprogramm zusammenstellt.

Das begann, wie gewohnt, mit dem pompösen Auftritt in Blau, Weiß und Rot: Die Aktiven aller Altersklassen hatten sich in Schale, sprich Uniform, geschmissen und gaben auf der Bühne mit Marschmusik und Tänzen die Visitenkarte des staatsen Corps ab, wibbelten beim Stippeföttche um die Wette. Es muss Tanzmarie Lina Engbrocks gejuckt haben, nicht selbst durch die Luft wirbeln zu können. Sie fällt aus, nachdem sie vor ein paar Wochen bei einem Auftritt mit dem Fuß umgeknickt war, kam auf Krücken. Kommandant Ralf Wolanski hielt die Lanze für seine Truppe hoch: „Ein Karneval ohne Corpsgesellschaften, ohne Tanzgruppen, das ist kein Karneval.“

In dieses Horn stieß auch Wicky Junggeburth, der an Redner wie Horst Muys erinnerte, alte kölsche Leedcher sang (natürlich auch sein „Einmol Prinz zo sin“), aber auch die neuen Bands wie Kasalla und Cat Ballou lobte: „Och dat es kölsche Fastelovend“. Das wissen die Stadtsoldaten auch, setzten bei ihrer Sitzung auf diese Stimmungsmacher. Trotzdem war es mutig, den Abend mit Reden zu beginnen, was mit dem intelligent-witzigen Vortrag von Martin Schopps nicht daneben gehen konnte. Er berichtete von den Vorzügen des Handys mit Teenagern im Auto, auch wenn die am Ende bei der Frage „Sind wir schon in Italien?“ gar nicht gemerkt haben, dass sie sich nach zwei Wochen Urlaub längst auf der Rückreise befanden.

Guido Cantz widmet sich der aktuellen Bundespolitik

Seine Krätzje-Vision von 2040 sah nicht so rosig aus: „Am Aachener Weiher wurde unser Weltbild erschüttert, da wurden drei Rentner von einer Ente gefüttert.“ Comedian Guido Cantz nahm die aktuelle Bundespolitik aufs Korn, warnte davor, dass Thüringer Rostbratwürste bei der FDP-Grillparty ganz schön schnell braun werden können.

Das gefiel auch den Freunden aus Würzburg, der 1. KG Elferrat, deren Prunksitzung die Stadtsoldaten vor einer Woche besucht hatten. „Das ist so schon familiär hier“, schwärmte die unterfränkische Prinzessin Britta I., die ihren Robert II. mit vier stattlichen Federn im Schlepptau hatte. Aus ihrem „Helau“ wurde schnell ein kräftiges „Alaaf“. Cantz bot ihnen an, ein wenig langsamer zu machen – aber nicht nötig.

Das Corps machte Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan für seine Verdienste um den Karneval in der Bundesstadt zum Ehrenobristen.

Andere Politiker wie Recep Tayyip Erdogan, Boris Johnson und Donald Trump bekamen im Gegenzug an allen Ecken und Enden ihr Fett weg, meist mit sehr deutlichen Worten. Bands und Garden wie Sr. Tollität Luftflotte mit ihren akrobatischen Tänzen gaben sich die Klinke in die Hand, später tanzten viele noch bei der After-Show-Party. Auch die zufriedenen Würzburger.