Rosenmontag in Niederdollendorf: Dollendorfer Jecke feiern Zug und Proklamation gleichzeitig

Rosenmontag in Niederdollendorf : Dollendorfer Jecke feiern Zug und Proklamation gleichzeitig

Prinz Jens I. (Meyer) und Prinzessin Moni I. (Kramer) übernehmen das närrische Zepter im Zug durch Niederdollendorf. Weinhörner und Steampunk-Ballonfahrer sorgen für Staunen.

Der Prinz hat abgedankt, lang lebe das Prinzenpaar! Perfekteres Timing hätte es für das neue Tollitäten-Duo von Niederdollendorf wahrlich nicht geben können. Denn es war auf den Tag genau vor sechs Jahren, am 12. Februar 2012, als sich der frischgebackene Prinz Jens I. (Meyer) und Prinzessin Moni I. (Kramer) erstmals kennenlernten. Nun, pünktlich zum Jahrestag, wurden die Beiden im Schatten von Sankt Michael für die kommende Session in ihr Amt eingeschworen – und zwar von niemand Geringerem als Bürgermeister Peter Wirtz, dem „Winnetou von Königswinter“, sowie von Willi Sülzen, dem Chef der Veedelszoch-Freunde, und deren Ehrenvorsitzenden Peter Paul Schmidt.

Nachdem Vorgänger Peter I. (Koll) das versammelte Fußvolk gelobt – „Es war einfach schön mit euch“ – und sein Zepter niedergelegt hatte, setzten die Nachfolger unter närrischem Jubel die Federkappen auf und erklommen sodann den festlich geschmückten Prinzenwagen.

Die neuen Regenten sind keine Unbekannten in der hiesigen Karnevalsszene. Jens I., 40 Jahre jung, arbeitet als Bodenleger bei einem ortsansässigen Tischler und war einst König der Oberdollendorfer Sebastianus-Junggesellen. Moni I., 48 Jahre jung, stammt aus Bad Godesberg und ist Regierungsbeamtin. Beide sind Mitglied der KG Küzengarde sowie der KGC Justitia, dem Karnevalsverein der Bundesjustiz in Bonn.

Aus Einhorn wird Weinhorn

Und fix weiter im Programm. Siehe da: Einhörner liegen voll im Trend. „Guck mal, ein Weinhorn!“ – Der Freundeskreis aus 15 Oberdollendorfer Weinliebhaberinnen, die mit weiß-pinken Kostümen, glitzernder Kopfbedeckung und 20 Litern flüssigem Proviant den Zug aufmischten, zauberte den jungen Artgenossen, die mit Kamellebeuteln ausgerüstet am Straßenrand warteten, ein breites Grinsen aufs Gesicht.

Wenige Schritte dahinter die „Dollen Dörfler“ als Steampunk-Ballonfahrer, offenkundig genervt von den Wirrungen bürgerferner Politik: „Keen Jerömme vom ville baue, loss us enfach he avhaue.“ Ganz hinten mit dabei: Der rot-weiß geschmückte Jubliläumswagen des ehemaligen Prinzenpaares Heidi und Wolfgang (Dedecke), die vor exakt einem Vierteljahrhundert als zweites Dollendorfer Tollitäten-Paar überhaupt regierten.

Und während der „Zirkus Merlin“ des gleichnamigen Kindergartens seine angehenden Löwen, Dompteure und Zauberer – und, besonders charmant, einen mit Pappe verkleideten Star-Wars-Kinderwagen samt Nachwuchs-R2D2 – präsentierte, schlenderten die Niederdollendorfer Junggesellen in weißen Overalls als Strichmännchen durch die Straßen. Ganz aufs Minimum reduziert eben – denn dann zeige sich: „Jeder Jeck is anders, und doch simmer all gleich.“